Logo PBB Deutsche Pfandbriefbank
Audio

Aktie des Tages Pfandbriefbank: Nicht sexy, aber solide

Stand: 13.05.2019, 14:54 Uhr

Seit ihrem Absturz im Dezember letzten Jahres hat sich die Aktie der Deutschen Pfandbriefbank (pbb) um über 40 Prozent erholt. Ist die Nachfolgerin der Pleitebank HRE nun ein Kauf?

Im ersten Quartal hat die auf die Finanzierung von Gewerbeimmobilien spezialisierte Bank solide Zahlen erwirtschaftet, wenngleich sie keinen Grund für einen übereilten Kauf der Aktie liefern. Unter dem Strich stand bis Ende März ein Überschuss von 40 Millionen Euro und damit eine Million mehr als ein Jahr zuvor.

Der Vorsteuergewinn blieb mit 48 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Trotz spürbarer Abstriche im Neugeschäft peilt Vorstandschef Andreas Arndt für 2019 weiterhin einen Vorsteuergewinn von 170 bis 190 Millionen Euro an.

Hoher Anteil risikoarmer Verträge

Die Bank konnte ihr Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung zwar um zwölf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro steigern. Die durchschnittliche Bruttomarge in dem Bereich sackte jedoch spürbar ab.

Das Management begründete das mit einem hohen Anteil von sehr risikoarmen Verträgen. "Für das zweite Quartal erwarten wir durch eine andere Zusammensetzung des Neugeschäfts eine deutliche Verbesserung unserer Neugeschäftsmarge", sagte Arndt.

Wachsende Unsicherheit

Der Vorstand sieht nach jahrelangem Boom wachsende Unsicherheiten im Immobiliengeschäft. Eine Bruchlandung hält er zwar für unwahrscheinlich: "Wir erwarten für das Jahr 2019 keine Marktkorrektur in großem Stil. Allerdings nimmt aus unserer Sicht das Instabilitätspotenzial zu", hatte Arndt bereits Ende Februar bei der Vorstellung der Zahlen für 2018 gesagt.

Andreas Arndt, Deutsche Pfandbriefbank

Andreas Arndt. | Bildquelle: Unternehmen

In einigen Teilbereichen sei der Markt bereits sehr schwierig geworden: "Das Wasser unter dem Kiel ist deutlich zurückgegangen." So leiden viele Shopping Center unter der Konkurrenz des Online-Handels, auch allein stehende große Einzelhandelsmärkte auf der grünen Wiese - im Branchenjargon "big box" genannt - seien nur noch schwer vermietbar.

Nach wie vor gut laufen hingegen Versandzentren, unter anderem wegen des nach wie vor schnell wachsenden Online-Handels. Ausbauen will die Bank ihr Geschäft in den USA, in Großbritannien dagegen wegen des nahenden Austritts aus der EU reduzieren.

Kein Rückzug aus Großbritannien

"Die Unsicherheit wird anhalten, bis die Folgen des Brexit besser absehbar sind", sagte er. Einen Rückzug aus dem Vereinigten Königreich plant die Pfandbriefbank aber nicht: "Die Welt hört wegen des Brexit nicht auf." Beim Neugeschäft will die Bank weiter keine allzu hohen Risiken eingehen und rechnet allenfalls mit einem Wert auf Vorjahreshöhe.

Die Deutsche Pfandbriefbank war 2009 aus der notverstaatlichten Skandalbank Hypo Real Estate hervorgegangen und wurde im Sommer 2015 vom Staat zurück an die Börse gebracht. Bis zum Frühjahr 2018 hatte der Bund noch ein Fünftel der Anteile gehalten, sich aber im Mai vom Großteil seiner Aktien getrennt. Derzeit hält der Bund noch 3,5 Prozent an der Bank.

Einen Teil der Papiere hat die RAG-Stiftung übernommen, die jetzt 4,5 Prozent der Anteile besitzt. Die PBB ist an der Börse derzeit 1,6 Milliarden Euro wert und damit etwas weniger als ihre Konkurrentin Aareal Bank.

Bullische Analysten, hohe Dividendenrendite

Und welche Anreize gibt es für Privatanleger, in diese Bank zu investieren? Analyst Tobias Lukesch vom Analysehaus Kepler Cheuvreux traut dem Kurs weitere Steigerungen auf 14,50 Euro zu - also 20 Prozent mehr als derzeit. Johannes Thormann von der britischen Investmentbank HSBC traut der pbb-Aktie sogar einen Anstieg auf 16 Euro zu - und empfiehlt das Papier zum Kauf.

Attraktiv ist die Pfandbriefbank auch für Dividendenjäger. So hat das Bankhaus angekündigt, für 2018 eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie zahlen zu wollen. Zum aktuellen Aktienkurs entspricht das einer Dividendenrendite vor Steuern von 8,24 Prozent.

Zudem hat die pbb angekündigt, auf absehbare Zeit Dividenden ohne Abzug von Steuern zu zahlen, also ohne Abzug von Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer. Das Geldhaus geht davon aus, dass dies voraussichtlich für Dividendenzahlungen der nächsten fünf bis sieben Jahre gilt. Für Anleger zu beachten ist allerdings, dass die Steuer in diesem steuerrechtlichen Sonderfall nicht erlassen wird, sondern bei Verkauf der Aktien fällig wird.

lg

1/7

Wo der Staat überall mitmischt Unternehmen des Bundes

Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate (HRE) gehört zu 100 Prozent dem Staat, nachdem sie in der Finanzkrise vom Bund vor dem Zusammenbruch gerettet werden musste. 2010 mussten ihre zahlreichen, faulen Kredite in der Bilanz in Höhe von 174 Milliarden Euro in eine Bad Bank "FMS Wertmanagement" ausgegliedert werden. Inzwischen ist ein Teil davon verkauft. Dadurch sind dem Steuerzahler Verluste in Höhe von neun Milliarden Euro entstanden.