Hypoport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages Hypoport: Ist das Kurspotenzial ausgeschöpft?

Stand: 09.06.2020, 13:04 Uhr

Der Finanzdienstleister Hypoport ist längst zu einem der Stars der Fintech-Branche geworden. Der Pandemie-Kursknick ist mehr als wettgemacht, das Management verspricht rasantes Wachstum. Trotzdem wird die Distanz zum frischen Rekordhoch langsam größer.

In der vergangenen Woche markierte die Aktie bei 423,50 Punkten ein Rekordhoch. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate hat Hypoports Börsenwert um mehr als 90 Prozent zugelegt. Aktuell liegen die seit 2015 im SDax gelisteten Papiere des Berliner Finanzdienstleisters aber wieder deutlich unter 400 Euro.

An die Börse ist das Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss von Dr. Klein & Co und der Europace AG entstand, im Jahr 2007 gegangen. Die Erstnotiz lag damals bei etwas mehr als 15 Euro. Wer damals dabei war, kann sich über mangelnde Rendite nicht beklagen. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei rund 2,5 Milliarden Euro. Das ist immerhin fast die Hälfte des Börsenwerts der Commerzbank.

Rasantes Wachstum

Hypoport gehört zu den Unternehmen, die auf dem noch immer recht frischen Markt der Fintechs agieren. Die Hypoport-Gruppe ist ein Netzwerk von Technologieunternehmen für die Kredit- & Immobilien- sowie Versicherungswirtschaft. In vier internetbasierten Segmenten ist Hypoport als Online-Vermittler tätig. Es gibt eine Kreditplattform, ein Privatkunden-Segment, eine Immobilienplattform und eine Versicherungsplattform.

Und das Geschäft läuft prächtig: Im ersten Quartal legte der Umsatz um 28 Prozent auf 100,6 Millionen Euro zu. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 8,0 Millionen Euro und damit 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Hypoport-Chef Ronald Slabke

Hypoport-Chef Ronald Slabke. | Bildquelle: Unternehmen

Die Prognose sieht trotz Corona ebenfalls vielversprechend aus. Der Umsatz soll im laufenden Jahr auf 400 Millionen bis 440 Millionen Euro zulegen. Das entspräche einem Wachstum zwischen rund 19 und knapp 31 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte der Umsatz 337 Millionen Euro betragen. Vorstandschef Roland Slabke verwies vor dem Hintergrund der Corona-Krise darauf, dass die Kredit-, Wohnungs- und Versicherungswirtschaft "recht autark gegenüber kurzfristigen Konjunkturentwicklungen" sei.

Große Bandbreite der Expertenmeinungen

Die Frage ist allerdings, ob in den aktuellen Kursen nicht schon das wesentliche Aufwärtspotenzial eingepreist ist. Analyst Simon Bentlage von der Privatbank Hauck & Aufhäuser hat nach den jüngsten Geschäftszahlen Anfang Mai seine Verkaufsempfehlung bestätigt und sieht das Kursziel bei 160 Euro. "Der Geschäftsbericht sollte den nachrichtlichen Höhepunkt für den Finanzdienstleister und dessen Aktien markieren", so Bentlage. Wegen enttäuschender Zahlen der Versicherungsplattform und dem nachlassenden Wachstum des Immobiliendarlehensmarktes sei die Aktienbewertung in aktueller Höhe nicht gerechtfertigt, findet der Fachmann.

Gerhard Orgonas, Branchenbeobachter der Privatbank Berenberg, hat das Kursziel dagegen nach den Zahlen von 340 auf 390 Euro angehoben und empfiehlt, die Aktie zu kaufen. Die guten Zahlen des ersten Quartals seien ein Beweis für die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells des Finanzdienstleisters, schrieb der Analyst.

ts