Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Morphosys: Auf dem Weg in eine glanzvolle Zukunft?

Stand: 25.06.2018, 09:37 Uhr

Wie Phönix aus der Asche hat sich die noch vor zwei Jahren vor sich hin dümpelnde Aktie des bayrischen Biotechunternehmens Morphosys zum besten Wert im TecDax gemausert. Was gibt es da zu feiern?

Tatsächlich ist die Morphosys-Aktie in der vergangenen Woche erstmals seit 18 Jahren wieder über 100 Euro gestiegen. Am Freitag legte sie in der Spitze bis auf 105,20 Euro zu - nachdem sie noch vor zwei Jahren auf 38 Euro gefallen war. Doch seither geht es nahezu unaufhörlich aufwärts.

Allein seit Jahresbeginn 2018 beläuft sich das Kursplus auf gut 30 Prozent, womit die Anteilsscheine zu den fünf gewinnträchtigsten TecDax-Werten in diesem Jahr zählen.

Erstes Blutkrebsmittel erwartet

Abbildungen von normaler Haut und Haut mit Schuppenflechte

Normale Haut und Schuppenflechte. | Bildquelle: colourbox.de

Rückenwind lieferte im vergangenen Sommer ein Durchbruch bei einem Schuppenflechte-Mittel der Johnson & Johnson-Tochter Janssen. Damit wurde erstmals ein Medikament zugelassen, das auf einem Morphosys-Antikörper basierte.

Hieraus fließen nun Tantiemen. Die Gewinne lassen bisher zwar noch auf sich warten, weil Morphosys wie in der Branche üblich viel Geld in seine Forschung steckt. Treiber für die Börse ist aktuell aber vielmehr die Medikamentenpipeline - also jene Mittel, die vielversprechend sind und auf den Markt gelangen könnten.

So winkt in den USA dem Mittel Mor208 im Kampf gegen Leukämie eine beschleunigte Zulassung. Damit hätte Morphosys erstmals ein eigenes Mittel. Daneben gibt es noch eine Zahl anderer Kandidaten.

Verlässlicher Partner

Gut kommt an der Börse aber auch an, dass Morphosys weiter als verlässlicher Partner großer Konzerne gilt. Erst kürzlich berichtete das Unternehmen über den Anlauf einer wichtigen Phase III-Studie für das Alzheimer-Mittel Gantenerumab zusammen mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche. Vor einigen Jahren hatte Roche eine gemeinsame Alzheimer-Studie mit Morphosys wegen mangelnden Erfolgs noch gestoppt.

Die Forschungserfolge stimmen auch die meisten Analysten optimistisch. Sie empfehlen die Papiere überwiegend zum Kauf. Ein paar Skeptiker gibt es aber, weshalb die Kursziele von 62 Euro bis 106 Euro reichen. Im schlimmsten Fall halten die Analysten also einen Rückschlag um rund 40 Prozent für möglich.

Analysten: Von Hoffnung bis Skepsis

Zwei Hände halten ein Röhrchen mit Morphosys-Slonomics-Aufschrift

Slonomics. | Bildquelle: Unternehmen

Noch etwas Spielraum nach oben sieht Analyst Igor Kim von der Investmentbank Oddo BHF, der sein Kursziel Mitte Juni von 93 auf 106 Euro anhob. Auch er sieht den starken Kursanstieg als Spiegelbild der Fortschritte in der Wirkstoffentwicklung, hält aber das Aufwärtspotenzial noch nicht für ausgereizt. Kim weist zudem auf einen laufenden Patentstreit mit den Unternehmen Genmab und Janssen hin, dem seiner Einschätzung nach Kompensationszahlungen zugunsten Morphosys folgen dürften.

Das Analysehaus RBC Capital sieht dagegen weiterhin große Risiken und hat die Aktie auf "Underperform" belassen. Angesichts der Bedeutung des Antikörpers Mor208 für die Aktie und des sich verändernden Zielmarktes habe sie aktuelle und potenzielle neue Therapien genauer unter die Lupe genommen, schrieb Analystin Zoe Karamanoli. Dabei seien viele kritische Fragen aufgekommen, die vor der Therapiereife noch zu klären seien. Das auf 62 Euro angehobene Kursziel begründete sie mit Auswirkungen der neuerdings in New York gehandelten Morphosys-Hinterlegungsscheine (ADR).

Auch Analyst Keyur Parekh von Goldman Sachs hält sich lieber an der Seitenlinie. Für ihn ist die Zukunft für Morphosys noch nicht eindeutig geklärt. Er verweist auf das mögliche positive wie auch negative Überraschungspotenzial wichtiger Medikamentenkandidaten - und dass mit ersten Gewinnen daraus wohl erst ab 2021 oder 2022 zu rechnen sei.

lg/dpa-AFX