Linde plc: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat

Aktie des Tages Linde: 2019 wird es ernst

Stand: 12.12.2018, 09:41 Uhr

Während die Technologieaktien in den letzten Wochen massiv unter Druck geraten sind, haben die Papiere des Gaseherstellers Linde der Baisse getrotzt und sich als defensiv erwiesen. Doch wie sehen die Zukunftschancen des Unternehmens aus?

Zunächst zu den Fakten: Durch den Zusammenschluss mit Praxair steigt Linde zum weltgrößten Anbieter von Industriegasen auf. 2017 hätte das vereinigte Unternehmen, das vom bisherigen Praxair-Chef Steve Angel geführt wird und dessen Verwaltungsratschef der ehemalige Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle ist, einen Umsatz von 24 Milliarden Euro erzielt. Der bisherige Weltmarktführer Air Liquide aus Frankreich kam auf einen Umsatz von 20 Milliarden Euro.

Doch die verbesserte Marktposition wurde teuer erkauft. Denn die Kartellbehörden forderten von Linde gravierende Einschnitte. So musste sich das Unternehmen praktisch vom gesamten US-Geschäft trennen. Insgesamt betrafen die Verkäufe Firmenteilen mit einem Umsatz von vier Milliarden Euro - die Schmerzgrenze des Managements hatte ursprünglich bei 3,7 Milliarden Euro gelegen.

Bedenkenträger verstummt

Zudem wird der neue Konzern nicht aus München sondern aus den USA heraus geleitet und muss seine Hauptversammlungen in England abhalten - riesige Veränderungen für ein deutsches Traditionsunternehmen. Wegen der immer neuen Forderungen der amerikanischen Kartellbehörden brachen die Linde-Anteile im Sommer um rund zehn Prozent ein. Branchenanalysten sahen zeitweise den geplanten Zusammenschluss zum Weltmarktführer auf der Kippe und befürchteten für den Fall, dass es doch noch klappt, weniger Synergien.

Inzwischen sind die Bedenkenträger verstummt. Verwaltungsratschef Reitzle beziffert die jährlichen Synergien auf etwa 1,1 Milliarden Euro. Durch die Fusion sei ein breiteres und besser ausgewogenes Endmarktportfolio entstanden.

Integration muss sich erst bewähren

Linde Praxair

Linde Praxair. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Auch steht fest, dass Linde trotz seiner neuen britischen Rechtsform plc (public limited company) im Dax verbleiben kann. Zudem steigt das Unternehmen mit Wirkung zum 24. Dezember in den Eurostoxx 50 auf und ersetzt dort die Barclays Bank. Auch wird Linde im amerikanischen S&P 500 notiert sein. Damit gehört die im 19. Jahrhundert in Wiesbaden als Ingenieurbüro gegründete Firma zur Weltliga der Unternehmenswelt.

Allerdings muss sich die Integration zweier unterschiedlicher Konzerne in der Praxis erst noch bewähren. Bis Ende Januar 2019 muss Linde noch einige Anlagen in den USA verkaufen. Bis dahin sollen die Fusionspartner ihre Geschäfte noch unabhängig voneinander weiterführen. Erst danach kann es mit der Schaffung eines einheitlichen, neuen Unternehmens losgehen. Die Arbeitnehmervertreter befürchten einen Kahlschlag, der bis zu 10.000 Arbeitsplätze gefährden könnte.

Aktienrückkauf gefällt

Linde AG, Wolfgang Reitzle lachend

Wolfgang Reitzle. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bei den Aktionären kam die jüngste Ankündigung von Linde, für eine Milliarde Dollar eigene Aktien zurückkaufen zu wollen, gut an: Das Papier legte zu und hat sich auch im derzeitigen Bärenmarkt als resistent erwiesen. Auch die Analysten reagierten erfreut. Die Deutsche Bank hat die Einstufung für Linde auf "Buy" belassen. Das vorgesehene Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar sei nur der Anfang einer großen Ausschüttungsstory, glaubt Analyst Tim Jones. Er verwies auf den starken Barmittelzufluss und hält deshalb eine höhere Dividende für möglich. Mittelfristig seien Ausschüttungen von bis zu 20 Milliarden Dollar nicht ausgeschlossen.

Ähnlich äußerte sich auch sein Kollege von der Schweizer Großbank UBS. Auch er hat die Einstufung für Linde auf "Buy" belassen. Einer der Hauptgründe für die Kauf-Empfehlung sei der erwartete und nun konkrete Aktienrückkauf, schrieb Geoff Haire.

Aufsichtsratschef Reitzle - zugleich Verwaltungsratschef des fusionierten Konzerns - sagte auf der Hauptversammlung in München, der Kursanstieg der Linde-Aktie seit der Entscheidung zeige, welches Potenzial die Anleger in dem Zusammenschluss sähen. Mit einem Marktwert von 88 Milliarden Dollar sei Linde unter den wertvollsten Unternehmen im Leitindex Dax inzwischen die Nummer drei hinter SAP und Siemens.

Konjunktur könnte belasten

Gegenwind droht dem Gasekonzern allerdings von der Konjunktur. Weltweit dürfte sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr abschwächen. Schon sorgen sich einige Ökonomen wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China um ein Abgleiten in die Rezession. Ein solches Szenario würde natürlich auch Linde treffen.

Für dieses Jahr hält das Unternehmen an seinem Ausblick fest. Danach soll der um Währungseffekte bereinigte Konzernumsatz auf dem Niveau des Vorjahres liegen, könnte laut Linde aber auch um bis zu vier Prozent steigen. Das währungsbereinigte operative Konzernergebnis soll innerhalb einer Bandbreite liegen, die vom Vorjahresniveau bis zu einem Plus von fünf Prozent reicht. Damit scheint das Potenzial für weitere Kurssprünge begrenzt.

lg