Jahresendrally
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Der Countdown läuft Aktienmärkte vor dem Jahresendspurt

Stand: 01.12.2017, 15:08 Uhr

Immer wenn es auf das Jahresende zugeht, wird es nochmal spannend an der Börse. Denn welcher Anleger will nicht zum Jahresende die Wertentwicklung noch etwas aufhübschen? Dumm nur, dass der Weltleitindex Dow Jones und unser Dax derzeit nicht viel gemeinsam haben. Wo könnte das Ganze im Dezember hinlaufen?

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Stark steht er derzeit da, ja stärker denn je. Der Dow Jones Index, der auch als der wichtigste Weltleitindex gilt, marschiert derzeit von einem Rekordhoch zum anderen. Mittlerweile hat der Index die Marke von 24.000 Punkten geknackt und nur im November fast vier Prozent zugelegt auf 24.272 Punkte. Das meiste davon in den letzten Handelstagen des abgelaufenen Monats.

Noch zum Jahresende 2016 stand der Index mit 19.776 Punkten unter der Marke von 20.000 Punkten und die Frage war die gleiche wie heute: Kann ein Investor auf den Zug, der schon so weit gelaufen ist, zum Jahresende noch aufspringen?

Nicht nur Trump macht die Musik

Die aktuelle Rally am US-Aktienmarkt (nicht nur beim Dow, sondern auf breiter Front) ist um so bemerkenswerter, als der Markt nach der Wahl von Donald Trump zum Jahresende 2016 einen enormen Sonderschub erlebte. Dessen Versprechungen und die damit verbundene Aussicht darauf, dass erstmals seit Jahren wieder fiskalische Effekte und nicht nur ausschließlich monetäre Aspekte auf die Börse einwirken, hatte die Fantasie der Anleger bekanntlich kräftig beflügelt. Dieser Effekt fällt in diesem Jahr weg.

Denn viel geblieben ist von den Versprechungen des Donald Trump nicht, wie die aktuelle Diskussion um die mit viel Vorschusslorbeeren gehandelte große Steuerreform zeigt. Droht dem Reformwerk, mit dem die ohnehin schon schwindelerregende Staatsschuld der USA von derzeit 20 Billionen Dollar weiter deutlich ansteigen wird, das gleiche blamable Schicksal wie der Gesundheitsreform?

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / Evan Vucci/AP/dpa

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Bringt Trump seine Reform durch, könnte die Börse im Dezember dann doch noch von dieser Seite frischen Wind bekommen, auch wenn das Thema nicht neu ist. Nach dem Motto, "was lange währt"... aber entscheidend sind wohl andere Dinge:

Stabile Zinsen und gute Gewinnentwicklung

Jerome Powell

Jerome Powell . | Bildquelle: Imago

Börsen hassen Unsicherheit - und in den USA gibt es davon derzeit nicht viel. Der Wechsel von Janet Yellen zu Jerome Powell an der Spitze der Fed wird keinen Systembruch der Geldpolitik nach sich ziehen, die vielleicht schwerwiegenste Sorge der Anleger, nicht nur in den USA. Die Fed bleibt auf einem lange kommunizierten und daher berechenbaren Zinserhöhungspfad und mit der historisch immer noch niedrigen absoluten Höhe der Zinsen kann der Markt sehr gut leben. Von der letzten Fed-Sitzung Mitte Dezember, auf der mit einer weiteren Anhebung des Leitzinses gerechnet wird, dürfte also kein Störfeuer ausgehen.

Hinzu kommt, dass an der Börse eben zukünftige Gewinne gehandelt werden. Amerikas Unternehmen verdienen gut bis sehr gut, wie die jüngsten Zahlenwerke und Ausblicke gezeigt haben. Gerade auch die Banken, stets ein wichtiger Indikator auf den Zustand einer freien Volkswirtschaft.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un

Kim Jong Un. | Bildquelle: picture alliance / Rodong Sinmun/YONHAP/RODONG SINMUN/dpa

Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass sich daran unmittelbar oder 2018 etwas ändern sollte. Einzig die steigende Sorglosigkeit der Anleger, die sich in niedrigen Volatilitäten ausdrückt, könnte den Bären in die Hände spielen. Auch die Unsicherheit um Nordkorea und seinen unberechenbaren Diktator Kim Jong Un bleibt ein Schatten über der Börse. Ob all dies aber im Dezember zum Tragen kommt, bleibt zwar möglich, aber fraglich. Schließlich wollen auch die US-Vermögensverwalter ihren Kunden "gute" Kurse zum Jahresende präsentieren.

Statistisch ein guter Monat

Auch ein statistischer Blick in die Vergangenheit kann nützen. Der Dezember war nämlich durchschnittlich ein guter Börsenmonat für den Dow Jones, stellt das Fachblatt "Der Wellenreiter" heraus. Durchschnittlich lag das Plus bei 1,5 Prozent und in Nachwahljahren bei 1,1 Prozent. Seit dem Jahr 2000, so die Experten weiter, gab es nur in den Jahren 2002, 2005, 2007, 2008 und 2015 negative Wertentwicklungen.

Über den Dezember-Tellerrand hinaus geblickt hat der Monat auch eine Indikatorfunktion für den weiteren Jahresverlauf 2018. "If Santa Claus should fail to call, Bears may come to Broad and Wall." Der Spruch besagt, dass ein negativer Dezember Futter für die Bären im Jahr darauf darstellt, so der "Wellenreiter". Vor allem die zweite Hälfte des kommenden Jahres könnte dann schwierig werden.

In Deutschland gemischte Gefühle

Und was macht unser Dax? Angesichts der immer neuen Rekorde der Wall Street ist die jüngste Performance enttäuschend. Von neuen Hochs keine Spur. Seit dem Rekordhoch bei 13.525 Punkten am 7. November haben die Bullen keine rechte Freude mehr.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fakt ist, der Dax ist derzeit eine Aufwertungsbörse, und die haben es bekanntlich schwer(er). Die Eurozone hat sich stabilisiert, was den Euro attraktiv macht. Dies, obwohl von der EZB noch lange keine Zinserhöhungen abzusehen sind.

Trotzdem, der Dezember hat bei Experten einen guten Ruf. Immerhin 50 Prozent der von der DAB BNP Paribas befragten Börsenprofis hierzulande rechnen mit einer Jahresendrally. 20 Prozent erwarten fallende und 30 Prozent gleich bleibende Kurse. Der Indexwert des Profi-Börsentrends verbesserte sich von Minus 15,4 auf Minus 2,3 Punkte. Der Trend berechnet sich aus den beiden Parametern Börsenlage und Börsenerwartung und kann zwischen plus und minus 100 liegen.

Läufer starten in Weihnachtsmannkostümen zu einem Wettlauf

Weihnachtlicher Wettlauf. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

"Wir gehen mit gemischten Gefühlen in den letzten Börsenmonat", sagt Robert Bauer von der Mademann & Kollegen GmbH aus Düsseldorf. Anders als die Anleger in den USA ist er für die amerikanischen Märkte weniger zuversichtlich. Ihm sind die analytischen Bewertungen an den US-Börsen zu hoch. In Deutschland hingegen halten 70 Prozent der Experten Aktien hingegen für fair bewertet.

Für die Bullen bleibt zu hoffen, dass aber die "Santa-Claus-Rally" stattfindet, die Rally der "Weihnachtsmänner". Eigentlich bezeichnet der Begriff Weihnachtsrally aber nur einen äußerst eng umgrenzten Zeitraum: die letzten fünf Handelstage im Dezember und die ersten beiden Handelstage im Januar. In den ersten Dezemberwochen neigen Dax, Dow & Co. hingegen für gewöhnlich zur Schwäche.

rm