Siemens Healthineers: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Siemens Healthineers - solide in der Krise

Stand: 23.07.2020, 11:22 Uhr

Siemens Healthineers hat sich in der Corona-Krise bislang robust gehalten. So entwickelte der Medizintechnikkonzern etwa Tests im Zusammenhang mit dem Virus, auch die Nachfrage in der Bildgebung hält an. Dennoch rechnet die Siemens-Tochter kurzfristig mit einer Delle.

Das Erlanger Unternehmen hofft dennoch auf Millioneneinnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. So könnten die beiden jüngst entwickelten Corona-Tests - ein molekularer und ein Antikörpertest - zusammen einen dreistelligen Millionenbetrag in die Kassen spülen, stellte Finanzvorstand Jochen Schmitz bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal im Mai in Aussicht. Die Produktion hat das Unternehmen dafür hochgefahren.

Aber auch im Geschäft mit der Bildgebung könnte Siemens Healthineers von Corona profitieren: Auf Computertomographen könnten Lungenerkrankungen schnell erkannt und diagnostiziert werden, mit Blutgassystemen würden die Lungenfunktionen von Intensivpatienten überwacht. Dennoch erwartet Schmitz durch die Krise zunächst eine Umsatzdelle.

Für das dritte Quartal Gewinnrückgang erwartet

Siemens Healthineers

CT-Technologie von Siemens Healthineers. | Bildquelle: Unternehmen

Im zweiten Quartal schnitt der Medizintechnikkonzern besser ab als von Analysten erwartet. Dabei profitierte das Unternehmen von guten Geschäften in der Bildgebung und der personalisierten Medizin. Die Diagnostiksparte litt hingegen im Zusammenhang mit der Pandemie unter fehlenden Patienten. Die Talsohle sieht das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal, den Ausblick für das am 30. September endende Geschäftsjahr zog Healthineers zurück. Die Siemens-Tochter will am 3. August ihre Zahlen für das Quartal vorlegen. Analysten erwarten dabei deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Vorquartal.

Jedoch sollte es im vierten Quartal wieder aufwärts gehen - hier gehen von Bloomberg befragte Experten von deutlichen Zuwächsen gegenüber den Vorquartalen aus. Auch Siemens Healthineers ist langfristig zuversichtlich. Im milliardenschweren Gesundheitsmarkt will sich der Konzern weiter besser schlagen als die Konkurrenz und hat sich ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt, die derzeit Bestand haben. Für die Geschäftsjahre 2020/21 und 2021/22 geht Healthineers von einem mittelfristigen vergleichbaren Wachstum von mehr als fünf Prozent aus. Das Gewinnplus je Aktie soll jeweils rund zehn Prozent betragen. Treiber dürften dabei zunächst weiter die Präzisionsmedizin sowie die Bildgebung bleiben. Digitalisierung und Automatisierung sind zwei Schwerpunkte für künftiges Wachstum. Dabei steht Healthineers insgesamt auf soliden Füßen. Rund 50 Prozent der Umsätze sind wiederkehrend, sprich aus dem Servicegeschäft.

Was sagen Analysten?

Analysten sind überwiegend positiv gestimmt. Von den von dpa-AFX erfassten Experten hat im laufenden Kalenderjahr lediglich eine Bank eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen. Der Rest rät zum Halten oder zum Kaufen. Nach dem enttäuschenden Start ins Geschäftsjahr habe das Unternehmen trotz der Corona-Krise im zweiten Quartal positiv abgeschnitten, schrieb Analyst Holger Fechner von der NordLB. Der Auftragseingang sei angesichts der Lage solide. Mit der Aktie des Medizintechnik-Konzerns könnten Anleger in der Corona-Krise auf Antikörpertests setzen, findet Kate Kalashnikova von der Citigroup. Diese seien ein Schlüsselthema zur Wiederöffnung von Volkswirtschaften, die großen Potenziale daraus seien in den Marktschätzungen aber noch nicht eingepreist.

So erwartet Lisa Bedell Clive von Bernstein Research mit Blick auf die deutlich gestiegenen Produktionskapazitäten des Antikörpertests, dass dieser sich positiv auf das Geschäft im zweiten Halbjahr auswirken werde. Zudem sieht sie insgesamt die langfristigen Aussichten für Siemens Healthineers positiv. Auch Veronika Dubajova von Goldman Sachs sieht mögliche Impulse durch die Corona-Krise für den Konzern. Diese dürften die Belastungen für das Kerngeschäft durch geringere Auslastung allerdings nicht kompensieren können.

Aktie fast kontinuierlich gestiegen

Seit dem Börsengang im März 2018 hat es der sich noch zu 85 Prozent zu Siemens gehörende Medizintechnikkonzern auf eine Marktkapitalisierung von fast 45 Milliarden Euro gebracht. Die Aktie war zu 28 Euro ausgegeben worden. Seitdem hat das im Mittelwertesegment MDax notierte Papier fast kontinuierlich an Wert gewonnen. Zwar litt die Aktie auch massiv unter dem Corona-Crash an den Märkten im März und April. Von rund 45 Euro ging es im Tief bis auf unter 30 Euro bergab. Doch konnte sich Healthineers rasch wieder berappeln, die Aussicht auf gute Geschäfte im Zusammenhang mit den neuen Corona-Tests machte die Verluste mehr als wett. Ende Mai erreichte die Aktie mit 47,265 Euro ein Rekordhoch. In den vergangenen drei Monaten hat Healthineers fast ein Fünftel an Wert gewonnen, im laufenden Jahr liegt das Plus bei rund vier Prozent. Mit einem Kursplus von rund ein Viertel in den vergangenen zwölf Monaten entwickelte sich das Papier deutlich besser als der MDax.

dpa-AFX/la

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Die Siemens-Abspaltungen Epocs, Osram, Energy & Co

Fertigung bei Epcos

Epcos
Schon vor über 20 Jahren ließ Siemens eine Tochter los und machte sie selbständig. 1999 stieß der Industriekonzern den Bauelemente- Bereich ab und brachte ihn unter dem Namen Epcos an die Börse. Zeitweise notierte Epcos im Dax, ab 2002 dann im Neuen Markt. 2006 zog Siemens die Reißleine und verkaufte seine restlichen Epcos-Anteile. Die elektronische Bauelemente-Firma gehört heute zur japanischen TDK und heißt TDK Electronics.