Nemetschek: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages Nemetschek: Wie lange noch?

Stand: 02.04.2019, 08:39 Uhr

Die Aktie des Bausoftwareanbieters Nemetschek kennt seit Wochen nur noch eine Richtung: nach oben. Kein Wunder, sollte man meinen, angesichts des derzeitigen Baubooms in den Städten. Doch Vorsicht. Ein Blick zurück zeigt, wie schwankungsanfällig die Aktie sein kann.

Erst 40 Prozent runter, dann 40 Prozent rauf. Langsfristig orientierte Anleger des Bausoftwareanbieters Nemetschek brauchten im letzten Halbjahr Nerven wie Drahtseile. Tatsächlich tauchte das Papier von seinem Allzeithoch im September letzten Jahres bei 153,40 Euro auf knapp 92 Euro am 21. Dezember ab - ohne Vorwarnung und ungebremst. Selbst hervorragende Quartalszahlen konnten den Niedergang nicht stoppen. Auch musste Nemetschek seine Prognose nicht revidieren.

Drei Monate später ist der tiefe Fall bereits Geschichte, die Aktie hat eine fulminante Aufholjagd hingelegt und nähert sich wieder ihrem Allzeithoch. Allein im März sprang sie um 15 Prozent in die Höhe. Was ist da passiert?

Mit Korrekturen rechnen

Als wesentliche Ursache für den Absturz im vierten Quartal des vergangenen Jahres gilt der Niedergang der Techaktien weltweit, allen voran der großen US-Konzerne Facebook, Apple, Amazon und Google. Diesem Trend konnte sich die im MDax notierte Nemetschek-Aktie nicht entziehen. Zudem war das Papier in den Sommermonaten zu schnell, zu steil gestiegen: um über 50 Prozent ging es von Anfang Juli bis Mitte September in die Höhe.

Nemetschek Firmenzentrale

Nemetschek Firmenzentrale. | Bildquelle: Unternehmen

Angesichts eines derartigen Vorlaufs müssen Anleger mit Korrekturen und Konsolidierungen rechnen. Auch bei der derzeitigen Rally stellt sich die Frage wann ihr die Puste ausgehen könnte. Charttechnisch sieht es noch bullisch aus. Bis zum Allzeithoch bei 154,80 Euro ist es nur noch ein Katzensprung. Oberhalb dessen wollen Marktexperten sogar weitere Kurszuwächse nicht ausschließen. Es könnte weiter in Richtung 200 Euro gehen. Doch der rasante Kurssprung der letzten Woche mahnt zur Vorsicht. Übertreibungen können sowohl in die eine als auch in die andere Richtung gehen.

Starker Ausblick, vorsichige Analysten

Beflügelt wurde der Kurs zuletzt vom starken Ausblick auf die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr. Danach rechnet Nemetschek mit einem Konzernumsatz von 540 bis 550 Millionen Euro. Dies entspricht einem Wachstum zum Vorjahr von 17 bis 19 Prozent.

Bei der Ebitda-Marge erwartet Nemetschek einen Wert zwischen 25 und 27 Prozent. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erreichte diese Kennzahl 26,3 Prozent. Den aktuellen Zielkorridor begründet das Unternehmen unter anderem mit neu akquirierten Marken, die noch geringe Margen ablieferten, und steigenden Personalkosten durch laufende Einstellungen.

Trotzdem schafft der überraschend gute Ausblick Vertrauen, zeigt er doch dass in Zeiten einer weltweit trägeren Konjunktur und einer schwächeren Entwicklung des US-Häusermarktes die Nachfrage nach Bausoftware robust bleibt. Analysten mahnen aber zur Vorsicht. Von den drei Experten, die zuletzt Studien zu Nemetschek veröffentlicht haben, stufen zwei die Papiere mit Halten ein, ein Analyst rät sogar zum Verkauf, weil der Kurs inzwischen zu "heiß" gelaufen sei. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt übrigens bei 116,00 Euro.

lg