MTU: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages MTU: Wachstum mit Rückschlägen

Stand: 20.02.2019, 14:45 Uhr

Der Münchner Triebwerksbauer MTU hat trotz der Verzögerungen bei Airbus-Mittelstreckenjets 2018 ein Rekordjahr hingelegt. Auch stellt das Unternehmen eine höhere Dividende in Aussicht. Ist die Aktie jetzt ein Kauf?

Trotz der guten Geschäftszahlen und der Aussicht auf weitere Steigerungen bei Umsatz und Gewinn im laufenden Jahr, ging die MTU-Aktie zunächst in die Knie und verlor über drei Prozent. Die Entwicklung des Geldzuflusses (Free Cashflow) habe enttäuscht, schrieb JPMorgan-Analyst David Perry in einer Ersteinschätzung.

Die Commerzbank hat die Einstufung nach den Zahlen dennoch auf "Buy" mit einem Kursziel von 190 Euro belassen. Der Umsatz habe seine Prognose und die Konsensschätzung übertroffen, schrieb Analyst Norbert Kretlow in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) des Triebwerksherstellers sei besser als vom Markt erwartet ausgefallen.

Dividende steigt auf 2,85 Euro

Dank brummender Geschäfte mit neuen Antrieben, Ersatzteilen und Wartung steigerte MTU den Umsatz im abgelaufenen Jahr um 17 Prozent auf fast 4,6 Milliarden Euro, wie der Triebwerkshersteller am Mittwoch in München mitteilte. Damit übertraf das Unternehmen klar sein eigenes Ziel.

Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) wuchs ebenfalls um 17 Prozent auf 671 Millionen Euro, nachdem der Vorstand zuletzt 660 Millionen Euro angepeilt hatte. Der Nettogewinn legte um gut ein Viertel auf 453 Millionen Euro zu. Die Aktionäre können sich nun auf eine von 2,30 auf 2,85 Euro je Aktie erhöhte Dividende freuen. Zwar hatte die MTU-Spitze bereits früher eine Anhebung in Aussicht gestellt. Jetzt fällt die Ausschüttung aber noch höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet.

Das Unternehmen erntet inzwischen die Früchte seiner Investitionen aus früheren Jahren. Vor allem das Getriebefan-Triebwerk, das den Airbus-Mittelstreckenjet A320neo, den ursprünglich von Bombardier entwickelten Airbus A220 und die neuen Embraer-E2-Jets antreibt, erweist sich als Verkaufsschlager. MTU ist bei dem Projekt Partner des US-Triebwerksbauers Pratt & Whitney, einer Tochter des Mischkonzerns United Technologies.

Immer wieder negative Schlagzeilen

MTU-Triebwerk

MTU-Triebwerk. | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Allerdings sorgt der Konzern seit mehr als drei Jahren immer wieder für Negativschlagzeilen. Von Hitze- und Software-Problemen bis hin zu fehlerhaften Dichtungen reichten die Mängel. Die Dichtungen führten sogar zu vorübergehenden Flugverboten für mehrere Airbus-Jets und einem vorübergehenden Auslieferungsstopp. Wegen der Triebwerksbauer und eigener Schwierigkeiten geriet auch Airbus bei seinen Lieferplänen wiederholt in Verzug.

Die MTU-Führung sieht sich bei ihren Zukunftsplänen allerdings von den gut laufenden Triebwerkstypen beflügelt. Für das laufende Jahr peilen Winkler und Finanzchef Peter Kameritsch eine Umsatzsteigerung um rund drei Prozent auf 4,7 Milliarden Euro an. Der vergleichsweise geringe Anstieg liegt dem Unternehmen zufolge allerdings allein an einem Buchhaltungseffekt.

Kaum Kurspotential

Da bestimmte Wartungsaufträge für ein Gemeinschaftsunternehmen in China nicht mehr über die Wartungstochter MTU Hannover gebucht werden, fallen rund 300 Millionen Euro aus dem Konzernumsatz heraus.

Trotz der guten Geschäftsentwicklung trauen die meisten Analysten der MTU-Aktie nur noch geringe bs gar keine Kursgewinne mehr zu. Die Spanne der Einstufungen reicht zwischen 180 und 200 Euro, bei einem derzeitigen Kurs von rund 190 Euro. MTU gilt deshalb eher als konservativer Dividendentitel. Wegen des kräftigen Kursanstiegs seit Beginn des Jahres ergibt sich bei einer Ausschüttung von 2,85 lediglich eine Rendite von 1,5 Prozent.

lg