Dunkle Wolken über SMA-Gebäude
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Nächste Gewinnwarnung SMA Solar: Aktie im freien Fall

Stand: 30.11.2018, 14:40 Uhr

Das letzte große verbliebene deutsche Solarunternehmen sieht derzeit mehr Schatten als Licht. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate hat SMA Solar die Prognose für 2018 gesenkt. Die Aktie fällt auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Noch am Mittwoch hatten mögliche großzügigere staatliche Vorgaben für den Bau von Solaranlagen und damit zunehmende Nachfrage für einen Anstieg der Aktie des Solartechnik-Herstellers aus Nordhessen gesorgt. Das Papier war um rund 17 Prozent in die Höhe geschossen. Die Hoffnung auf Besserung hielt sich allerdings nur kurz.

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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24,68
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Zwei Tage später ging es nun prompt in die andere Richtung: Der Titel rutschte in der Spitze um 20 Prozent auf 17,65 Euro auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren ab und war am Freitagmittag der größte SDax-Verlierer. Seit dem Jahreshoch im Mai verlor die Aktie etwa 70 Prozent an Wert. Grund dafür war die zweite Umsatz- und Gewinnwarnung innerhalb von zwei Monaten.

Schon Ende September hatte der Vorstand des Wechselrichterherstellers bekanntgeben müssen, statt der erwarteten Erlöse von 900 Millionen bis eine Milliarde Euro im laufenden Jahr nur noch 800 bis 850 Millionen Euro zu erwirtschaften sowie keinen Gewinn zu erzielen. Auch damals hieß es zur Begründung: Preisverfall und der Markteinbruch in China. SMA hatte deshalb einen Stellenabbau angekündigt.

Rückgang setzt sich fort

Fahne mit SMA Solar Technologie-Schriftzug

SMA Solar. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Im November habe sich der Geschäftsrückgang entgegen den Erwartungen fortgesetzt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der Preisdruck im Geschäft mit Solaranlagen zwingt SMA Solar somit immer weiter in die Knie. Die Gegenmaßnahmen würden nun verstärkt. "Wir gehen davon aus, dass wir die Gespräche mit dem Betriebsrat über die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen zeitnah abschließen werden", sagte SMA-Chef Jürgen Reinert laut Mitteilung.

Den Umsatz für 2018 sieht SMA Solar mittlerweile lediglich noch bei 760 bis 780 Millionen Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) würde durch Einmaleffekte und die nötigen Restrukturierungskosten weiter gedrückt. Hier geht der Konzern jetzt von einem Verlust im mittleren bis oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich aus. Die Aussichten für 2019 blieben unverändert.

Veränderungen im kommenden Jahr

Anfang des kommenden Jahres werde "mit der Implementierung" begonnen. Mit neuen Produkten in neuen Märkten sowie gesteigerten Vertriebsanstrengungen solle der Umsatz im kommenden Jahr gesteigert und ein positives Ebitda erzielt werden, hieß es weiter.

Vom schwankenden Wechselrichtergeschäft will sich SMA ohnehin schon länger etwas unabhängiger machen. Im März kündigte Urbon einen Ausbau des Geschäfts mit Energiedienstleistungen an. So verspricht der Solarzulieferer vernetzte Lösungen, die die Stromkosten senken sollen. SMA kooperiert unter anderem mit dem Mannheimer Versorger MVV.

Solarworld: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Nach dem Niedergang der deutschen Solarindustrie in den vergangenen Jahren, die 2017 in der Pleite von Solarworld gipfelte, gehört SMA Solar zu den wenigen Überlebenden der heimischen Branche. In dieser Woche beantragte der Insolvenzverwalter den Widerruf der Zulassung der Solarworld-Aktien zum Handel im Regulierten Markt an der Frankfurter Börse.

tb