Tencent: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages Tencent: Die Schwäche zum Kauf nutzen?

Stand: 18.04.2018, 11:07 Uhr

Bei der Marktkapitalisierung hat Tencent seinen US-Rivalen Facebook längst hinter sich gelassen. Doch das - vorläufige - Ende der Kursrally bei den großen Techwerten hat seit Jahresbeginn auch Tencent erwischt. Eine Kaufgelegenheit?

Nachdem sich der Kurs im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt hatte, lief er seit Jahresbeginn zunächst seitwärts - bis zum 23. März. An diesem Tag verkündete der südafrikanische Internet- und Medienkonzern Naspers, dass er seinen Tencent-Anteil um etwa zwei Prozentpunkte auf gut 31 Prozent reduziert.

Für Naspers ein äußerst lukratives Geschäft, ist der Zwei-Prozent-Anteil doch gut zehn Milliarden US-Dollar wert. Dabei sollen die Südafrikaner für den Erwerb ihrer gesamten Tencent-Beteiligung im Jahr 2001 nur rund 33 Millionen Dollar gezahlt haben. Allerdings war zu dem Zeitpunkt auch niemand sonst bereit, in ein chinesisches Internetunternehmen mit einem unklaren Geschäftsmodell zu investieren.

Noch nicht erholt

Der Anteilsverkauf von Naspers ließ den Tencent-Kurs um acht Prozent einbrechen. Dadurch schrumpfte der Börsenwert des Internet-Konzerns um umgerechnet 42 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius. Allerdings ist Tencent mit derzeit 482 Milliarden Dollar immer noch deutlich mehr wert als Facebook (404 Milliarden Dollar).

Vom dem Schwächeanfall im März hat sich der Kurs des chinesischen Konzern allerdings bis heute nicht erholt. Zwar hat Naspers versichert, in den nächsten drei Jahren keine weiteren Tencent-Anteile verkaufen zu wollen. Auch erklärten die Südafrikaner, dass sie Tencent für das beste Wachstumsunternehmen der Welt halten.

Ergebnis macht Sprung

Genützt hat es nichts, die Anleger bleiben in Deckung, denn Tencent kündigte jüngst an, dass Investitionen das Ergebnis in Zukunft belasten werden. Im vierten Quartal war davon noch nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die Geschäftsentwicklung ließ selbst US-Wachstumsfirmen wie Facebook oder Amazon alt aussehen. So kletterte der Umsatz von Tencent Holdings gegenüber dem Schlussquartal 2016 um 51 Prozent auf 66,39 Milliarden Renminbi oder 10,16 Milliarden Dollar.

Tencent-Logo

Tencent. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das operative Ergebnis macht gar einen Sprung von 85 Prozent auf 3,94 Milliarden Dollar. Somit stieg die operative Marge im gleichen Zeitraum auf 39 Prozent (Vorjahr: 32 Prozent). Unter dem Strich verblieb ein Nettogewinn von 3,31 Milliarden Dollar. Auch wenn die Wachstumszahlen in diesem Jahr etwas geringer ausfallen werden, bleibt der chinesische Konzern im Vergleich zu seinen US-Konkurrenten auf der Überholspur.

Bald größter Videospieleanbieter

Im Gegensatz etwa zu Facebook ist Tencent nämlich deutlich breiter aufgestellt. Statt über 90 Prozent seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Werbung zu generieren, erzielt Tencent ein Drittel seines Umsatzes mit Videospielen. Ein Geschäftsfeld, das das Hongkonger Unternehmen gezielt ausbauen will. Bereits im vergangenen Jahr hat sich Tencent mit dem Kauf der finnischen Spielefirma Supercell eine neue Erlösquelle geschaffen. Auch an Branchengrößen wie Activision Blizzard hält Tencent eine Beteiligung. Ziel der Chinesen ist es, zum größten Videospieleanbieter der Welt aufzusteigen.

Hierzulande ist Tencent vor allem für seinen Messenger-Dienst WeChat bekannt. Der zählt Unternehmensangaben zufolge inzwischen eine Milliarde Nutzer (zum Vergleich Facebook hat zwei Milliarden aktive Nutzer), ist aber weit mehr als nur eine Plattform zum Austausch von Bildern und Nachrichten. In China umfasst WeChat ein gesamtes Online-Shop-Netz, sie wird für Überweisungen, Reservierungen in Restaurants, zum Rufen eines Taxis oder Vereinbaren von Arztterminen genutzt. Mehr als zwei Drittel der 25-34-jährigen Chinesen nutzen die Applikation.

Mit westlichen Maßstäben schwer zu erfassen

Diese Funktionsvielfalt will Tencent langsam auch auf andere Länder ausdehnen - was der Firma und ihrer Aktie einen weiteren Wachstumsschub verleihen könnte. Bereits in diesem Jahr soll das Online-Bezahlsystem erstmals im Ausland eingesetzt werden, zunächst in Malaysia, später auch in Europa. Zudem betreibt Tencent mit QQ.com bereits seit über zehn Jahren das erfolgreichste Webportal in China. Die Angebote sind ähnlich wie die von Google und bestehen aus Nachrichten und verschiedenen Web-Dienstleistungen.

Tencent-Tablet-Bildschirm

Tencent. | Bildquelle: Imago

Die Wachstumsmöglichkeiten des 1998 in der südchinesischen Stadt Shenzhen gegründeten Unternehmens sind also noch lange nicht erschöpft. Somit dürfte die derzeitige Seitwärtslage der Aktie nur eine vorübergehende Phase sein.

Doch wie so viele chinesische Konzerne sind auch die Stellung von Tencent sowie die Expansionspläne nur schwer mit westlichen Maßstäben zu erfassen. Die Vielfältigkeit und auch Undurchsichtigkeit machen es für hiesige Anleger schwer, das Unternehmen fair zu beurteilen. Wer sich diesem Risiko nicht aussetzen möchte, sollte von einem Einstieg Abstand nehmen.

lg

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