Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre

Aktie des Tages Facebook: Braut sich da was zusammen?

Stand: 21.02.2018, 09:33 Uhr

Hasskommentare, Fake News, Datenraub: Nie zuvor stand Facebook so sehr unter Druck wie derzeit. Trotzdem legten Umsatz und Gewinn zuletzt weiter zu. Doch damit könnte es schon bald vorbei sein.

Seit einem halben Jahr ähnelt der Aktienkurs von Facebook mehr einem zerklüfteten Gebirge als einem geradlinigen Pfad. Auf Hochs folgen Tiefs, Freudensprünge werden umgehend zu Gewinnmitnahmen genutzt, mit der Folge, dass der Titel auf einen Zeitraum von sechs Monaten betrachtet kaum noch von der Stelle kommt. In Euro gerechnet ist die Facebook-Aktie heute in etwa soviel wert wie Anfang September. Schlimmer noch: Seit dem Hoch am ersten Februar bei 193 Dollar kennt der Kurs nur noch eine Richtung: nach unten.

Ist der Hype um die Facebook-Aktie mit jährlichen Wachstumsraten von 40 Prozent jetzt vorbei? Tatsächlich mehren sich die Anzeichen für ein geringeres Wachstum als in der Vergangenheit. So ist im vierten Quartal die Zahl der täglich aktiven Nutzer (daily active users, DAUs) in den USA und Kanada gesunken - zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens. Eigenen Angaben zufolge sank sie von 185 Millionen auf 184 Millionen. In Europa, ist sie nur leicht um drei Millionen auf 277 Millionen gestiegen. Der Großteil des weltweiten Wachstums um 14 Prozent auf 1,4 Milliarden kommt aus Asien und Afrika.

Rückgang der täglich aktiven Nutzer

Der Rückgang der täglich aktiven Nutzer in den westlichen Ländern ist ein ernsthaftes Problem, gehören sie doch zu den größten Geldbringern des Netzwerks: So belief sich der durchschnittliche Umsatz pro User (average revenue per user, ARPU) in den USA zuletzt auf 26,76 Dollar. Sollte also diese besonders von Analysten mit Argusaugen beobachtete Größe sinken, wird auch das Wachstum von Facebook einen empfindlichen Dämpfer bekommen.

Gleichzeitig mehren sich die Hinweise, dass die 18- bis 24-jährigen Amerikaner und Europäer sich zunehmend von Facebook abwenden und statt zu Instagram zu wechseln, das ebenfalls zu Facebook gehört, nun vermehrt zum Wettbewerber Snap abwandern. Zwar sind die Studien nicht neu, die eine Vergreisung des sozialen Netzwerks vorhersagen, doch diesmal scheinen die Vorhersagen ernster zu sein als zuvor.

Immer weniger Junge?

So prognostizieren die Fachleute des Marktforschungsinstituts eMarketer, dass die Zahl der jungen User in diesem Jahr tatsächlich sinken dürfte. Bei den unter 12-Jährigen wird ein weltweiter Rückgang um 9,3 Prozent prognostiziert, bei den 12- bis 17-Jährigen um 5,6 Prozent und bei den 18- bis 24-Jährigen um 5,8 Prozent. Diese Entwicklung ist umso gefährlicher, als sich gleichzeitig viele junge User zunehmend von den Werbeanzeigen auf Facebook genervt zeigen. Doch genau diese Anzeigen sichern dem Unternehmen die Existenz.

Somit steckt Facebook in einer ernsthaften Zwickmühle. Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg scheint die Probleme erkannt zu haben. Statt wie in früheren Jahren neue Pläne zu verkünden, wie alle US-Bundesstaaten zu bereisen oder Mandarin zu lernen, versprach er in seiner diesjährigen Neujahrsbotschaft, sowohl stärker gegen Hasskommentare und Beleidigungen vorzugehen, als auch das Wachstum des Netzwerks voranzutreiben.

Zuckerberg müht sich

Zuckerberg setzt darauf, die "Qualität" der Nutzer anzuheben, und mit ihnen mehr Geld zu verdienen, nach dem Motto "weniger ist manchmal mehr". Ob die Rechnung aufgeht, werden die kommenden Quartalsberichte zeigen. Noch äußern sich die meisten Analysten optimistisch zu den Zukunftsaussichten des Unternehmens. Sie erwarten im Mittel einen Gewinnanstieg um 65 Prozent bis Ende nächsten Jahres, auf dann neun Dollar pro Aktie.

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Angsichts solcher Wachstumsraten erscheint die Facebook-Aktie bei einem derzeitigen KGV von 24 noch nicht zu teuer. Dennoch besteht die Gefahr, dass die Kosten der angekündigten Umbauten schneller steigen als die Einnahmen - und damit die Marge in den Keller drücken. Diese Gefahr spüren derzeit auch viele Anleger, wie das nervöse Auf und Ab der letzten Wochen belegt.

lg