Va-Q-Tec: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Va-Q-Tec: Wachstum aus Würzburg

von von Detlev Landmesser

Stand: 29.03.2018, 10:46 Uhr

Nach Hightech sehen die Produkte von Va-Q-Tec auf den ersten Blick nicht aus, aber weit gefehlt. Der Dämmstoff-Spezialist wächst seit Jahren zweistellig, und ein Ende ist nicht abzusehen.

"Unsere Technologie steht erst am Anfang", meint Unternehmensgründer und Vorstandschef Joachim Kuhn. "Es gibt mehr und mehr Märkte, die die Technologie sehr dankbar aufnehmen wollen, um sich weiterzuentwickeln."

Der bisherige Geschäftsverlauf scheint diese Zuversicht zu rechtfertigen: In den vergangenen zehn Jahren ist Va-Q-Tec im Schnitt um 30 Prozent gewachsen. 2017 blieb bei einem Umsatz von 46,9 Millionen Euro (plus 32 Prozent) ein Ebitda von 7,2 Millionen Euro (plus drei Prozent) hängen.

Drei Segmente

Das Stammgeschäft des 2001 gegründeten Unternehmens ist die Herstellung von hocheffizienten Vakuumisolationspaneelen, die vor allem in Haushalts- und Kühlgeräten eingesetzt werden. Dieses Produktgeschäft machte 2017 knapp 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Dr. Joachim Kuhn, Gründer und CEO des Würzburger Technologie-Start-ups Va-Q-Tec

Dr. Joachim Kuhn, Va-Q-Tec. | Bildquelle: Unternehmen

Fast ebenso groß ist mittlerweile das Servicegeschäft, die Vermietung von Thermocontainern und Thermoboxen. Mit diesen Systemen verspricht Va-Q-Tec seinen Kunden beispielsweise aus der Pharma- und Biotechindustrie konstante Temperaturen für bis zu 200 Stunden ohne externe Energieversorgung, was den effizienten Transport über weite Strecken ermöglicht.

In diesem Jahr soll die Flotte von Mietcontainern für die Luftfracht um weitere 500 auf insgesamt 2.000 Stück aufgestockt und die Zahl der 26 Netzwerkstationen weltweit um drei weitere erhöht werden.

Im dritten Standbein, dem Systemgeschäft, bietet das Unternehmen Thermoverpackungen und individuelle Verpackungslösungen für eine Vielzahl von Branchen an.

Geschäft scheint gut geschützt

Das Management betont die hohen Markteintrittsbarrieren für seine Geschäftsfelder. Nicht nur die strenge Qualitätssicherung etwa der Pharmakonzerne, auch die zunehmende staatliche Regulierung der Produktsicherheit und des temperaturkontrollierten Transports stellen hohe Anforderungen an die Verpackungshersteller.

Verschiedene Isolationsmaterialien von Va-Q-Tec

Isolationsmaterialien von Va-Q-Tec. | Bildquelle: Unternehmen

"2020 werden bereits 27 der Top 50 umsatzstärksten Medikamente weltweit bei Temperaturen von zwei bis acht Grad temperaturstabil gelagert und transportiert werden müssen", schätzt das Unternehmen. Hinzu kommt der Trend zu immer komplexeren und damit temperaturempfindlicheren Molekülen in der Biotechnologie.

Weitere Anwendungsfelder sind beispielsweise der Transport von Feinchemikalien oder temperaturempfindlicher Komponenten aus der Halbleiterindustrie. Auch Anbieter spezieller hochpreisiger Lebensmittel fragen Lösungen der Würzburger nach.

Mehrere strategische Optionen

Va-Q-tec bewegt sich damit in einem äußerst dynamischen Umfeld mit vielen potenziellen Nachfragern. Beispielsweise hat ein unerwarteter Nachfrageschub im Paneelgeschäft die Produktion im vergangenen Jahr an die Kapazitätsgrenze gebracht.

In dem stark fragmentierten Markt sieht sich der Vorstand weltweit unter den Top 3, mit einem Weltmarktanteil von etwa zehn bis zwölf Prozent. So scheint das Management die Qual der Wahl zu haben, welche Branchen und Regionen in nächster Zukunft bevorzugt zu bearbeiten sind. Sowohl in Europa, als auch gerade in den USA und Asien sieht Vorstandschef Kuhn noch erhebliche Wachstumspotenziale.

Aktienkurs hat sich beruhigt

Auch im laufenden Geschäftsjahr erwartet Kuhn ein starkes Wachstum in der Größenordnung der Vorjahre: "Viele Projekte, Aufträge und Visionen sind in der Pipeline." Eine genauere Prognose für 2018 will das Unternehmen mit den endgültigen Zahlen 2017 am 12. April veröffentlichen.

Der Börse ist indessen die Wachstumsstory aus Würzburg nicht verborgen geblieben. Nach der Erstnotiz Ende September 2016 ging es mit der Aktie zunächst stürmisch nach oben. Auf Basis der verfügbaren Gewinnschätzungen für 2018 weist der Titel ein dreistelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf, wobei der Kurs in den vergangenen Monaten auch wegen einer Umsatzwarnung im November eher rückläufig war.

Mit neuen Wachstumserfolgen dürften sich aber auch immer mehr Analysten für den im Prime Standard notierten Titel interessieren, der derzeit eine Marktkapitalisierung von 225 Millionen Euro auf die Waage bringt.