Kellogg: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Kellogg's knuspert nicht mehr

Stand: 10.10.2017, 11:45 Uhr

Jahrzehnte lang galt die Aktie von Kellogg als ein sogenanntes Witwen- und Waisenpapier mit verlässlich steigenden Kursen und Dividenden. Doch inzwischen scheinen die fetten Jahre vorbei. Das Unternehmen kämpft verzweifelt gegen den Niedergang.

Tatsächlich ist der Aktienkurs von Kellogg seit dem Hoch im Juli 2016 um fast 30 Prozent eingebrochen. In seiner Verzeiflung hat das Unternehmen Ende September einen neuen Chef berufen. Der 52-jährige Steven Cahillane, zuletzt Vorstandschef von Nature’s Bounty, einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, davor Vorstandsmitglied von Coca-Cola, leitet seit Anfang Oktober die Geschicke von Kellogg. Dort ersetzt er den glücklosen John Bryant, dem es nicht gelungen ist, den Umsatzrückgang und den Einbruch des Aktienkurses zu stoppen.

Bryant hatte zuvor noch beschlossen, den Rückkauf der eigenen Aktien auszuweiten. Statt 12 Millionen sollen bis Ende nächsten Jahres 17 Millionen Kellogg-Aktien zurückgekauft werden. Geholfen haben diese Maßnahmen bisher nicht. Auch der erst Ende September bekannt gewordene Chefwechsel hat den Niedergang des Aktienkurses bisher nicht aufhalten können.

Feindbild Zucker

Kelloggs-Produkte

Kelloggs. | Quelle: Unternehmen

Wie konnte es so weit kommen, dass die Titel des über 100 Jahre alten Cornflakeshersteller plötzlich derart in den Keller rauschen? Analysten erklären die Abkehr der Investoren mit den zunehmend veränderten Essgewohnheiten und der damit verbundenen Abkehr von allzu süßen Speisen, seitdem Ernährungsiwssenschaftler immer deutlicher auf die Gefahren übermäßgen Zuckerkonsums hinweisen. Und Zucker ist den meisten von Kellogg verkauften Produkten, allen voran den Cornflakes und anderen Müslis, reichlich enthalten.

In der Folge gehen die Umsätze zurück. Im zweiten Quartal schrumpften die Erlöse um 2,5 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn stagnierte bei 282 Millionen. Eine Entwicklung, die sich in den nächsten Monaten noch beschleunigen könnte. So berichtet Michael Lavery, Analyst bei der Investmentbank Piper Jaffray, dass die amerikanische Lebensmittelkette Kroger den Kellogg-Produkten weniger Platz in den Regalen einräumen will. Die Nachricht ist nicht unbedeutend, erzielt Kellogg doch rund acht Prozent seiner Umsätze in den USA in den Läden von Kroger.

Erweiterte Produktapalette

Überhaupt spürt der Konzern die derzeitige Anti-Zuckerwelle vor allem auf seinem Heimatmarkt USA, wo die Umsätze stärker zurückgehen als in Europa. Statt zu Corn Flakes oder Frosties greift der Amerikaner heutzutage lieber zu frischem Obst oder einem Smoothie. Um diesen schier unaufhaltsamen Trend zu kompensieren, hat sich Kelloggs immer breiter aufgestellt. Dazu gehört auch der Zukauf von Pringles vor einigen Jahren.

Inzwischen ist Kellogg der zweitgrößte Produzent von Keksen und Crackern, weltweite Nummer zwei der Snacks-Anbieter sowie in Nordamerika einer der führenden Hersteller von Tiefkühlprodukten. Diese Position werde Kellogg mit allen Mitteln verteidigen - und ausbauen. So glauben viele Experten, dass Kelloggs mit Hilfe neuer Akquisitionen auch die veränderten Essgewohnheiten "abdecken" wird.

371. Quartalsdividende

Sollten Anleger also erst einmal die Finger von der Aktie lassen oder aussteigen? Die Mehrheit der Experten rät derzeit das Papier zu halten. Viele Analysten verweisen zudem auf die Tatsache, dass Kellogg eines der wenigen Unternehmen ist, das seit Jahrzehnten ununterbrochen eine Dividende zahlt. Ende August erhielten die Anleger eine Quartalsdividende in Höhe von 54 US-Cents je Aktie - vier Prozent mehr als vor einem Jahr.

Dies ist die 371. Quartalsdividende, die der Konzern aus Battle Creek, Michigan, seit dem Jahr 1925 an seine Anteilsinhaber ausbezahlt hat. Auf das Gesamtjahr gesehen schüttet Kellogg 2,16 Dollar aus. Beim derzeitigen Börsenkurs von 61 Dollar entspricht dies einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent.

lg