Evonik: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Evonik in schwierigem Fahrwasser

Stand: 08.02.2019, 15:41 Uhr

Mit Chemie-Aktien erlitten Anleger in den letzten Monaten herbe Verluste. Auch bei Evonik stimmt die Chemie nicht mehr - trotz solider Zahlen. Der Konzern entstand aus der Degussa Hüls AG, die heute vor 20 Jahren an die Börse ging.

Als Hauptsponsor von Borussia Dortmund hat der Evonik-Konzern derzeit seine helle Freude mit dem Favre-Team. Der BVB führt seit Wochen die Tabellenspitze der Bundesliga an und hat beste Chancen auf den Meistertitel.

Bei Evonik hingegen geht es hingegen momentan gar nicht meisterlich zu - zumindest an der Börse. Die Aktie des einst so stolzen Spezialchemiekonzerns ist in den letzten knapp fünf Monaten regelrecht abgestürzt. Von 32,66 Euro rauschte der MDax-Titel auf ein Rekordtief von 21,66 Euro Anfang Januar. Seither hat sich der Kurs zwar etwas berappelt, bleibt aber angeschlagen.

Charttechnisch angeschlagen

Evonik: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26,70
Differenz relativ
+0,38%

Charttechniker sind skeptisch. Die Aktien könnten jederzeit wieder nach unten abdrehen und die Abwärtsbewegung neu aufnehmen, meint Experte Alexander Paulus von "Godmode Trader". Mittelfristig droht seiner Einschätzung nach ein Rutsch in Richtung 16 Euro. Nur bei einem Sprung über 24,80 Euro würde sich das Chartbild wieder aufhellen.

Auch einige Analysten sehen den Spezialchemie-Titel kritisch. Vor wenigen Tagen hat die US-Investmentbank Goldman Sachs das Kursziel von 24,20 auf 23,10 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Die Schweizer Großbank UBS empfiehlt die Aktie zu verkaufen ("Sell") mit einem Kursziel von 21 Euro. Er bleibe bei Chemiesektor-Werten aus der Eurozone defensiv, schrieb Analyst Andrew Stott in einer Branchenstudie.

Chemiekonjunktur hat sich eingetrübt

Tatsächlich hat sich das Bild für die deutsche Chemieindustrie eingetrübt. Nach einem guten ersten Halbjahr habe die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte deutlich nachgelassen, erklärte Hans van Bylen, Präsident des Verbands der Chemie-Industrie (VCI) kurz vor Weihnachten. Als Belastungsfaktoren nannte er den Handelskonflikt zwischen den USA und China, den Nachfragestau in der Autoindustrie und das monatelange Niedrigwasser im Rhein, das die Anlieferung von Vorprodukten oder den Abtransport von Waren erschwerte. Lediglich Preiserhöhungen und die rasant gestiegene Nachfrage nach Pharmawirkstoffen sorgten für ein Umsatz-Wachstum.

Für 2019 rechnet der Branchenverband VCI  mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent. Wenn größere Rückschläge ausblieben, könne die Produktion der Chemie- und Pharmaindustrie wohl um 1,5 Prozent zulegen, die Preise dürften um ein Prozent steigen.

Evonik setzt höhere Preise durch

Wie stark die Konjunkturabschwächung auf Evonik abgefärbt hat, ist noch unklar. Im dritten Quartal profitierten die Essener von Preiserhöhungen. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis (Ebitda) um acht Prozent auf 692 Millionen Euro. Der niedrige Wasserpegel im Rhein verhinderte ein noch besseres Ergebnis.

Im ersten Halbjahr war es bereits so gut gelaufen, dass Evonik die Jahresprognose angehoben hatte. Für 2018 peilt der Spezialchemie-Anbieter einen Anstieg des operativen Ergebnisses auf 2,6 bis 2,6 Milliarden Euro an. Der Umsatz soll leicht zulegen.

Auf Einkaufstour in den USA

Die Essener sind momentan auf Shopping-Kurs. Ende des letzten Jahres erwarben sie für 625 Millionen Dollar das US-Unternehmen PeroxyChem, das Wasserstoffperoxid und Peressigsäure herstellt. Vor wenigen Wochen kaufte Evonik Structured Polymers, ein US-Startup für 3-D-Druckmaterialien, und baute sein Geschäft im 3-D-Druck aus.

nb