Video

Aktie des Tages GoPro: Totgesagte leben länger

Stand: 04.08.2017, 09:32 Uhr

Was macht eigentlich der Helmkamerahersteller GoPro? Er hat die Billigkonkurrenz aus Fernost überlebt und gibt sich erstaunlich vital - zumindest im zweiten Quartal.

Zur Überraschung seiner Fangemeinde und der meisten Analysten hat GoPro im zweiten Quartal seinen Umsatz um 34 Prozent auf 297 Millionen Dollar gesteigert. Die wenigen Experten, die das Unternehmen noch beobachten, hatten einen Umsatz von 269 Millionen Dollar prophezeit.

Gleichzeitig schafft es GoPro seinen Verlust von 72,6 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres auf jetzt 12,9 Millionen Dollar zu reduzieren. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte sogar auf 5,12 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr war noch ein Verlust von 76,8 Millionen Dollar angefallen.

Aktie macht Freudensprung

Drohne mit GoPro-Kamera vor blauem Himmel

Drohne mit GoPro-Kamera. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Für die Aktionäre von GoPro sind die Zahlen wie Balsam auf die geschundene Seele. Die Aktie machte im nachbörslichen New Yorker Handel einen Freudensprung von 13 Prozent, nachdem das Papier in diesem Jahr weiter schwächelte und zuletzt auf 8,26 Dollar gefallen war - nach 93 Dollar vor drei Jahren.

Zu der überraschenden Wende im Frühjahr haben mehrere Faktoren beigetragen. Trotz der Billigkonkurrenz aus Fernost ist es GoPro gelungen, 18 Prozent mehr Kameras zu verkaufen als vor einem Jahr. Besonders gut lief das Geschäft in Japan. Aber auch in den USA stieß das neueste Kameramodell Hero 5 Black auf großes Interesse der Käufer. Besonders hochpreisige Modelle von 300 Dollar und mehr kamen gut an: die Umsätze stiegen um 13 Prozent.

Gleichzeitig erntet GoPro die Früchte der drastischen Sparmaßnahmen. So wurden besonders die Lagerkosten um 39 Prozent gesenkt, der Verkauf der Kameras außerhalb der USA ausgebaut auf inzwischen über 50 Prozent.

Keine nachhaltige Wende erwartet

GoPro HERO5 Black

GoPro HERO5 Black. | Bildquelle: Unternehmen

Dennoch dürften sich die im Frühjahr verzeichneten Wachstumsraten und Ergebnisverbesserungen zunächst nicht fortsetzen. Das Unternehmen erwartet im laufenden dritten Quartal ein Umsatz von rund 300 Millionen Dollar, plus, minus zehn Millionen. Das bedeutet eine Stagnation gegenüber dem Vorquartal. Auch das Ergebnis je Aktie wird nach Angaben von GoPro erneut eine "schwarze Null" erreichen. Eine nachhaltige Trendwende sieht anders aus.

Die meisten Analysten bleiben daher skeptisch. “Wir sind weiterhin überzeugt, dass es GoPro mit seinem derzeitigen Produktangebot nicht gelingen wird, das Unternehmen auf einen nachhaltigen Wachtumspfad zu bringen", erklärt Tavis McCourt, Analyst bei dem Researchhaus Raymond James.

Auch die als Hoffnungsträger bezeichnete Drohne "Karma" habe sich nicht so gut verkauft wie erhofft. Zwar blieben die Kameras von GoPro besonders bei Extremsportlern beliebt, doch sei die Nachfrage nach solchen Helmkameras insgesamt rückläufig, der einstige Hype vorbei. Langfristig orientierte Anleger sollten also weiter die Finger von der GoPro-Aktie lassen.

lg