Julius Bär: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Julius Bär, eine Bankaktie zum Kaufen?

Stand: 10.07.2018, 10:34 Uhr

Die Bankenbranche steht vor einem gewaltigen Umbruch. Entsprechend stehen die Aktienkurse vieler Häuser unter Druck - allen voran in Deutschland. Doch es gibt Ausnahmen, zum Beispiel in der Schweiz.

Zugegeben, auch mit der Julius Bär-Aktie ließ sich in diesem Jahr kein Blumentopf gewinnen. Die Aktie notiert derzeit in etwa dort wo sie zu Jahresbeginn schon einmal stand: bei rund 60 Franken. Im Vergleich zu den Großbanken wie der UBS und dem Credit Suisse ist das allerdings eine beachtliche Leistung, vom geldvernichtenden Kurs der beiden deutschen Großbanken gar nicht zu sprechen. Auf Jahressicht bringt es die Julius Bär-Aktie sogar auf ein Plus von 15 Prozent. Und mit einer Marktbewertung von 11,5 Milliarden Euro hat sie Deutschlands zweitgrößte Bank inzwischen hinter sich gelassen.

Wie machen die Zürcher das nur? Tatsächlich hat sich die Privatbank zu einem der meist gesuchten Vermögensverwalter etabliert. Die von der Gruppe verwalteten Vermögen beliefen sich per Ende April 2018 auf 401 Milliarden Franken, 13 Milliarden mehr als zum Jahresende 2017.

Mehr Vermögen, weniger Kosten

Damit schaffte das Institut einen Netto-Neugeldzufluss von gut drei Prozent. "Annualisiert", so die Bank, seien es gut fünf Prozent. Damit lag der Zufluss innerhalb der angepeilten Bandbreite von vier bis sechs Prozent der verwalteten Vermögen, verlangsamte sich aber gegenüber dem Anstieg im vergangenen Jahr (plus 6,6 Prozent). Starke Zuflüsse seien von Kunden aus der Schweiz, dem restlichen Europa sowie Asien verzeichnet worden. Die Bank profitiert zudem von der Aufwertung des Dollar, da 45 Prozent der Kundengelder in dieser Währung angelegt sind.

Glänzen kann Julius Bär auch mit einem nochmals verbesserten Kosten-Ertrags-Verhältnis von knapp unter 67 Prozent. Im Gesamtjahr 2017 hatte es noch bei 69 Prozent gelegen. Die im vergangenen November nach dem überraschenden Rücktritt des langjährigen Vorstandschef Boris Collardi geäußerte Befürchtung, die Bank werde nun Kunden und Berater verlieren, haben sich also nicht bestätigt.

Eine Milliarde Franken Gewinn

Bernhard Hodler, CEO Julius Bär Gruppe AG

Bernhard Hodler. | Bildquelle: Unternehmen

Der seit Ende November amtierende Vorstandschef Bernhard Hodler hat sich vorgenommen, den Überschuss in den kommenden Jahren kräftig zu steigern. Ein Gewinn von einer Milliarde Franken sei "ein Ziel, das ich während meiner Zeit als CEO erreichen will", sagte Hodler in einem Interview mit der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Im Geschäftsjahr 2017 erzielte Julius Bär einen bereinigten Gewinn von 806 Millionen Franken.

In Asien, allen voran in Hongkong und Singapur, fährt die Bank einen Expansionskurs, um deutlich mehr Geld von den dortigen Neureichen einzusammeln als bisher. So soll die Bank seit Anfang Juni in Singapur im nagelneuen Prestigebau Marina One eine ganze Etage angemietet haben. Sie bietet Platz für tausend Angestellte – derzeit beschäftigt Julius Bär dort 800 Personen.

Warten auf neue Impulse

Auch in Europa will das Institut weiter wachsen , vor allem mit Hilfe von Übernahmen. "Wenn es etwas Interessantes gibt, dann werden wir es machen", sagte Bär-Europachef Yves Robert-Charrue der Nachrichtenagentur Reuters. In den vergangenen Jahren war die Bank in Europa über eine Mischung aus kleineren Zukäufen und neuen Kundenberatern gewachsen. Wenn diese den Arbeitgeber wechseln, dann folgt ihnen für gewöhnlich auch ein Teil ihrer Kunden.

Gebäuder der Julius Bär Bank

Julius Bär Bank. | Bildquelle: Unternehmen

Wie geht es nun weiter mit der Aktie von Julius Bär? Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 ist das Papier zwar nicht mehr besonders günstig, aber auch nicht überteuert. Allerdings scheinen derzeit die Impulse für eine nachhaltige Höherbewertung zu fehlen. Die könnte es am 23. Juli geben, wenn die Bank ihre Halbjahreszahlen vorstellen will.

Analysten mehrheitlich für "Halten"

Die Analysten von Morgan Stanley halten die Aktie auf ihrem derzeitigen Niveau bei rund 60 Franken fair bewertet. Die prognostizierte Entwicklung der Bank sei bereits eingepreist, wesentliche Kursgewinne erst einmal nicht zu erwarten.

Die 21 wichtigsten Analysten, die das Bankhaus verfolgen, sind überwiegend positiv gestimmt. Allerdings empfehlen derzeit nur neun Experten den Kauf der Aktie. Zwölf halten sie auf dem derzeitigen Niveau für fair bewertet. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 65,6 Franken, was aus heutiger Sicht einem Potenzial von knapp zehn Prozent entspricht.

lg