General Electric: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Aufspaltung rückt näher Zeitenwende bei General Electric

Stand: 17.01.2018, 10:30 Uhr

GE-Aktionäre müssen hart im Nehmen sein. Einst das wertvollste Unternehmen der Welt, weht dem Gründungsmitglied des Dow-Jones-Index der Wind aktuell heftiger denn je ins Gesicht. So heftig, dass Firmenchef John Flannery über radikale Schritte nachdenkt.

Denn Flannery, schon seit 1987 in Diensten des Unternehmens und seit August als Nachfolger von Jeffrey Immelt an dessen Spitze, denkt offen über die Aufspaltung des Mischkonzerns nach.

"Wir schauen uns aggressiv an, welche Struktur die beste ist, um unser Geschäftspotenzial zu maximieren", sagte der Manager in einer Telefonkonferenz. "Das könnte in viele, viele verschiedene Varianten münden, darunter auch separat gelistete Sparten."

Es wäre eine wahre Zeitenwende, denn jahrzehntelang galt General Electric als Inbegriff des Mischkonzerns, dessen Geschäftsaktivitäten weit über das industrielle Kerngeschäft hinausgingen. Ob Kühlschrank, Energie oder besonders Finanzgeschäfte, (fast) alles war dabei beim Großkonzern, der dabei im Laufe der Zeit zu groß und unübersichtlich geworden war. Noch beim seinem Amtsantritt ging Flannery nicht davon aus, dass eine Aufspaltung des Konzerns nötig sein würde, auch wenn der Konzernumbau da bereits in vollem Gang war.

Bis zu 15 Milliarden Dollar zusätzliche Belastungen

John Flannery, General-Electric

John Flannery. | Bildquelle: Unternehmen

Kosten runter, Struktur verschlanken, das war und ist die Devise bei General Electric. Flannery wollte sich dabei auf das Kerngeschäft mit Flugzeugturbinen, Kraftwerken und der Medizintechnik konzentrieren. Insbesondere die Aktivitäten der Finanztochter GE Capital, die in Glanzzeiten bedeutender war als das Kerngeschäft, wurde bereits seit längerem schon zurückgefahren. Aber die Sünden der Vergangenheit holen den Konzern jetzt ein.

Flannery musste nämlich ankündigen, dass GE Capital im vierten Quartal eine Belastung von 6,2 Milliarden Dollar ausweisen wird. Dabei geht es um Belastungen aus Kranken- und Pflegeversicherungen, die weit höher ausfallen als kalkuliert. Bis zu 15 Milliarden Dollar müssen in den kommenden sieben Jahren in das Geschäft gepumpt werden, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Das ist doppelt so viel, wie der Konzern zuvor selbst kalkuliert hatte. Die Produkte, die einst von der North American Life & Health verkauft worden waren, werden zwar seit zehn Jahren zwar schon nicht mehr angeboten - Geschäfte mit Personenversicherungen sind aber nun mal langfristiger Natur, was GE jetzt schmerzhaft auf die Füße fällt.

Vorstand Jeff Immelt von General Electric

Ex-General Electric GE Vorstand Jeff Immelt. | Quelle: picture-alliance/dpa

Zwar kann GE Capital die Lasten selbst stemmen, wird aber über Jahre keine Dividenden mehr an GE zahlen können. "Es ist besonders frustrierend, mit einer solchen Entwicklung konfrontiert zu werden, wenn wir in vielen unserer Schlüsselbereiche Fortschritte machen", erklärte Flannery, der sich zudem "tief enttäuscht" zeigte und den Markt gleichzeitig auf eine maue Gewinnentwicklung vorbereitete, da die neue US-Steuerreform mit weiteren 3,4 Milliarden Dollar zu Buche schlägt. Der Gewinn je Aktie dürfte daher am unteren Ende der Spanne von 1,05 bis 1,10 Dollar je Aktie liegen.

Einzelteile haben mehr Wert als das Ganze

Kein Wunder, dass der Konzernlenker nun über Radikalmaßnahmen, sprich eine Holdingstruktur nachdenkt. Denn große Mischkonzerne werden an der Börse wegen unklarer Strukturen meist mit einem Konglomeratsabschlag gehandelt. Die Summe der Einzelteile ergibt in diesem Fall eben nicht das Ganze.

Gasturbine von General Electric

General Electric GE Gasturbine. | Bildquelle: ©jpi-photographe

Wie das erfolgreich gehen kann, zeigt ausgerechnet Erzrivale Siemens, dessen Chef Joe Kaeser derzeit für den Börsengang der Medizintechniksparte Healthineers wirbt (ein Geschäft, das ja auch von GE betrieben wird). Auch ansonsten lässt Kaeser, wie auch schon seine Vorgänger, beim Münchener Dax-Konzern bekanntlich kein Stein auf dem anderen. Die Liste börsennotierter Siemens-Abspaltungen ist lang, unter anderem Chiphersteller Infineon oder Leuchtenhersteller Osram gehören dazu. Auch Bayer mit den ehemaligen Sparten Covestro und Lanxess kann als erfolgreiches Beispiel dienen.

Aktie fällt, Analysten sind skeptisch

Die Reaktion an der Börse lässt nicht auf sich warten. An der New Yorker Heimatbörse gab die ohnehin schon arg gebeutelte GE-Aktie am Dienstag 2,93 Prozent nach auf 18,21 Dollar. Bereits im letzten Jahr, dem Beginn des Kursniedergangs, hat das Papier rund 40 Prozent an Wert eingebüßt und war damit 2017 schlechtester Wert im Leitindex Dow Jones, zu dessen Gründungsmitgliedern es 1896 gehörte. Hoffnungen auf eine Bodenbildung haben sich damit zunächst zerschlagen.

Die Deutsche Bank hat derweil die Einstufung für General Electric nach der milliardenschweren Abschreibung und Aussagen zum vierten Quartal auf "Sell" mit einem Kursziel von 15 -Dollar belassen. Schwer wiege eine verhaltene Gewinnprognose, schrieb Analyst John Inch in einer am Mittwoch vorliegenden Studie.

Das Analysehaus Independent Research senkte die Gewinnschätzungen und das Kursziel von 21 auf 19 Dollar und empfiehlt, das Papier zu halten. Unter anderem habe eine Holdingstruktir das Potenzial, den wahren Wert der einzelnen Konzernteile im Falle eines Börsengangs zu zeigen, schreibt Analyst Sven Diemeier.

rm

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