Aktie des Tages

Sonova: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre

Ausbau des Filialnetzes Sonova greift tief in die Tasche

Stand: 04.05.2016, 15:41 Uhr

Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova ist nicht unbedingt jedem Anleger sofort bekannt. Aber ein Blick könnte sich lohnen, zumal die Schweizer jetzt ihren Vertrieb kräftig aufrüsten.

Denn die heute bekannt gegebene Übernahme des niederländischen Hörakustik-Händlers AudioNova für 830 Millionen Euro ist immerhin der größte Zukauf in der Firmengeschichte. Verkäufer ist der Finanzinvestor HAL Investments. Bei der Auktion setzte sich Sonova am Schluss gegen drei sich noch im Rennen befindliche Finanzinvestoren und drei strategische Käufer durch.

Bezahlt wird mit einer Kombination aus Barmitteln und Fremdkapital. Ab dem Geschäftsjahr 2017/18 soll die Transaktion einen positiven Beitrag zum Gewinn pro Aktie leisten. Bei vollständiger Realisierung aller Synergien wird ein Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich erwartet.

Deutliche Ausweitung des Filialnetzes

Anders als die Konkurrenz fokussiert sich Sonova bei seinen Zukäufen auf die Stärkung des Vertriebs. Besonders der deutsche Markt, der weltweit als der zweitgrößte gilt, steht im Fokus von Firmenchef Lukas Braunschweiler. Bereits im vergangenen Jahr wurde der deutsche Großhändler Hansaton Akustik übernommen.

Durch den Kauf von AudioNova, das zuletzt rund 360 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete, erweitert Sonova jetzt sein Geschäftsnetz auf über 3.300 von bisher 2.000 Stellen. In Deutschland kommen zu den 140 Geschäften nun 565 hinzu. Sonova strebt an, dass die Produktpalette in den neuen Filialen in den kommenden zwei Jahren zu 95 Prozent durch eigene Produkte ersetzt wird. Bisher lag die Quote bei rund einem Viertel.

Sinnvoller Schritt

Vontobel-Analystin Carla Bänziger sieht in der Transaktion einen sinnvollen Schritt, denn das Unternehmen erreiche nun die kritische Größe im europäischen Einzelhandel. Die Bedeutung rechtfertige deshalb auch den hohen Preis. Die Transaktion dürfte in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden.

Auch die Anleger ziehen mit. An der Züricher Börse steigt das Papier um fast drei Prozent auf über 132 Franken und setzt damit seinen deutlichen Anstieg seit Februar fort. Das Jahreshoch lag im Sommer bei 142 Franken. Die Euro-Notierung legt in gleichem Maße auf knapp 121 Euro zu. Ende Mai stand die Aktie bei 140 Euro am Jahreshoch.

Einige große Spieler auf dem Markt

Auf dem renditestarken Markt für Hörgeräte und Gehör-Implantate (sogenannte Cochleaimplantate) tummeln sich neben Sonova einige wenige Konkurrenten. Einer der Hauptrivalen ist die dänische William Demant, deren Produkte nun aus den Regalen von AudioNova verschwinden werden. Auch die ebenfalls dänische GN sowie die an den Finanzinvestor EQT und die Hexal-Familie Strüngmann verkaufte ehemalige Hörgerätesparte von Siemens gehört zu den Anbietern.

Sonova ist eine Holdinggesellschaft, die 2007 aus der im Jahre 1985 ebenfalls als Holding gegründeten ehemaligen Phonak AG hervorgegangen ist und unter deren Dach die operativen Einheiten operieren. Der Gang an die Schweizer Börse erfolgte 1994. Die Wurzeln gehen auf das Jahr 1947 zurück. Die Gesellschaft ist den beiden Geschäftsbereichen Hörgeräte sowie Cochleaimplantate tätig. Ein Cochlea-Implantat ist eine Prothese für Gehörlose, deren Hörnerv aber noch funktioniert.

rm