Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages VW: Düstere Aussichten für die Anleger?

Stand: 10.09.2018, 14:49 Uhr

Der schwelende Handelsstreit mit den USA und die Folgen von Dieselgate haben die VW-Aktie stark belastet. Auch charttechnisch sieht es seit dem Rutsch unter die 200-Tage-Linie und dem Bruch des Aufwärtstrends düster aus. Oder sind das jetzt Einstiegskurse?

Tatsächlich haben die im Dax notierten Vorzüge von Volkswagen seit ihrem Hoch im Januar gut ein Viertel an Wert verloren. Dabei kann sich das Unternehmen über mangelnde Absatzzahlen nicht beklagen. Im Gegenteil.

Dank Rekordabsatzzahlen, vor allem im Mai, verdiente VW im zweiten Quartal vor Sondereinflüsssen, Zinsen und Steuern mit 5,6 Milliarden Euro 22,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das war mehr, als selbst besonders optimistische Analysten erwartet hatten. Der Konzernumsatz stieg allerdings deutlich langsamer um 3,4 Prozent auf gut 61 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte er noch bei 59,2 Milliarden Euro gelegen.

Damoklesschwert Dieselkrise

Herbert Diess, Volkswagen

Herbert Diess, Volkswagen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Doch wie ein Damoklesschwert schwebt die Dieselkrise über den Autobauern. Vorstandschef Herbert Diess dämpfte deshalb die Freude über die starke Ergebnissteigerung. Wegen der Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus und den damit verbundenen Absatzverzögerungen werde Volkswagen die ursprünglich angepeilte operative Rendite von 6,5 bis 7,5 Prozent vom Umsatz in diesem Jahr nur noch unter Ausklammerung von Sonderbelastungen erreichen. Inklusive Sonderbelastungen werde das Unternehmen moderat unter dem Korridor landen. Hier stand im ersten Halbjahr ein Wert von 6,8 Prozent zu Buche.

Hinzu kommt die anhaltende Unsicherheit über den Ausgang des deutsch-amerikanischen Zollstreits. Sollten die USA die Einfuhrzölle auf importierte Pkw tatsächlich von derzeit 2,5 auf 25 Prozent anheben, wie Präsident Trump zuletzt wieder gedroht hat, würde dies die deutsche Automobilwirtschaft Milliardenbeträge kosten. Deutschland dürfte unter den vier abgefragten Ländern - mit Kanada, Japan und Mexiko - in absoluten Zahlen "am stärksten betroffen sein", heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die Frage eines Abgeordneten.

Undurchsichtige Gemengelage

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Als Belastung erweisen sich zudem die drohenden Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in deutschen Städten sowie die heute begonnene Klage von Aktionären. Dabei geht es um Forderungen von fast neun Milliarden Euro. Die Anleger werfen VW vor, zu spät über den Abgasskandal informiert zu haben.

Angesichts dieser Gemengelage kann es nicht überraschen, dass die VW-Aktie nach ihrer Erholung zu Beginn des Jahres wieder unter Druck geraten ist. Auch charttechnisch sehen die Aussichten für das Papier düster aus.

Charttechnisch angeschlagen

Experten warnen, dass im Fall eines Durchbruchs unter die Marke von 136,54 Euro je Aktie zu weiteren Verkäufen kommen dürfte. Die nachfolgenden Kursziele lägen dann im Bereich des 2017er-Tiefs, dieses lag bei 124,75 Euro. Sollte auch der Dax unter Druck geraten, wäre auch ein neuerlicher Test der 100-Euro-Marke bei Volkswagen nicht ausgeschlossen. Aufklären würde sich das Chartbild erst wieder bei Notierungen oberhalb von 156,20 Euro.

Trotzdem steigt die Zahl der Analysten, die die VW-Aktie gerade jetzt zum Kauf empfehlen. So hat die britische Investmentbank Barclays das Kursziel für Volkswagen zwar von 209 auf 203 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Overweight" belassen.

Analysten raten zum Einstieg

VW Lavida

VW Lavida. | Bildquelle: Unternehmen

Bei dem Autobauer sei der Wandel im Gange, schrieb die neu zuständige Analystin Dorothee Cresswell in einer heute vorliegenden Studie. Zunächst belasteten die Probleme im Zuge der Abgastest-Verfahren die diesjährigen Gewinne. Dies sei aber auch eine Chance für Volkswagen, die übertrieben diversifizierte Produktpalette auszudünnen.

Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für Volkswagen ebenfalls auf "Outperform" mit einem Kursziel von 220 Euro belassen. Analyst Max Warburton ging in einer am Montag vorliegenden Studie - etwas humorvoll - das Szenario durch, Volkswagen von der Börse zu nehmen in Anspielung auf jüngste Aussagen von Tesla-Chef Elon Musk, der dies für den Elektroautobauer vorgeschlagen hatte.

Die ernst gemeinte Botschaft hinter dem Humor sei, dass Volkswagen enorm unterbewertet sei. Risikoaffine Anleger, die ebenfalls der Meinung sind, dass die VW-Vorzüge derzeit günstig bewertet sind, können den Kursdruck der letzten Monate also jetzt zum Einstieg nutzen.

lg