Freenet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

Aktie des Tages Freenet: Warten auf bessere Zeiten

Stand: 03.07.2019, 11:41 Uhr

Die Aktionäre des Mobilfunkanbieters Freenet brauchen weiterhin starke Nerven. Nach dem heftigen Absturz im vergangenen Jahr erwies sich auch die Erholung in den ersten Monaten dieses Jahres als Strohfeuer. Wie könnte es nun weitergehen?

An der Ersteigerung der 5G-Frequenzen beteiligte sich Freenet nicht. Das sei zu teuer, hatte Firmenchef Christoph Vilanek vor Beginn der Auktion mitgeteilt. Denn der Aufbau eines neuen Netzes für den superschnellen 5G-Standard werden viele Milliarden Euro verschlingen.

"Wir haben unseren Aktionären ein Versprechen gegeben: hohe Ausschüttungen, niedrige Kapitalinvestitionen, keine Infrastruktur. Wenn ich das konsequent leben will, kann ich keine Kehrtwende machen und 5G-Frequenzen kaufen", verriet Vilanek der Zeitschrift "Euro am Sonntag".

Aktie leidet unter 5G-Auktion

Freenet-Chef Christoph Vilanek

Freenet-Chef Christoph Vilanek. | Bildquelle: picture alliance/Horst Galuschka/dpa

Dennoch hat die Aktie wie die der Konkurrenten Drillisch und Telefonica Deutschland unter den Folgen der langwierigen und tatsächlich sehr teuren Auktion der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard gelitten. Denn die finanziellen Folgen der Versteigerung für die im internationalen Vergleich kleineren Mobilfunkanbieter bleiben unklar.

Das gilt auch für Freenet, das keine eigene Netzinfrastruktur hat und auf die Angebote von Konkurrenten wie 1&1 Drillisch zurückgreifen muss. Das MDax-Unternehmen zahlt nach eigenen Aussagen jährlich zwischen ein und zwei Milliarden Euro an die Netzbetreiber und beteiligt sich damit auch am Netzausbau. Nun befürchten Experten, dass sich das Netzentgelt für Freenet erhöhen könnte, was wiederum die Rentabilität belasten werde.

Enttäuschendes Quartal

Analysten zufolge leidet Freenet auch unter der im Juli 2018 für 277 Millionen Euro erworbenen Beteiligung (9,1 Prozent) am Elektronikhändler Ceconomy, haben sich doch dessen Marken Saturn und Media Markt bisher weniger gut entwickelt als erhofft.

Enttäuschend verlief auch das erste Quartal. Weder beim Umsatz noch beim operativen Ergebnis konnte Freenet in dieser Zeit einen Zuwachs verzeichnen. Der Umsatz stieg lediglich um 300.000 Euro auf 689,9 Millionen Euro. Das ohnehin kleine Erlösplus im Mobilfunk wurde von der schwachen Entwicklung im Segment TV und Medien mehr als aufgezehrt.

Keine Besserung in Sicht

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte von 96,8 auf 107,9 Millionen Euro vor allem dank neuer Bilanzierungsvorschriften, die sich mit 11,4 Millionen positiv bemerkbar machte. Ohne diesen Effekt wäre das operative Ergebnis praktisch unverändert geblieben.

Aussichten auf Besserung gibt es derzeit keine. Firmenchef Vilanek rechnet für das Gesamtjahr mit einer Stagnation. Vom Mobilfunk komme kein Wachstum, weil die Preise unter Druck stünden und die Kosten stiegen. Dies werde zwar durch das Lifestylegeschäft und Einsparungen ausgeglichen, die eigene Internetfernsehplattform Waipu stecke noch in der Investitionsphase.

Mobilcom Debitel-Shop

Freenet. | Quelle: Unternehmen

Waipu hatte 2018 einen Verlust von 15 Millionen Euro erwirtschaftet. Im laufenden Jahr sollen es zehn Millionen Euro sein. Und Ceconomy werde nicht vor 2020 Ergebnisbeiträge liefern, so Vilanek. Damit liefert der Unternehmenschef selbst keinen Grund, die Aktie zum jetzigen Zeitpunkt zu kaufen.

Gespaltene Analysten

Die Analysten sind mehrheitlich skeptisch, was die Beurteilung des Unternehmens angeht. Allerdings fallen die Einschätzungen höchst unterschiedlich aus. Während Goldman Sachs den fairen Wert der Aktie auf 15 Euro schätzt und empfiehlt, sie zu verkaufen, sind andere Experten deutlich zuversichtlicher.

So hat das Analysehaus Kepler Cheuvreux kürzlich das Kursziel für Freenet von 21 auf 20 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf "Buy" belassen. Nach dem geringeren Zuwachs bei den Mobilfunkverträgen im ersten Quartal müsse das Unternehmen beweisen, dass sich die Fokussierung auf Premiumkunden auszahle, schrieb Analyst Martin Jungfleisch. Grundsätzlich weise Freenet aber stabile Geschäfte mit attraktiven Renditen auf.

lg