Aktie des Tages

Von Geldgier und Geltungssucht Herbalife: Schlacht der Wall-Street-Titanen

Stand: 11.09.2013, 10:15 Uhr

Anleger weltweit reiben sich ob der bizarren Finanzfehde um den Diät-Shake-Hersteller Herbalife verwundert die Augen. Die Darsteller: Carl Icahn, George Soros und Bill Ackman. Ihr Einsatz: Milliarden. Der Unterhaltungswert: extrem hoch.

"Ich habe genug von diesem Typ Ackman", zischt Carl Icahn. "Er ist eine Heulsuse." Ackman keift zurück: "Das ist kein ehrlicher Kerl, und er ist kein Mann, der sein Wort hält." Solche Worte fallen sonst in Seifenopern. Doch dieser legendäre Schlagabtausch hat in einer CNBC-Börsensendung stattgefunden. Sehen Sie hier das Video.

Selten zuvor ist ein Streit zwischen milliardenschweren Zockern so eskaliert wie in diesem Fall. Wie konnte es nur so weit kommen? Die Schlammschlacht der Spekulanten nahm ihren Anfang auf einer Investorenkonferenz in Manhattan am 20. Dezember 2012.

 Bill Ackman

Bill Ackman. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Illegales Pyramidensystem?

Dort zerlegte Bill Ackman, Manager des Hedgefonds Pershing Square, genüsslich das Herbalife-Geschäftsmodell: Das globale Vertriebsnetz sei ein Lügengebilde, "das am besten gemanagte Schneeballsystem in der Geschichte der Menschheit", giftete Ackman.

Herbalife verkauft Pflege- und Diätprodukte weltweit über ein Netzwerk von selbstständigen Vertriebskräften - ähnlich wie der Kosmetikhersteller Avon. Doch Ackman glaubt, dass die Vertreiber vor allem damit Geld verdienen, dass sie neue Vertreiber anwerben und ihnen Produkte verkaufen, anstatt Erlöse im Kundengeschäft zu erzielen.

Herbalife habe ein illegales Pyramidensystem errichtet, der Kurs dürfte daher auf null fallen, das Unternehmen müsse Insolvenz anmelden, so Ackmans Prognose. Da erschien es nur folgerichtig, dass der Hedgefonds-Manager 20 Millionen Herbalife-Aktien (Wert: rund 1 Milliarde Dollar) leer verkaufte.

Alle gegen Ackman

Zunächst schien Ackmans Wette auch aufzugehen. Bis, ja bis George Soros einstieg und Herbalife öffentlich verteidigt. Zu allem Überdruss sieht sich Ackman mittlerweile auch noch dem einzigen Wall-Street-Mann gegenüber, der noch reicher als Soros ist: Carl Icahn, dessen Vermögen auf 20 Milliarden Dollar geschätzt wird.

Carl Icahn

Carl Icahn

Der Großinvestor und Multimilliardär hat zuletzt durch seinen Machtkampf mit Michael Dell an der Börse für Aufsehen gesorgt. Der 77-Jährige ist für sein aggressives Finanzgebaren bekannt. Die Übernahme der US-Fluggesellschaft TWA 1985 machte ihn so berühmt, dass ihn Oliver Stone gar als Vorbild für den Spekulanten Gordon Gekko in dem Film "Wall Street" wählte. Bekanntester Spruch: "Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund."

Icahn besitzt 16,5 Prozent der Herbalife-Anteile. Laut CNBC dürfte Soros' Herbalife-Position so groß sein, das sie zu seinen drei größten Investments zählt. Zusammen dürften die beiden Ackman-Gegenspieler somit rund ein Fünftel an Herbalife halten.

Porträt George Soros

George Soros. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mehr als ein halbes Jahr nach ihrem Auftakt hat die Herbalife-Geschichte immer noch kein Ende gefunden. Die Kontrahenten ergehen sich in einem Kleinkrieg, in dem nicht immer der Anstand gewahrt wird. Die scheinbar unendliche Herbalife-Saga wirft ein Schlaglicht auf eine Welt, in der es eben nicht nur um Geldgier, sondern auch um Geltungssucht und Eitelkeit geht. Wie dieses Drama ausgehen wird, vermag momentan keiner zu sagen.

Nur zuschauen, nicht selbst investieren?!

Fakt ist: Bill Ackman ist kein dummer Junge. Und er dürfte gute Gründe für seine Short-Wette haben. Immerhin wurde Herbalife in Belgien schon 2011 wegen eines illegalen Pyramidensystem verurteilt.

Andererseits sind Ackmans Gegenspieler so mächtig, dass er dennoch scheitern könnte. Die Aktien-Performance in diesem Jahr spricht bislang klar für das Investmentgespür von Soros und Icahn: Die Herbalife-Aktie hat Kursgewinne von mehr als 70 Prozent angehäuft.

Privatanlegern, denen es bei dieser Performance in den Fingern juckt, sollten jedoch eines bedenken: Sollte Ackman doch noch der Beweis gelingen, dass Herbalife ein illegales Pyramidensystem errichtet hat, dann sollte man in dieser Aktie besser nicht engagiert sein.

ag