Italienische Polizei vor einer Filiale der Monte dei Paschi-Bank
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"Beträchtliche Herausforderungen" am Kapitalmarkt Aktien von Monte dei Paschi nach EZB-Warnung auf Talfahrt

Stand: 14.01.2019, 14:48 Uhr

Nicht schon wieder, dürften viele denken. Die Europäische Zentralbank hat die italienische Krisenbank Monte dei Paschi auf mögliche Schwierigkeiten am Kapitalmarkt hingewiesen. Bereits 2017 war das Geldhaus vom Staat gerettet worden. Die Anleger nehmen Reißaus.

In einem Brief warnte die Europäische Zentralbank (EZB) die Krisenbank Monte dei Paschi vor "beträchtlichen Herausforderungen", die ihr beim Gang an den Kapitalmarkt bevorstehen könnten.

Das Geldhaus hat es seit vergangenem Sommer nicht geschafft, eine nachrangige Anleihe auszugeben. Grund waren Bedenken der Investoren nach der Amtsübernahme der neuen populistischen Regierungskoalition in Rom. Außerdem lägen die Kennzahlen für Profitabilität und Kapitalpuffer unter den Planzahlen, bemängelte die EZB.

Anleger reagieren beunruhigt

"Die Nachricht der EZB kommt überraschend", sagte Analyst Luigi Tramontana von der Bank Akros. Er stufte sein Rating für die Aktien von "Buy" auf "Neutral" zurück. Die Anleger warfen die Titel am Montag in großem Stil auf den Markt und sorgten für einen Kurssturz von 8,9 Prozent auf 1,37 Euro. Die Börse in Mailand setzte die Aktien zeitweise vom Handel aus.

Der italienische Bankenindex verlor 2,2 Prozent. Unter den Schlusslichtern waren auch Titel von Banco BPM und UBI Banca mit einem Minus von rund drei Prozent.

Weiterhin Berg an faulen Krediten

Nun prüft Monte dei Paschi Angaben eines Insiders zufolge die Emission einer Anleihe. Die Bank wolle bereits in der kommenden Woche das mögliche Interesse von Investoren an einem besicherten Bond ausloten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Banca Monte dei Paschi

Banca Monte dei Paschi. | Bildquelle: picture alliance / Mattia Sedda/EPA FILE/dpa

Die im 15. Jahrhundert gegründete Bank gilt als ältestes noch bestehendes Geldhaus der Welt. Die harte Kernkapitalquote von Monte Paschi sank nach Übergangsvorschriften per Ende September auf 12,8 Prozent von 13 Prozent im Juni.

Noch immer sitzt die Bank auf einem Berg fauler Kredite. Monte Paschi war wegen Wackelkrediten in Schieflage geraten und musste 2017 vom Staat gerettet werden. Die Steuerzahler verloren dabei nach derzeitigem Stand mehr als fünf Milliarden Euro, weil der Wert des erworbenen Staatsanteils von 68 Prozent an der Börse seither massiv gesunken ist.

Italienisches Bankensystem wankt

Banken bleiben aktuell ein großes Thema in Italien. Der Index aller italienischen Bankaktien liegt derzeit laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" 30 Prozent unter dem Wert des Jahresbeginns 2018. Italiens Geldhäuser häuften in den vergangenen Jahren bis zu 200 Milliarden faule Kredite an. Je mehr solcher Kredite in den Bilanzen liegen, desto schwieriger ist es für die Geldinstitute, neue Kredite auszugeben und damit die Konjunktur in Schwung zu halten.

Auch der Zinsaufschlag (Spread) für italienische Staatsanleihen ist ein Problem. Die Deutsche Bank schätzt, dass der hohe Spread Italiens Banken auch im neuen Jahr mit einer Milliarde Euro belastet.

In der vergangenen Woche hatte die Regierung ein Dekret verabschiedet, wonach der Staat Garantien für neue Anleihen der ebenfalls gebeutelten Krisenbank Carige übernimmt. Mit der Entscheidung vollzog die Regierungskoalition der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega, die frühere Bankenrettungen scharf kritisiert hatte, eine Kehrtwende.

Carige, die derzeit unter Zwangsverwaltung der EZB steht, sitzt laut der italienischen Zeitung "Il Messaggero" auf Darlehen im Volumen von rund zwei Milliarden Euro, die wahrscheinlich nicht mehr zurückgezahlt werden sowie auf Wackelkrediten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.

tb