Lenzing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Lenzing versucht den Befreiungsschlag

Stand: 07.09.2018, 09:26 Uhr

Die Aktie des österreichischen Zellulose-Herstellers hatte in den vergangenen Monaten einen schweren Stand. Ein Bündel von ungünstigen Faktoren lastete auf dem Titel. Mit dem Bau einer riesigen Zellstoff-Fabrik will der Konzern Abhängigkeiten vom Weltmarkt reduzieren.

Die Nachricht, die bereits Ende Juni umging, hat die Aktie, die im österreichischen Auswahlindex ATX notiert, zumindest stabilisiert. Um einen neuen klaren Aufwärtstrend einzuschlagen, sind wohl erste Erfolge in der nächsten Bilanz erforderlich. Die Marke von 100 Euro, um die der Titel lange kämpfen musste, scheint aber erst einmal als solider Widerstand nach unten zu wirken.

Weniger Abhängigkeit von Lieferanten

Lenzing hatte nicht weniger als einen großen Wurf angekündigt, der dem Unternehmen künftig mehr Unabhängigkeit in der Produktion und wohl auch mehr Sicherheit in der Umsatz- und Ergebnisentwicklung bescheren soll. Das Unternehmen baut mit dem Kooperationspartner Duratex die weltgrößte Faserzellstoff-Fabrik in Brasilien. Dafür nehmen die Partner rund eine Milliarde Euro in die Hand. Das Ziel: Lenzing will den wichtigen Rohstoff für die Zellulose dann vollständig selbst bereitstellen. Lenzing ist der weltgrößte Hersteller von Zellulosefasern.

Rund eine Million Tonnen Zellstoff, die aus Holz gewonnen wird, verarbeitet Lenzing pro Jahr. Bislang stellt Lenzing nur etwas mehr als die Hälfte des Zellstoffs selbst her. Aus dem Vorprodukt werden Viskose- und vor allem Spezialfasern hergestellt. Den Rest muss der Konzern zukaufen.

Lenzing-Stapelfasern in rot, blau und weiß

Lenzing-Stapelfasern. | Bildquelle: Lenzing AG

Zellfasern zu billig

Die Abhängigkeit vom Weltmarkt hatte in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass Lenzing in mehrfacher Hinsicht mit einem "herausfordernden Marktumfeld" zu tun hatte. Einerseits waren die Preise für die Rohstoffe, die Lenzing einkaufen muss - etwa Natronlauge - auf einem dauerhaft hohen Niveau. Dazu kam Preisdruck für die eigenen Zellfaserprodukte. Und nicht zuletzt hatte das Unternehmen auch unter einem starken Euro gegenüber vielen Währungen zu kämpfen.

Ergebnis unter den Vorjahren

Erst Anfang August bekräftigte der Konzern noch einmal, dass das Ergebnis 2018 unter dem der beiden "hervorragenden Vorjahre" liegen dürfte. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) hatte Lenzing 295 (2016) und 357 Millionen Euro (2017) verdient. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres lag der Wert bei 129 Millionen Euro. Dabei hatte Lenzing seine Umsätze mit 1,1 Milliarden Euro einigermaßen stabil gehalten.

Das Unternehmen und die Aktionäre bleiben also erst einmal in Wartestellung, bis erste Nachrichten eintrudeln, die zeigen, dass sich die Investition in Brasilien gelohnt hat.

AB