Twitter: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages Twitter: Was taugt der Turnaround?

Stand: 20.02.2018, 15:47 Uhr

Noch im Sommer letzten Jahres galt die Twitter-Aktie als ein Verlustbringer, Analysten rieten zum Verkauf. Seitdem hat sich der Wert des Papiers verdoppelt, das Unternehmen schreibt erstmals Gewinne. Doch wie nachhaltig ist das?

Zahlt sich nun doch der "Trump-Effekt" aus? Der vom US-Präsidenten stark genutzte Kurznachrichtendienst Twitter hat im vierten Quartal 2017 erstmals in seiner zwölfjährigen Firmengeschichte schwarze Zahlen geschrieben und einen Gewinn von 91 Millionen Dollar ausgewiesen. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 167 Millionen Dollar angefallen.

Auch für dieses Jahr peilt Firmenchef Jack Dorsey schwarze Zahlen an. Die Anleger sind begeistert. Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen legte die Twitter-Aktie um 12,15 Prozent auf 30,18 Dollar zu - und das an einem Tag als der Dow JOnes-Index um vier Prozent absackte.

Anstieg der Werbeeinnahmen

Der Erfolg im vierten Quartal ist vor allem auf den Anstieg der Werbeerlöse zurückzuführen: sie sprangen im Vergleich zum dritten Quartal von 503 auf 644 Millionen Dollar hoch. Allerdings hängt das Twitter-Geschäft extrem vom Heimatmarkt USA ab: Dort leben zwar nur 68 Millionen Nutzer - sie brachten aber mit 342 Millionen Dollar mehr als die Hälfte der Umsätze ein. Dies erklärt warum die Gesamterlöse nur um zwei Prozent auf 732 Millionen Dollar gestiegen sind.

Dorsey versucht den Dienst attraktiver zu machen und damit das Wachstum anzukurbeln. Eine seiner Maßnahmen war, im vergangenen Herbst die Längen-Einschränkung für einen Tweet von 140 auf 280 Zeichen anzuheben.

Langfristig sollen auch mehr Videos statt Text-Posts auf Twitter angeboten werden. "Wir sind im Zeitalter des Tippens stecken geblieben", gibt Dorsey zu. Dies soll sich in Zukunft ändern. "Video ist unser am schnellsten wachsener Inhalt", so der Twitter-Chef.

Zahl der Nutzer stagniert

Doch die Zahl der aktiven Nutzer stagniert bei 330 Millionen. An dieser Marke hängt Twitter bereits seit Ende März 2017 fest. Die Zahl täglich aktiver Nutzer legt allerdings zu: im Jahresvergleich um zwölf Prozent. Konkrete Zahlen nennt die Firma allerdings nicht.

Trotzdem kommen die Pläne von Dorsey, neue Einnahmequellen zu erschließen, bei einigen Analysten gut an. JPMorgan-Experte Douglas Anmuth lobt vor allem die Aussicht auf mehr Video- und Livestream- Inhalte. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer dieser Angebote dürfte dadurch prozentual zweistellig wachsen. Dies werde auch die Umsätze mit Werbung ankurbeln. Twitter ist deshalb eine seiner Top-Empfehlungen 2018.

Bessere Zahlen bereits eingepreist?

Dagegen weisen andere Marktexperten daraufhin, dass die Zahl der Nutzer zwar beachtlich sei, aber gegenüber Konkurrenten wie Facebook mit seinen mittlerweile 2,2 Milliarden Mitgliedern könne Twitter nicht mithalten. Und das, obwohl der Firmenname dank des aktuellen US-Präsidenten omnipräsent in den Nachrichten sei.

Twitter-Mitgründer Jack Dorsey

Twitter-Mitgründer Jack Dorsey. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch glauben viele Fachleute, dass die erwarteten schwarzen Zahlen bei Twitter im Aktienkurs bereits enthalten seien. Mit einem derzeitigen Marktwert von 23,8 Milliarden Dollar sei Twitter mehr wert als der chinesische Konkurrent Weibo, obwohl dieser höhere Nutzerzahlen vorweisen könne und stärker wachse.

Und wer genauer auf die jüngsten Bilanzzahlen schaue, könne feststellen, dass Twitter in den vergangenen beiden Jahren die Einnahmen um gerade einmal zehn Prozent gesteigert habe. Eine Wachstumsmaschine sehe anders aus. Vor diesem Hintergrund erscheint der jüngste Sprung des Aktienkurses als übertrieben. Rückschläge können folglich nicht ausgeschlossen werden. Damit scheint das Potenzial für weitere Kurssteigerungen ausgereizt.

lg