Gea: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie durch Kundenprobleme belastet Gea: Die Milch macht's nicht

Stand: 23.05.2018, 10:23 Uhr

Was hat der aktuelle Preis für Milch in Neuseeland mit dem Anlagenbauer aus Düsseldorf zu tun? Eine Menge, wie man an einer aktuellen Gewinnwarnung aus der Molkerei-Branche sieht. Die Gea-Aktie im MDax reagiert am Mittwoch jedenfalls negativ.

Mit einem Verlust von rund einem Prozent hielt sich das Kursminus zwar noch in Grenzen, laut Händlern reagierten Gea-Anteilsscheine aber "sehr sensibel" auf Nachrichten aus der Branche, die das Unternehmen beliefert.

Chinas Milchdurst treibt die Preise

Einsame Kuh auf einer leeren Weide

Sag mit wo die Bullen sind. | Bildquelle: colourbox.de

Einer der wichtigsten Kunden in der Milchwirtschaft ist der neuseeländische Konzern Fronterra. Der größte Arbeitgeber des Landes ist aus einer Genossenschaft von mehr als 10.000 Milchfarmern hervorgegangen und bildet die Schnittstelle zwischen zwischen Produzenten und Konsumenten. Dies geht übrigens weit über Neuseeland hinaus. Denn eine erhöhte Nachfrage nach Milch und Milchprodukten aus dem Absatzmarkt China hat die Milchpreise im Herstellerland Neuseeland anziehen lassen.

Fronterra begrüßte am Donnerstag in einem Statement zwar die langfristig positiven Effekte der steigenden Preise für die Milchbauern. Auf die Gewinnbilanz des Konzerns hat dies jedoch erst einmal negative Effekte: Sowohl der Gewinn je Aktie als auch die Dividende für das laufende Jahr werden wohl deutlich niedriger ausfallen als gedacht. Damit aber fallen die Möglichkeiten, in neue Anlagen und Maschinen zu investieren, ebenfalls kleiner aus - und das wiederum könnte sich negativ auf die Auftragslage von Gea auswirken.

Zu stark auf Milchwirtschaft konzentriert?

Gea-Group-Chef Jürg Oleas

Gea-Group-Chef Jürg Oleas. | Bildquelle: Unternehmen

Zurückhaltende Investitionsbereitschaft aus der Milchindustrie hatten bereits die Bilanz des Konzerns zum ersten Quartal belastet. Rund ein Drittel der Aufträge bei Gea kommt aus der milchverarbeitenden Industrie. Eine Konzentration, die offenbar auch einigen Anteilseignern zuletzt nicht schmeckten. Der langjährige Gea-Chef Jürg Oleas hatte nach zwei Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr seinen Rückzug für 2019 angekündigt. Oleas war zuletzt von einigen Großaktionären kritisiert worden. Zu den größten Aktionären von Gea gehören das Kuwait Investment Office, Blackrock, MFS Investment Management, der Investor Albert Frère sowie der US-Hedgefonds Elliott. Investoren fordern einen raschen Kurswechsel. Margenschwache Geschäfte des überwiegend für die Nahrungs- und Getränkeindustrie produzierenden Anlagenbauers müssten abgestoßen und die Kosten gesenkt werden, so die Forderungen.

Aktie für Risikobereite

Die Aktie von Gea hatte in den vergangenen Monaten bereits stark unter den schlechteren Geschäftsergebnissen und Ausblicken gelitten. Ob der Titel auf dem derzeitigen Niveau einen Boden gefunden hat, dürfte abzuwarten sein. Risikobereitere Anleger könnten auch angesichts der inzwischen ordentlichen Dividendenrendite von 2,7 Prozent zu ersten Einstiegen neigen. Analysten von Mainfirst halten den Titel am Mittwoch trotz der schlechten Nachrichten von Fronterra für einen "Outperformer" in den kommenden Monaten. Ihr Kursziel haben sie allerdings von 50 auf 40 Euro reduziert.

AB