Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 2 Jahre

Aktie des Tages Münchener Rück: Jetzt noch ein Kauf?

Stand: 20.03.2019, 13:41 Uhr

Wer hätte das gedacht? Trotz Nullzinsen ist die Aktie der Münchener Rück seit Dezember um 15 Prozent gestiegen. Doch der behäbige Konzern mausert sich. Selbst das jahrelange Sorgenkind Ergo macht inzwischen Gewinne. Lohnt da jetzt noch ein Einstieg?

Glaubt man der Analyse des JPMorgan-Experten, hat die Aktie durchaus noch Potenzial. Die wichtigste Neuigkeit in dem am Morgen präsentierten Zahlenwerk aus München sei der erhöhte Ausblick für den Nettogewinn im laufenden Jahr, schrieb Analyst Edward Morris. Dies sei zwar etwas weniger als von ihm erwartet, gehe aber konform mit der konservativen Kommunikation des Rückversicherers. Den fairen Wert der Aktie beließ er deshalb bei 220 Euro.

Tatsächlich erweist sich die Aktie der Münchener Rück als unerschöpfliche Geldquelle, auch wenn sie heute etwas nachgibt. In diesem Jahr schüttet der weltgrößte Rückversicherer einschließlich des Aktienrückkaufprogramms und der auf 9,25 Euro angehobenen Dividende nahezu den gesamten 2018 erwirtschafteten Gewinn aus.

Gewinn soll weiter steigen

Und die Aussichten stehen gut, dass der Gewinn in diesem Jahr noch weiter steigen wird. So plant der Vorstand für dieses Jahr mit gut 200 Millionen mehr, rund 2,5 Milliarden Euro. Analysten hatten zuletzt auf mehr als 2,6 Milliarden gehofft, die Bayern lassen bei ihren Prognosen aber gewöhnlich Luft nach oben.

"Munich Re ist auf Kurs", sagte Vorstandschef Joachim Wenning, der die Zahlen auf der Bilanzpressekonferenz am Vormittag in München präsentierte. Er war vor zwei Jahren angetreten, um mit einer vorsichtigen Expansion des Geschäfts die Erosion der Gewinne zu stoppen.

Ergo verdient wieder Geld

Nach dem Naturkatastrophen-Jahr 2017 war der Gewinn zuletzt schon auf 2,28 Milliarden Euro gestiegen. Im nächsten Jahr will Wenning es auf 2,8 Milliarden schrauben. Dazu beitragen soll auch der Erstversicherer Ergo, das jahrelange Sorgenkind des Konzerns.

Doch das ist Geschichte. Ergo-Chef Markus Rieß ist es dank eines seit 2016 laufenden harten Sanierungsprogramms gelungen, die Zahlen des Versicherers zu drehen. Im laufenden Jahr soll das Unternehmen rund 400 Millionen, im kommenden Jahr 530 Millionen Euro zum Konzerngewinn der Münchener Rück beitragen. Im vergangenen Jahr waren es ebenfalls rund 400 Millionen.

Kein Verkauf von Ergo

Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Munich Re

Zentrale der Münchener Rück. | Bildquelle: Unternehmen

Angesichts dieser Erfolge hat Wenning Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Erstversicherungstochter erneut eine Absage erteilt. Er halte ein "flammendes Plädoyer für Ergo", sagte der Manager bei der Bilanzvorlage in München. "Ergo ist Bestandteil der Gruppe. Punkt." Wenn das laufende Strategieprogramm bei Ergo geschafft sei, gehe man die nächste Etappe an. Seit Jahren wird immer wieder spekuliert, dass sich der Dax-Konzern von seinem früheren Sorgenkind trennen könnte.

Befeuert werden könnte die Münchener Rück-Aktie auch durch ein weiteres Aktienrückkaufprogramm, das siebte in Folge. Eine Milliarde Euro will der Konzern ab Mai, also nach der Hauptversammlung, dafür aufwenden.

Aktienrückkauf geht weiter

Finanzvorstand Christoph Jurecka hatte einen erneuten Aktienrückkauf neben der Rekord-Dividende von 9,25 Euro je Aktie schon im Februar angedeutet. Er hat bei der Münchener Rück Tradition: Als eines der ersten deutschen Unternehmen hatte sie 2006 damit angefangen und nur zwei Jahre ausgesetzt.

Im Versicherungsgeschäft verfolgt der Konzern ebenfalls ambitionierte Ziele. 2,1 Milliarden soll allein die Rückversicherung zum Gewinn in diesem Jahr beisteuern. Dabei rechnet der Vorstand nicht mit steigenden Beiträgen: 49 Milliarden Euro sollen es wieder werden, fast zwei Drittel davon aus der Rückversicherung. Der Gewinnzuwachs soll aus niedrigeren Schaden-Kosten-Quoten kommen.

Ende April bekommt die Münchener Rück einen neuen Aufsichtsratschef: Wennings Vorgänger Nikolaus von Bomhard zieht nach der vorgeschriebenen zweijährigen Abkühlphase wie erwartet in das Gremium ein und soll dort den früheren BMW- und VW-Chef Bernd Pischetsrieder ablösen.

lg