Tilray: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 3 Monate

Aktie des Tages Tilray: Nix für schwache Nerven

Stand: 17.10.2018, 10:45 Uhr

Seit ihrem Börsengang im Juli ist die Aktie des kanadischen Marihuana-Anbieters Tilray um 600 Prozent gestiegen. Damit ist das Unternehmen soviel wert wie die Commerzbank. Sind die Anleger bekifft?

Die Investoren brauchen auf jeden Fall starke Nerven und sollten davon überzeugt sein, dass der Cannabis-Anbieter in einem nachhaltigen und vielversprechenden Geschäft unterwegs ist. Denn die an der Technologiebörse Nasdaq gehandelte Tilray-Aktie hat sich seit ihrem Börsengang im Juli zwar als Kursrakete erwiesen - zumindest für diejenigen Anleger, die von Anfang an dabei waren - doch fährt das Papier einen gefährlichen Achterbahnkurs.

So schnellte die Aktie am 24. September auf ein Rekordhoch von 214 Dollar, nur um fünf Tage später auf 99 Dollar abzustürzen. Zuletzt ist sie wieder auf 158 Dollar gestiegen. Damit ist das Unternehmen 12 Milliarden Dollar wert, in etwa soviel wie die Commerzbank.

Kanada gibt Cannabis frei

Dabei hat Tilray nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von gerade einmal 20 Millionen Dollar erwirtschaftet. Allerdings verzeichnet die Firma gigantische Wachstumszahlen. Im zweiten Quartal erzielte Tilray Erlöse von 9,7 Millionen Dollar, 95 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Wegen hoher Kosten für den Ausbau des Geschäfts vervielfachte sich der Verlust allerdings auf 12,8 Millionen Dollar, nach 2,4 Millionen im Vorjahr.

Wie kann eine solche Firma zwölf Milliarden Dollar wert sein? Der Hauptgrund ist, dass Kanada den Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana freigegeben hat. Seit gestern darf jeder Erwachsene Cannabis in geringen Mengen kaufen, besitzen und konsumieren. Die Regierung will damit den Schwarzmarkt austrocknen, Unternehmer wie Tilray oder der Konkurrent Canopy Growth hoffen auf saftige Einnahmen.

Erlaubnis zum Export in die USA

Hinzu kommt, dass Tilray von den US-Behörden die Erlaubnis erhalten hat, medizinisches Cannabis in großen Mengen in die USA zu exportieren. Es war am Tag, nachdem die Drug Enforcement Agency (DEA) die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung bekannt gab, als die Tilray-Aktie auf 214 Dollar in die Höhe schoss. Auch nach Deutschland exportiert das Unternehmen seit kurzem Cannabisprodukte auf Blüten- und Ölbasis an Apotheken.

Kanadische Flagge mit Cannabis-Blatt

Im Zeichen des Krauts. | Bildquelle: colourbox, Montage: boerse.ARD.de

Getrieben wird der Aktienkurs zudem von Spekulationen um Begehrlichkeiten großer Konzerne wie Coca-Cola und Diageo, denen ein ernsthaftes Interesse am Cannabis-Markt und Anbietern wie Tilray nachgesagt wird. Mit Pharmakonzernen wie Novartis und Sandoz aus der Schweiz arbeitet das Unternehmen bereits jetzt zusammen.

Vorsicht vor Shortsellern und Verkaufsfristen

Auf diesen Zug aufzuspringen, kann sich für Privatanleger allerdings als fatal erweisen, sind doch Cannabis-Aktien traditionell äußerst volatil. Hinzu kommt: bei Tilray & Co handelt es sich um sogenannte Zocker-Papiere, die auch von Shortsellern, also Investoren die auf sinkende Kurse wetten, gerne gekauft werden.

Peter Thiel

Peter Thiel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zudem ist nur ein kleiner Teil der Tilray-Aktien frei verfügbar. 76 Prozent der Anteile sind im Besitz der Beteiligungsgesellschaft Privateer des legendären Investors Peter Thiel, der mit seinen frühen Investments bei Facebook und Airbnb zum Milliardär aufgestiegen ist.

Experten empfehlen deshalb, bis zum Beginn des nächsten Jahres mit einem Einstieg bei Tilray zu warten. Denn im Januar endet für zahlreiche Erstanleger die Verkaufssperre. Sollte es dann zu massiven Verkäufen kommen, sich die Zahl der handelbaren Aktien also erhöht, könnte die Tilray-Aktie unter Druck geraten.

lg

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Berauscht von Cannabis-Aktien Chartserie

<strong>iAnthus Capital</strong><br/>Die kanadische Beteiligungsgesellschaft wurde erst 2013 gegründet. 2016 wurde der Einstieg bei Organix, einem Einzelhändler für Cannabis, bekannt. iAnthus will von der gesamten Marihuana-Branche profitieren: Daher flossen Gelder in drei weitere Unternehmen, die Lizenzen für das Marihuana-Geschäft haben und Apotheken sowie Plantagen bewirtschaften. In den vergangenen sechs Monaten konnte sich die Aktie mehr als verdoppeln.<br/><br/>Übrigens sollte der Handel von Cannabis-Aktien an der Deutschen Börse im September eingestellt werden. Nun dürfen 88 der betroffenen Papiere doch weiterhin gehandelt werden. Die hier aufgeführten Titel gehören dazu. <a href="" externalId="37f27b31-d73f-4b16-b6f5-96f82ef4a56a">Mehr dazu lesen Sie hier</a>.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

iAnthus Capital
Die kanadische Beteiligungsgesellschaft wurde erst 2013 gegründet. 2016 wurde der Einstieg bei Organix, einem Einzelhändler für Cannabis, bekannt. iAnthus will von der gesamten Marihuana-Branche profitieren: Daher flossen Gelder in drei weitere Unternehmen, die Lizenzen für das Marihuana-Geschäft haben und Apotheken sowie Plantagen bewirtschaften. In den vergangenen sechs Monaten konnte sich die Aktie mehr als verdoppeln.

Übrigens sollte der Handel von Cannabis-Aktien an der Deutschen Börse im September eingestellt werden. Nun dürfen 88 der betroffenen Papiere doch weiterhin gehandelt werden. Die hier aufgeführten Titel gehören dazu. Mehr dazu lesen Sie hier.