Sunny Optical Technology: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages: In zehn Jahren Plus von 9.500 Prozent Sunny Optical: Und keiner hat's gemerkt

Stand: 06.07.2018, 13:00 Uhr

Dieses Unternehmen hat seine Hausmeister, Fabrikarbeiter und Kantinenchefs via Mitarbeiterbeteiligungen zu Millionären gemacht. Und es ist eine jener Erfolgsgeschichten, wie sie nur in Amerika und China möglich sind: Sunny Optical Technology.

Die 1984 in einem staubigen Hinterhof der Shanghaier Vorstadt Yuyao mit einem Startkapital von 10.000 Dollar gegründete Firma hat sich seitdem zu einem weltweit führenden Hersteller von Kameramodulen, Linsen und Objektiven entwickelt - und hier im Westen hat's keiner gemerkt.

Dabei liest sich die Liste von Sunny Opticals Kunden wie das Who is who der Smartphone- und Autozuliefererbranche: Samsung, Apple, Huawei, Xiaomi, Continental, Bosch, Delphi und viele mehr. Die Firma beschäftigt inzwischen weltweit 28.000 Menschen und wird an der Börse mit 17 Milliarden Euro bewertet.

Ganz nach dem Geschmack der Politik

Sunny Optical Technology, AF Kamera Modul

Sunny Optical Technology. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Eine Erfolgsstory ganz nach dem Geschmack der politischen Führung in Peking, die China zum weltweiten Technologieführer machen will - vor den USA und natürlich Europa, das in diesem Bereich schon jetzt weit hinterher hinkt.

Der kometenhafte Aufstieg von Sunny Optical Technology Group spiegelt sich besonders gut im Verlauf des Aktienkurses wider. Innerhalb von zehn Jahren ist das Papier so stark gestiegen wie sonst kein anderes der globalen MSCI-Indizes. Seit Juni 2008 beträgt das Kursplus sagenhafte 9.560 Prozent – und stellt damit sogar Netflix (7.500 Prozent) in den Schatten. Im vergangenen Jahr schaffte die Aktie ein Plus von 66 Prozent und war damit der beste Wert im Leitindex der Hongkonger Börse, dem Hang Seng.

Belegschaft hält 35 Prozent

Das Besondere an Sunny Optical ist, dass Firmengründer Wang Wenjian seinen Mitarbeitern von Anfang an empfohlen hat, sich an dem Unternehmen zu beteiligen. Mit Erfolg: Heute halten etwa 400 Mitarbeiter der ersten Stunde 35 Prozent der Aktien. Zieht man die 16 Prozent Aktien ab, die von vier Direktoren gehalten werden, dürfte sich der Wert der restlichen auf die Belegschaft verteilten Beteiligungen auf durchschnittlich 17 Millionen Dollar belaufen, hat die Agentur Bloomberg errechnet. Der heute 70-jährige Unternehmensgründer selbst hält noch 3,7 Prozent der Aktien, was einem Wert von 800 Millionen Dollar entspricht.

Ist die Aktie auch für hiesige Privatanleger geeignet? Wer früh genug eingestiegen ist, kann sich natürlich über einen satten Kurszuwachs freuen. Doch die Aktie gilt als äußerst riskant. Plötzliche Stornierungen oder Rückzüge von Kunden wegen des Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten oder der sich wieder verschlechternden Konjunktur können das Unternehmen hart treffen.

Vorsicht vor dem Handelskrieg

So hat der im April geäußerte Verdacht von US-Behörden, der Smartphonehersteller Huawei habe möglicherweise gegen Handelssanktionen verstoßen, die Sunny Optical-Aktie heftig unter Druck gesetzt. Von dem Einbruch hat sie sich zwar wieder erholt, doch er zeigt, dass Anleger sich inzwischen auf Rückschläge gefasst machen müssen.

Sunny Optical Technology, Dual Kamera Modul

Sunny Optical Technology. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Marktforscher wie die amerikanische Gartner Group äußern sich trotzdem optimistisch zur Zukunft von Anbietern wie Sunny Optical. Mit Blick auf den Trend zum autonomen Fahren unterstreichen die Experten die Bedeutung von optischen Sensoren und Kameras. Besonders hohes Wachstumspotenzial sehen die Marktforscher dabei im Bereich der Kameras.

Dabei erwarten sie ein durchschnittliches Wachstum von 27  Prozent pro Jahr. Kaum ein Unternehmen dürfte davon so stark profitieren wie der Marktführer Sunny Optical, kontrollieren die Chinesen doch bereits 25 bis 30 Prozent des Weltmarkts bei Kameramodulen für Autos. Auch dürften sie als größter chinesischer Hersteller kompakter Optiksysteme von der anhaltenden Nachfrage nach Smartphones mit immer hoch auflösenden Kameras profitieren.

lg