Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday

Aktie des Tages Leoni: Wieviel Kabel braucht das E-Auto?

Stand: 08.09.2017, 14:49 Uhr

Bisher galt Leoni als ein möglicher Profiteur der wachsenden Elektromobilität. Nun aber dämpft die Schweizer UBS die Euphorie. Für E-Autos würden eher weniger Kabel gebraucht als für herkömmliche Fahrzeuge. Die Leoni-Aktie sackt ab.

Zahlenkolonnen vor dem Bildschirm analysieren - das reicht den Analysten der Schweizer Großbank UBS nicht (mehr). Sie wollten es ganz genau wissen und haben unters Auto geschaut, genauer gesagt unters Elektroauto. Das Research-Team hat einen Chevy Bolt von GM auseinandergenommen, um zu prüfen, welchen Anteil die einzelnen Zuliefer-Industrien haben. Ihr Fazit: Vor allem die Halbleiterbranche wird wichtige Teile für die E-Autos liefern.

Weniger statt mehr Kabel in künftigen E-Autos

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Chevy Bolt fanden die UBS-Analysten auch viele Kabel - 40 Prozent mehr als im vergleichbaren VW Golf mit herkömmlichen Verbrennungsmotor. Doch daraus zu schließen, dass die Elektrofahrzeuge künftig mehr Kabel benötigen als Autos mit Diesel- oder Benzin-Motor, sei falsch, meint UBS-Analyst Julian Radlinger. Er und sein Team hätten die Konkurrenzmodelle Tesla Model S und Model 3 untersucht - und herausgefunden, dass Verbesserungen in der Konstruktion zu einem fünf Prozent niedrigeren Kabelbedarf in den künftigen Elektroautos führen. Das heißt: Es werden für die Stromer der nächsten Generation mit großer Reichweite nicht mehr, sondern weniger Kabel benötigt.

Deshalb hält UBS-Experte Radlinger die Aktie des deutschen Kabelspezialisten Leoni für massiv überbewertet. Das durchschnittlich von Analysten erwartete operative Ergebniswachstum von neun Prozent bis 2025 hält er nicht für realistisch. Er geht eher von einem Ebit-Plus von sechs Prozent aus.

Kursziel 39 Euro

Dementsprechend sieht Radlinger ein großes Rückschlagrisiko für die Aktie, da der Kursverlauf eng mit der Gewinnentwicklung verknüpft sei. Der UBS-Analyst hat das Papier auf "Sell" (verkaufen) gestellt mit einem Kursziel von 39 Euro. Das wären 20 Prozent unter dem aktuellen Niveau.

Leuchtendes Ladekabel für Elektrofahrzeuge von Leoni

Leuchtendes Ladekabel von Leoni. | Bildquelle: Unternehmen

Die negative UBS-Studie zeigt am Freitag Wirkung: Die Leoni-Aktie brach zeitweise um acht Prozent ein, am frühen Nachmittag liegt sie noch knapp sechs Prozent im Minus. Damit ist die jüngste Rally vorerst gestoppt. Seit Mitte 2016 hat der MDax-Titel um 120 Prozent hochgeschnellt. Auch in diesem Jahr war die Aktie einer der Top-Performer im MDax.

Metzler empfiehlt Leoni

Anders als die UBS sieht das Bankhaus Metzler Potenzial nach oben für die Leoni-Aktie und empfiehlt den Titel zu kaufen. Laut Analyst Jürgen Pieper profitiere der Spezialist für Kabelsysteme weit mehr als andere Zulieferer von der E-Mobilität und dem autonomen Fahren. Hybridfahrzeuge beispielsweise benötigten wesentlich höherwertigere Kabel als traditionelle Pkws. Zudem würden künftig deutlich mehr Kabelsysteme verbaut werden.

UBS-Analyst Radlinger hat andere Favoriten unter den Zulieferern. Er bevorzugt Valeo, Delphi, Hella und Conti.

Sendung: B5 Börse, 8.9.2017, 13:45 Uhr