Walmart: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Duell mit Amazon Walmart: Kraftprobe dauert an

Stand: 05.04.2018, 11:13 Uhr

Walmart-Aktionäre brauchten zuletzt wieder starke Nerven. Ausgerechnet im 100. Geburtsjahr des Unternehmensgründers Sam Walton sieht der Handelsriese schwierigen Zeiten entgegen.

Im vierten Geschäftsquartal hat sich das Wachstum der im Internet erzielten Umsätze unerwartet abgeschwächt. Auch beim Gewinn kam der Einzelhandelsriese nicht so voran wie von Analysten erhofft. Der Ausblick auf das laufende Jahr blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.

Unter dem Strich brach der Gewinn im vierten Quartal um 42 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar ein. Belastet hatten unter anderem Restrukturierungskosten und Abschreibungen. Die US-Steuerreform hatte hingegen einen positiven Einfluss auf das Ergebnis. Bereinigt um Sondereffekte wies Walmart 1,33 Dollar je Aktie aus, was weniger war als die Experten im Schnitt prognostiziert hatten.

Walmart-Kunden in den USA

Walmart-Kunden in den USA. | Bildquelle: dpa

Aktie eingebrochen

Die Online-Umsätze stiegen dabei um 23 Prozent. Im Vorjahr war Walmart hier aber noch um 54 Prozent gewachsen. Der Discountkönig hatte nicht zuletzt durch die 2016 erfolgte Übernahme von Jet.com online mächtig aufgerüstet, um gegenüber Amazon nicht an Boden zu verlieren. Auch kleinere Anbieter wie Bonobos, Moosejaw, Hayneedle and Shoe-Buy gehören inzwischen zum Konzern.

An der Börse kamen die Nachrichten gar nicht gut an, denn das Online-Segment gilt im Gegensatz zu den Ladengeschäften als Umsatz- und Gewinntreiber. Die im US-Leitindex Dow Jones notierte Aktie des Handelsriesen brach allein im Februar um fast zehn Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte November ein.

Kein Grund zur Panik?

Auch in den Folgewochen kannte die Walmart-Aktie nur noch eine Richtung: bergab auf zuletzt 87 Dollar. Damit hat die Aktie seit ihrem Hoch Ende Januar bei 109 Dollar 20 Prozent an Wert eingebüßt. Dabei war das Papier zuvor wegen der Erfolge im Online-Handel kräftig befeuert worden und hatte sich von seinem im Herbst 2015 markierten Fünf-Jahres-Tief von 56 Dollar kräftig erholt.

Analysten sehen trotzdem keinen Grund zur Panik. Für Dana Telsey, Chefin der auf Einzelhandel spezialisierten Telsey Advisory Group, ist das derzeitige Niveau der Walmart-Aktie gar eine Kaufgelegenheit für langfristig orientierte Anleger.

Sie bewertet den jüngsten Einbruch beim Onlinewachstum eher als einen "Schluckauf“ als ein ernsthaftes Symptom. Die Online-Wachstumsraten seien nur deshalb nicht mehr so hoch, weil die Basis größer geworden ist.

Amazon macht Druck

Walmart vs. Amazon

Walmart vs. Amazon. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Imago, Montage: boerse.ARD.de

Seit Amazon aber in immer neue Felder investiert, wächst auch der Druck auf Walmart, online aufzurüsten - und damit die Gefahr, sich zu verzetteln oder zu übernehmen. So wurde diese Woche bekannt, dass beide Schwergewichte um den indischen Marktführer im E-Commerce, Flipkart, buhlen. Amazon hat dem Bericht zufolge bereits erste Gespräche geführt und erwäge ein Angebot für Flipkart.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte Mitte März berichtet, Walmart wolle bei Flipkart größter Aktionär werden und sei bereit, dafür sieben Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen.

Bald auch im Versicherungsgeschäft?

Zudem erwägt Walmart eine Expansion ins Versicherungsgeschäft. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, strebt der Einzelhändler die Übernahme des Versicherungsriesen Humana an. Die Konzerne hätten bereits erste Gespräche geführt. Es sei aber unklar, wie ein Deal konkret aussehen könnte und ob einer zustande käme. Walmart und Humana äußerten sich nicht.

Sollte es zu einem Kauf kommen, hätte er gewaltige Ausmaße: Humana hat derzeit einen Börsenwert von rund 37 Milliarden Dollar. Für Walmart wäre dies mit Abstand die größte Akquisition seiner Firmengeschichte. Durch die Übernahme würde der Shopping-Gigant zu einem der größten Krankenversicherer in den USA werden - ein Schritt, der beide Branchen gründlich umwälzen dürfte.

Auch diese Übernahme ist eine Reaktion auf die Expansion des Konkurrenten Amazon, der ebenfalls in das Versicherungsgeschäft drängt. Angesichts dieser Kraftprobe müssen sich Anleger wohl auf heftige Schwankungen im Aktienkurs einrichten. Auch ist noch völlig offen, wer aus dem Duell der beiden Riesen als Sieger hervorgehen wird. Risikoscheue Anleger sind also gut beraten, erst einmal abzuwarten.

lg

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