Target Corp: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Höhenflug der Target-Aktie vorerst gestoppt

Stand: 20.11.2018, 17:10 Uhr

2018 war bisher ein gutes Jahr für die Aktionäre von Target. Nachdem der amerikanische Einzelhändler jahrelang eher weniger an der Börse gefragt war, schwamm er seit Januar auf einer Erfolgswelle. Die aktuellen Quartalszahlen sorgen allerdings für einen Einbruch.

Target Shop

Target. | Bildquelle: Unternehmen

Target gilt als amerikanisches Traditionsunternehmen. Die 1902 gegründete Firma mit Sitz in Minneapolis ist die Nummer zwei auf dem US-Einzelhandelsmarkt. Die Kaufhauskette verkauft Lebensmittel, Haushaltswaren, Bekleidung, Möbel, Elektrogeräte und Körperpflegeprodukte in knapp 1.800 Geschäften in den USA und Kanada und über das Internet. Oft sind einzelne Bereiche der Ladenflächen an kleine Läden wie Bäckereien, Fotogeschäfte oder Banken untervermietet.

Platzhirsch Walmart bleibt auch weiterhin an der Spitze. Der US-Händler blickt nach einem starken dritten Quartal optimistisch auf das Weihnachtsgeschäft. In den drei Monaten bis Ende September stiegen die Umsätze im wichtigen US-Markt um 3,4 Prozent. Damit übertraf der Einzelhandelsriese die Erwartungen. Insgesamt stiegen die Erlöse um 1,4 Prozent auf 124,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieben 1,7 Milliarden Dollar übrig, rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

Schwierige Lage 2017

Das vergangene Jahr war für Target zum Vergessen. Der Umsatzrückgang von sechs und der Gewinnrückgang von 19 Prozent gegenüber 2016 zeigte, wie schwierig die Lage des Unternehmens war. Grund für die schwache Entwicklung war das immer dominanter werdende Online-Shopping - speziell durch die Erfolgsgeschichte von Amazon.

Der Konzern aus Seattle übertraf Target bereits im Jahr 2013 im Umsatz. Seitdem haben sich Erlöse von Amazon fast verdoppelt, während sich die von Target sogar leicht rückläufig entwickelten. Auch der Aktienkurs büßte 2017 zeitweise über ein Drittel seines Wertes ein.

Trendwende 2018

Dann profitierte Target jedoch von einer sehr erfolgreichen Weihnachtszeit und konnte im vierten Quartal überraschend stark abschneiden. Die Meldung leitete die Trendwende an der Börse ein. Seit Jahresbeginn ging es fast kontinuierlich nach oben. Vor eineinhalb Wochen kostete das Papier rund 77 Euro - ein Anstieg von über 37 Prozent gegenüber dem Januar und der höchste Stand seit über drei Jahren.

Target bot selbst dem Riesen Amazon die Stirn. Besonders der Anstieg von Kundenzahlen beeindruckte offenbar die Anleger. Besonders die Ergebnisse des zweiten Quartals enthielten vielversprechende Nachrichten, da die Kundenzahl um 6,4 Prozent wuchs: Das beste Ergebnis seit über einem Jahrzehnt. Auch andere große Einzelhändler verzeichneten ein Wachstum, jedoch nicht auf ein so hohem Niveau. Walmarts Kundenzuwachs lag im zweiten Quartal bei 2,2 Prozent, Costcos vergleichbarer Wert lag bei 5,0 Prozent.

Doch es gab auch einige Rückschläge. Die Gewinne des Einzelhändlers gerieten aufgrund einer aggressiveren Preisstrategie in Verbindung mit den teuren Maßnahmen, den E-Commerce-Umsatz auszuweiten, erheblich unter Druck. Infolgedessen sank die Bruttomarge in den letzten zwei Quartalen und das Betriebsergebnis sank von 2,25 Milliarden Dollar (6,9 Prozent) auf 2,17 Milliarden Dollar (6,4 Prozent).

Höheres Kursziel

Der Analyst Oliver Chen von "Cowen and Company's Equity Research" wertete die Aktie Anfang November sogar von Market Perform auf Outperform auf und hob sein Kursziel um 10 auf 100 Dollar an. Seiner Meinung nach profitierte Target vom Vertrauen der Verbraucher in den USA, gestützt durch höhere Löhne und niedrige Arbeitslosigkeit. Im Oktober sind insgesamt die Umsätze des amerikanischen Einzelhandel deutlich um 0,8 Prozent gestiegen.

Obwohl die Tarife im Einzelhandel weiterhin ein Problem darstellten, könne Target den Margendruck durch Verhandlungen mit Anbietern und Lieferanten umgehen und die Preise erhöhen. Neben Amazon und Walmart sei Target eine von drei "Supermächten", die die Zukunft des Einzelhandels dominieren werden.

Target kann traditionell beim Thema Dividende punkten. Der Konzern hatte im September für das dritte Quartal eine Dividende von 0,64 Dollar je Aktie angekündigt. Damit schüttet das Unternehmen 205 Quartale in Folge eine Dividende aus.

Einbruch in den vergangenen Tagen

Seit dem Jahreshoch am 8. November verliert der Titel von Target jedoch rasant an Wert. In der vergangenen Woche hatten Hacker versucht, über den Twitter-Account von Target an Bitcoins zu kommen. Am Dienstag fiel die Aktie dann im frühen Handel um zeitweise elf Prozent. Die neuesten Quartalszahlen enttäuschten Experten und Anleger. Der Same-Store-Umsatz, das wichtigste Barometer für die Wertentwicklung eines Einzelhändlers, stieg im dritten Quartal um 5,1 Prozent und lag damit unter der Schätzung der Analysten von 5,2 Prozent. Das Unternehmen erwartet, dass die Kennzahl im letzten Quartal weiter sinken und bei etwa fünf Prozent liegen wird.

Zudem lag die Bruttomarge von 28,7 Prozent deutlich unter der Schätzung von 29,6 Prozent. Die Investitionskosten für Zustellung und E-Commerce stiegen weiter, gepaart mit Lohndruck und Umbau von Geschäften. Die Anleger hatten sich vermutlich keine Sorgen über die engeren Margen gemacht, als das Wachstum noch groß war - aber die Geduld wird nun anscheinend geringer.

Weihnachtsgeschäft könnte entscheidend sein

Wie üblich wird für die Zukunft viel davon abhängen, wie gut der Einzelhändler im brutal umkämpften Weihnachtsgeschäft abschneidet. Trotz des Gewinnausfalls hielt Target seine Prognose für das Gesamtjahr aufrecht und sagte, es sei "für diese Weihnachtszeit besser aufgestellt als je zuvor". Die Spielzeugabteilungen werden in mehr als 500 Geschäften ausgebaut und Target bietet einen zweitägigen kostenlosen Versand von Tausenden von Artikeln an.

Es geht um viel, da nach dem Konkurs der Sears Holding Corp. und dem Untergang von Toys „R“ Us und anderen Ketten ein Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar zu gewinnen ist. Zwar stiegen die Verkäufe im Internet im Quartal um 49 Prozent, aber diese Erlöse reduzierten die Margen. Target hat keine andere Wahl, als weiter in E-Commerce zu investieren.

tb