Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Microsoft: Eine Aktie zum Verlieben?

Stand: 29.10.2018, 10:37 Uhr

Microsoft sei ein großartiger Start ins neue Geschäftjahr 2019 gelungen, freute sich Firmenchef Satya Nadella in der vergangenen Woche. Auch die Anleger griffen beherzt zu. Dennoch ist der Höhenflug zuletzt ins Stocken geraten. Ist das Potenzial damit erschöpft?

Tatsächlich ist die Microsoft-Aktie in diesem Jahr zeitweise um ein Drittel gestiegen, von 86 Dollar auf 115,61 Dollar Anfang Oktober. Seitdem ist das Papier mit dem Gesamtmarkt ins Trudeln geraten und musste zeitweise kräftig Federn lassen. Trotzdem bleibt seit Januar ein sattes Plus von zuletzt noch 24 Prozent. Mehr noch: inzwischen hat Microsoft sogar den Online-Händler Amazon als zweitwertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst, bringt der Softwarekonzern doch gut 821 Milliarden Dollar auf die Waage, während Amazon auf 795 Milliarden Dollar abgerutscht ist.

Microsoft

Microsoft. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Überraschend sind diese Zahlen nicht. Denn das Wachstums des einst von Bill Gates gegründeten Software-Giganten hat sich auch in den Sommermonaten ungebrochen fortgesetzt. Florierende Cloud-Dienste und gefragte Büro-Software haben Microsoft zwischen Juli und September zu deutlich mehr Gewinn und Umsatz verholfen.

Cloud-Geschäft brummt

In dem für den Konzern ersten Geschäftsquartal legte der Überschuss im Jahresvergleich um rund ein Drittel auf 8,8 Milliarden Dollar zu. Die Erlöse kletterten um 19 Prozent auf 29,1 Milliarden Dollar. Bei Microsoft verläuft das Geschäftsjahr versetzt zum Kalenderjahr. Die starken Ergebnisse seien das Resultat von Innovationen und dem Vertrauen, das Kunden in den Konzern hätten, sagte Nadella. Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten klar, das kam auch bei Anlegern gut an. Die Aktie drehte nachbörslich mit rund drei Prozent ins Plus.

Vor allem das lukrative Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet brummte weiter, auch wenn das Umsatzwachstum der Azure-Plattform für Unternehmen sich mit einem Plus von 76 Prozent erheblich gegenüber den Vorquartalen abschwächte. Azure konkurriert vor allem mit Amazons Marktführer AWS und den Cloud-Services von Google. Microsofts stark gefragte Online-Version des Büroprogramms "Office 365" legte um kräftige 36 Prozent zu. Das Ende 2016 übernommene Online-Karriereportal Linkedin steigerte die Erlöse um 33 Prozent.

PC-Sparte wächst wieder zweistellig

Selbst die klassische PC-Sparte mit dem Windows-Geschäft hat wieder Tritt gefasst. Sie wuchs im Sommer um 15 Prozent. Das frühere Kerngeschäft schwächelte zwischenzeitlich, macht aber mit zuletzt 10,7 Milliarden Dollar immer noch einen Großteil der Einnahmen des Konzerns aus. Besonders stark entwickelte sich die ebenfalls in der Sparte geführte Gaming-Abteilung mit der Spielkonsole Xbox, deren Erlöse um 44 Prozent zulegten.

Allein diese Auflistung zeigt, wie breit das Unternehmen inzwischen aufgestellt ist. Seine einstige Abhängigkeit von der PC-Sparte mit Windows geht dagegen zurück. Ein Blick auf die unterschiedlich starken Wachstumszahlen zeigt, dass der Anteil der alten PC-Sparte am Gesamteinkommen des Konzerns in den kommenden Jahren weiter zurückgehen dürfte.

Positiver Trend dürfte anhalten

 Microsoft-Chef Satya Nadella

Satya Nadella. | Bildquelle: ANSA, picture alliance / dpa

Experten erwarten, dass der Trend zur Cloud noch viele Jahre andauern wird. Microsoft ist mit Azure die Nummer zwei hinter Amazons AWS-Sparte und damit einhergehend blendend am Markt positioniert. Und weil das Cloud-Segment derart floriert, bietet Microsoft auch seine Office-Software via Cloud und gegen eine monatliche Gebühr an. Das schafft wiederkehrende Einnahmen und sorgt für mehr Nutzerbindung. Das weiß auch Nadella, der dementsprechend selbstbewusst auftritt.

Die Analysten sind ebenfalls begeistert. Von den 20 wichtigsten das Unternehmen beobachtenden Analysten empfehlen 19 die Aktie zum Kauf. Nur der Experte des Analysehauses Jefferies hält die Aktie für überbewertet und hält einen fairen Wert von 75 Dollar für angemessene. Das durchschnittliche Microsoft-Kursziel liegt aktuell bei rund 122 Dollar. Der Abstand zwischen durchschnittlichem Kursziel und aktuellem Kurs beträgt damit gut 14 Prozent.

Üppige Dividende

Dabei variieren die Schätzungen der Analysten beträchtlich. Bernstein Research hat das Kursziel für Microsoft nach den jüngsten Quartalszahlen zum ersten Geschäftsquartal von 135 auf 137 Dollar angehoben und die Einstufung auf "Outperform" belassen. Angetrieben von einem starken Cloud-Geschäft habe der Softwarekonzern deutlich besser als vom Markt erwartet abgeschnitten, schrieb Analyst Mark Moerdler.

Das japanische Analysehaus Nomura ist etwas bescheidener. Zwar empfiehlt auch deren Analyst die Aktie zum Kauf, hat aber das Kursziel von 118 auf 115 Dollar gesenkt. Dazwischen liegt das US-Analysehaus Stifel. Deren Experten haben das Kursziel für die Microsoft-Aktie von 118 auf 120 Dollar angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen.

Neben möglichen Kurssteigerungen profitieren Microsoftanleger auch von einer für amerikanische Verhältnisse großzügigen Dividende von inzwischen 0,46 Cent pro Quartal, also 1,84 Dollar im Jahr.

lg