Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Nestlé schmeckt Anlegern wieder

Stand: 05.12.2018, 15:42 Uhr

Schweizer Konzerne gelten in turbulenten Börsenzeiten als sicherer Hafen. So erleben die Aktien von Nestlé derzeit ein beeindruckendes Comeback. In Franken haben sie gar ein Rekordhoch erklommen - trotz eines drohenden "Embargos" für Schweizer Aktien in der EU.

Ein bewegtes Jahr haben die Titel von Nestlé hinter sich. Nachdem sie bis 73,43 Franken im Sommer gerutscht waren, legten sie in der zweiten Jahreshälfte eine atemberaubende Aufholjagd hin. Inzwischen sind die Jahresverluste komplett ausgebügelt, die Aktien von Nestlé notieren mit 86 Franken so hoch wie nie. In Euro liegen sie noch knapp unter ihrem Mitte 2017 erklommenen Rekordhoch von 78,57 Euro.

Auf dem Weg zurück zu alter Stärke

Unmittelbare Gründe für den Kurs-Höhenflug von Nestlé gibt es nicht. Offenbar glauben die Anleger, dass Nestlé-Chef Mark Schneider den schweren Tanker wieder zurück auf Erfolgskurs bringt. In den ersten neun Monaten des Jahres lag das um Sondereffekte bereinigte organische Wachstum bei 2,8 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte das Plus noch 2,6 Prozent betragen.

Im laufenden Jahr strebt Schneider ein organisches Wachstum von rund drei Prozent an. Bis 2020 sollen wieder Zuwachsraten von rund fünf Prozent erreicht werden - wie in alten Zeiten. Die operative Marge soll auf 18,5 Prozent klettern.

Der Konzernumbau kommt in Fahrt

Der Ex-Fresenius-Manager tut einiges, um den Konzern wieder fit zu trimmen. Er hat unlukrative Geschäftsbereiche wie das US-Süßwarengeschäft (an Ferrero) abgestoßen und im Gegenzug das gut laufende Geschäft mit Gesundheitsprodukten und Kaffee ausgebaut. Für fast 7,2 Milliarden Dollar hat Nestlé jüngst das Einzelhandelsgeschäft der Kaffeehauskette Starbucks geschluckt und kann somit künftig weltweit Starbucks-Kaffee vertreiben.

Beim Konzernumbau fokussiert sich Nestlé auf vier aussichtsreiche Bereiche: Babynahrung, Kaffee, Wasser und Tierfutter. "Wenn wir über hohes Wachstum reden, schauen wir auf die vier" Kernsparten, sagte er kürzlich.

Wann stößt Nestlé L'Oréal ab?

Neuen Schub könnte der Verkauf des Nestlé-Anteils an L'Oréal bringen. Die Beteiligung von 23 Prozent sei aktiv auf der Agenda des Aufsichtsrats, sagte Verwaltungsratschef Paul Bulcke am Montag. Prompt zogen die Titel von L'Oréal an.

Druck macht der Großaktionär Third Point. Der aktivistische Investor Daniel Loeb dringt auf mehr Tempo beim Konzernumbau und fordert die Trennung von Geschäftsbereichen, die 15 Prozent des Umsatzes ausmachen. Die Mittel daraus sollen für Zukäufe und weitere Aktienrückkäufe verwendet werden. Das lehnt Nestlé ab.

Defensive Titel sind Trumpf

Angesichts der unruhigen Börsenzeiten könnten defensive Aktien wie Nestlé in naher Zukunft weiter attraktiv bleiben. Mehrere Anlagestrategen raten zu Titeln wie Nestlé. Die Schweizer Bank Julius Bär sieht eidgenössische Aktien als "Werterhaltungsinstrumente", die sich bewährt hätten.

Ungemach droht allerdings von anderer Seite: Wegen des Streits um ein Rahmenabkommen zwischen der EU und der Schweiz könnte die Züricher Börse den Zugang zum europäischen Markt verlieren. Sollte die EU wie angedroht die Börse in Zürich ab Anfang 2019 nicht mehr als gleichwertigen Handelsplatz anerkennen, können EU-Banken und andere Wertpapierhändler nicht mehr in Zürich handeln. Im Gegenzug will die Schweiz im Börsenstreit mit Brüssel den Handel mit Schweizer Aktien in der EU stoppen. Der Schweizer Börsenbetreiber Six würde dann ein Großteil des jährlichen Handelsvolumens entgehen. Deutsche Anleger, die Nestlé kaufen wollten, müssten dann direkt über die Schweizer Börse handeln.

nb

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Vom Wohltäter zum Lebensmittel-Multi Die Nestlé-Geschichte

Unternehmensgründer Henri Nestlé

Unternehmensgründer Henri Nestlé: Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.