Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre

Aktie des Tages Osram: Jetzt einsteigen?

Stand: 09.07.2018, 14:16 Uhr

Der Wandel von Osram vom Glühbirnenhersteller zum Anbieter von Lichttechnik für Fahrzeuge wird dem Unternehmen im fünften Jahr seit seiner Erstnotierung zum Verhängnis. Dennoch erscheint der jüngste Kurssturz übertrieben.

Vorstandschef Olaf Berlien musste Ende Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose senken. Dabei hatten erst im Mai der starke Euro sowie schwierige Geschäfte in der Spezialbeleuchtung dem Konzern einen Strich durch die Gewinnerwartung gemacht.

08.07.2013: Der damalige Osram-Chef Wolfgang Dehen läutet die IPO-Glocke an der Frankfurter Börse

Osram-Börsengang am 8.7.13. | Bildquelle: Unternehmen

Diesmal sind es vor allem die Probleme in der Autoindustrie, die nun auch die Zulieferer zu spüren bekommen. Neue EU-weite Abgastestverfahren führen zu Einschränkungen in der Produktion von einigen Herstellern, etwa bei Volkswagen. Die Autobauer tun sich deshalb schwer, Modelle in ausreichender Zahl nach dem neuen Abgasstandard zertifizieren zu lassen. Das betrifft auch Osram, fertigt das Unternehmen doch Lichttechnik und Sensoren für die Automobilindustrie. Mittlerweile macht Osram hiermit rund die Hälfte des Geschäfts. Und auch die drohenden höheren Einfuhrzölle auf Autos in die USA sorgen für Unsicherheit in der Branche.

Viel Vertrauen zerstört

Handels- und Vertriebsbeschränkungen sowie Planungsrisiken bei den Autoherstellern hätten zu einer spürbaren Verunsicherung geführt, ließ Osram verlauten. Da es auch im Smartphonegeschäft zu Projektverzögerungen kommt, strich der Konzern seine Prognosen nochmals drastisch zusammen.

Damit hat die einstige Siemens-Tochter, die gestern vor fünf Jahren zu 24 Euro an die Börse gebracht wurde, viel Vertrauen zerstört. Die Anleger reagierten entsetzt auf die zweite Warnung, die im MDax notierte Aktie brach um über 20 Prozent ein. Damit hat Osram seit Jahresbeginn über die Hälfte seines Marktwertes eingebüßt. Die Titel rauschten von 79 Euro auf zuletzt gut 34 Euro in die Tiefe.

Probleme kommen zur Unzeit

Das alles passiert in dem Jahr, in dem das Unternehmen eigentlich auf Wachstum und Investitionen schalten wollte. Tatsächlich will Osram 2018 seine LED-Produktion im neuen Werk im malaysischen Kulim hochfahren, ein Geschäft, von dem sich Berlien neues Wachstum verspricht. Auch Zukäufe sollen den Konzern voran bringen. Aufgrund dessen war die ursprüngliche Ergebnisprognose ohnehin eher konservativ geplant. Die sich verschlechternden Marktbedingungen kommen für Osram daher zur Unzeit.

Die Analysten revidierten deshalb reihenweise die Kursziele. Dazu gehört auch Harald Schnitzer von der DZ Bank. Er hat den fairen Wert für Osram von 40 auf 35 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Halten" belassen. Die Verunsicherung sei gestiegen, der von Osram erwartete Rückenwind aus der Automobilindustrie könne zunehmend in Frage gestellt werden, so der Experte. Zudem verfasste er ein vernichtendes Urteil: Das Vertrauen der Anleger sei auf den Nullpunkt gesunken.

Kurseinbruch übertrieben

Rote Osram-Schriftzüge

Osram. | Bildquelle: picture alliance / dpa


Dagegen hat die jüngste Gewinnwarnung für Karsten Iltgen vom Bankhaus Lampe, eher markt- statt unternehmensspezifische Ursachen. Er empfiehlt die Aktie deshalb weiter zum Kauf. Auch Analyst Alexander Virgo von Merrill Lynch hält den auf die Gewinnwarnung folgenden Kurseinbruch der Aktie für übertrieben. Die langfristigen Wachstumschancen seien ungebrochen - gerade im Infrarotbereich.

Osram agiere mit seinen Produkten in Märkten, die bis 2021 ein Volumen von rund 50 Milliarden Euro erreichen dürften. Mit den jüngsten Zukäufen bewege sich das Unternehmen zudem weg von Automobil und Smartphones und hin zu neuen Geschäftsfeldern wie Medizin, Industrie oder Gartenbau.

Kaufkurs für mutige Anleger

Auch Charttechniker wie Jörg Scherer von HSBC Trinkaus sind vorsichtig optimistisch. Nach dem Einbruch der letzten Woche komme es derzeit zu einem Stabilisierungsversuch. Untermauert werde dieser von einem "Hamme"-Umkehrmuster auf Wochenbasis sowie von der Indikatorenseite. Gleichzeitig weiche die aktuelle Notierung so stark von der 200-Tage-Linie (aktuell bei 62,52 Euro) ab wie noch nie seit dem Börsengang im Juli 2013.

Commerzbank-Analyst Sebastian Growe ist deshalb der Meinung, dass der massive Kursverlust für strategische oder aktivistische Aktionäre interessant sein könnte.

lg