Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Männer, die auf Zahlen starren Tesla: Wenn Analysten im Trüben fischen

Stand: 07.01.2020, 13:40 Uhr

Weil die Tesla-Aktie derzeit von Rekord zu Rekord eilt, sind einige Experten auf dem falschen Fuß erwischt worden. Das schadet zwar ihrem Ruf, kostet sie sonst aber nicht viel. Wirklich teuer waren die vergangenen Monate für Leerverkäufer.

Eine monatelange Kursrally trieb die Tesla-Aktie jüngst bis auf ein Rekordhoch bei 454 Dollar, aktuell ist sie für 451 Dollar zu haben. Noch im Juni 2019 lag der Kurs bei knapp 177 Dollar. In den vergangenen sechs Monaten beläuft sich das Plus damit auf beinahe 155 Prozent. Positive Auslieferungszahlen hatten die Rally zuletzt weiter befeuert.    

Die Kursgewinne bringen einige Vertreter der Analystenzunft, die eine negative Meinung zur Aktie haben, in die Bredouille. Sie sehen sich zwar gezwungen beim Kursziel nachzuziehen, möchten aber trotzdem irgendwie recht behalten.

Das Analysehaus RBC hat das Kursziel für Tesla jüngst von 290 auf 315 Dollar angehoben und die Einstufung auf "Underperform" belassen. Die US-Bank JPMorgan hob das Kursziel von 220 auf 240 Dollar an und bestätigte das Rating "Underweight". Die Schweizer Bank Crédit Suisse hob sogar von 189 Dollar auf 340 Dollar an, und bleibt folgerichtig ebenfalls bei der Einstufung "Underperform".

Timing ist alles

Wie sehr Analysen der renommiertesten Finanzhäuser mit Vorsicht zu genießen sind, zeigt auch das Beispiel Goldman Sachs. Im Juni senkte Goldman-Experte David Tamberrino sein Preisziel für Tesla, zum vierten Mal innerhalb des Jahres, von 200 Dollar auf 158 Dollar. Tamberrino warnte vor einem schwachen zweiten Halbjahr für Tesla und war der der Ansicht, dass die Liefermengen zu optimistisch eingeschätzt würden.

Der Fachmann lag mit seinem Timing vollkommen daneben, wie der Tesla-Chart zeigt. Mitte des Jahres setzte die Aktie zu einer Kursrally an. Der Preis der Aktie hat sich verglichen mit dem Goldman-Kursziel beinahe verdreifacht. Wer auf Tamberrino hörte, hat allen Grund sauer zu sein.

Model S, Model X, Model 3, Model Y (von lInks nach rechts)

Tesla-Modelle. | Bildquelle: Unternehmen

Shorties werden mächtig fluchen

Gewinne zu verpassen ist eine Sache. Besonders bitter ist es aber, wenn man Verluste schreibt. Vor allem Leerverkäufer haben in den vergangenen Monaten ein verdammt mieses Geschäft mit Tesla gemacht. Seit Ende 2018 verloren Shortseller mit Tesla drei Milliarden Dollar, wie die Analysefirma S3 Partners ausgerechnet hat. Allein die ersten beiden Handelstage des neuen Jahres hätten Leerverkäufer rund 900 Millionen Dollar gekostet.

Aktuell seien laut S3 Partners etwa 21 Prozent der Tesla-Aktien leerverkauft. Im Oktober 2019 sollen es den Marktbeobachtern zufolge noch 28 Prozent gewesen sein. Daniel Ives, Analyst bei Wedbush, unterstreicht deshalb, dass zumindest ein Teil der Kursrally damit zusammenhänge, das Leerverkäufer sich mit Aktien haben eindecken müssen. Ives sieht aber auch die fundamentalen Verbesserungen als Treiber.

Tesla Cybertruck

Tesla Cybertruck: Hübsch ist er - und so geräumig. | Bildquelle: Tesla

Wie geht es mit Tesla weiter?

Ob die starke Phase für den Elektroautobauer anhält, hängt nicht zuletzt von den künftigen Unternehmensdaten ab. Tesla ist derzeit an der Börse mehr als 80 Milliarden Dollar wert. Zum Vergleich: Der wesentlich größere Konkurrent BMW bringt es umgerechnet auf gerade mal 53 Milliarden Dollar.

Aktien sind immer eine Wette auf eine ungewisse Zukunft. Aber die starken Ausschläge im vergangenen Jahr zeigen, wie riskant die Anlage in Tesla-Aktien bleiben wird. Es ist nicht ausgeschlossen, dass skeptische Analysten demnächst wieder richtig liegen.

ts