Royal Bank of Scotland: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

Aktie des Tages RBS: Ist der Weg zur Reprivatisierung jetzt frei?

Stand: 10.05.2018, 10:57 Uhr

Die verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) hat sich im Hypothekenstreit mit den US-Aufsichtsbehörden auf eine Milliardenzahlung verständigt - und macht damit den Weg frei zur Reprivatisierung.

Die nach der Bilanzsumme einst größte Bank der Welt willigte ein, eine Strafe von 4,9 Milliarden Dollar zu zahlen. Damit ist die unter staatlicher Kontrolle stehende britische Großbank bei der endgültigen Aufarbeitung der skandalösen Geschäfte auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Die RBS hatte in den USA ein großes Rad gedreht: Sie verkaufte wie viele Konkurrenten toxische Wertpapiere, die bei Anlegern zu hohen Verlusten führten und die Finanzkrise auslösten.

Bankchef Ross McEwan bezeichnete die nun erzielte Einigung als einen "Meilenstein" auf dem Weg, die Bank endgültig aus der Krise zu führen. Das Finanzhaus kommt damit vergleichsweise günstig weg: Analysten waren von einer Zahlung von bis zu zwölf Milliarden Dollar ausgegangen.

Royal Bank of Scotland in London

Royal Bank of Scotland. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Ergebnisbelastung erwartet

Die Anleger reagieren höchst erfreut: die Aktie macht einen Sprung von knapp sieben Prozent. Der jetzt seit fast fünf Jahren an der Spitze der Bank stehende McEwan konnte zuletzt immer wieder Fortschritte beim Umbau der RBS vermelden. So verdiente sie 2017 erstmals seit zehn Jahren wieder Geld.

Mit dem Vergleich wird der Weg frei zur Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen und zur Reprivatisierung der Bank. Seit der Finanzkrise hält der britische Staat 71 Prozent an dem Institut. Lediglich 29 Prozent befinden sich in Streubesitz. 2008 hatte der britische Staat die Bank mit Steuergeldern in Höhe von 45 Milliarden Pfund vor dem Zusammenbruch gerettet.

Liegen noch weitere Leichen im Keller?

Die Krise überwunden hat die RBS auch nach der heutigen Einigung noch nicht. Der jetzt bekannt gewordene Vergleich wird das Ergebnis im zweiten Quartal mit 1,44 Milliarden Dollar belasten. Der Rest sei bereits zurückgestellt worden, teilte die Bank mit. Es bleibt aber abzuwarten, welche weiteren finanziellen Belastungen das ruinöse Gebaren der Bank in den Nullerjahren noch zu Tage fördern wird.

Im vergangenen Jahr verdiente das Institut unterm Strich 752 Millionen Pfund, nach einem Verlust von fast sieben Milliarden Pfund im Jahr davor. Insgesamt hatte die britische Großbank infolge der Finanzkrise, fragwürdiger Geschäftspraktiken, wilder Spekulationen und einer missglückten Übernahme einen Verlust von rund 58 Milliarden Pfund angehäuft.

Royal Bank of Scotland in London

Royal Bank of Scotland. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die britische Regierung will bisherigen Plänen zufolge im Steuerjahr 2018/19 etwa drei Milliarden Pfund durch den Verkauf von RBS-Aktien erlösen. Dazu müsste der Kurs der RBS aber auf mindestens 500 Pence steigen. Davon ist er trotz des heutigen Zuwachses noch weit entfernt.

Mit dem Kursplus nach der Einigung konnte die Bank lediglich die Schwächen der vergangenen Wochen abschütteln. Das Papier nähert sich nun wieder dem Mehrjahreshoch von gut 304 Pence aus dem Januar. Vor der Finanzkrise hatte die Aktie aber, bereinigt um viele Kapitalmaßnahmen, noch mehr als 5.000 Pence gekostet.

lg/rtr/dpa