Eurofins Scientific: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre

Aktie des Tages Eurofins: Jetzt noch ein Kauf?

Stand: 12.06.2019, 11:17 Uhr

Sie stieg von 1,83 Euro auf 560 Euro und galt damit als die beste europäische Aktie überhaupt. Doch seit dem Rekordhoch 2017 ist der Kurs kräftig gesunken. Ist die französische Laborfirma Eurofins trotzdem noch ein Kauf?

Begonnen hatte der traumhafte Aufstieg des Unternehmens 2013, als ein Eurofins-Labor in München die Verwendung von Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne aufdeckte. Der Skandal machte die im westfranzösischen Nantes gegründete, heute in Brüssel ansässige Firma schlagartig bekannt - und ließ den Börsenkurs in den Folgejahren regelrecht explodieren.

Laut einer von der Firma in Auftrag gegebenen Untersuchung anlässlich des zwanzigsten Jahrestags des Börsengangs im Oktober 2017 hat sich die Aktie von Eurofins in zwei Jahrzehnten besser entwickelt als die von Apple oder Amazon. Die Wertsteigerung einschließlich der Dividenden erreichte durchschnittlich 33,3 Prozent pro Jahr. Keine andere europäische Aktie sei besser gelaufen, betont das Unternehmen.

Fast ein Drittel eingebüßt

Laborpipette

Eurofins ist auf den Nachweis von Substanzen spezialisiert. | Bildquelle: colourbox.de

Doch seit dem Hoch Ende Oktober 2017 bei knapp 560 Euro hat das Papier 200 Euro eingebüßt, fast ein Drittel. Dabei ist Eurofins eines der führenden europäischen Unternehmen im Bereich der Bioanalytik. In seinen Laboren lässt sich die Zusammensetzung und damit auch die Echtheit oder die Reinheit sowie die Herkunft einer breiten Palette von Substanzen nachweisen - bei Kosmetika oder Pharmaprodukten ebenso wie bei Lebensmitteln.

Eurofins arbeitet im Auftrag von Regierungen, Unternehmen und Verbraucherorganisationen wie etwa der Stiftung Warentest - ein einträgliches Geschäft. Im ersten Quartal dieses Jahres konnte der Umsatz erstmals in einem Drei-Monats-Zeitraum auf über eine Milliarde Euro (1,067 Milliarden) gesteigert werden, 27,2 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Ohne Zukäufe, also auf unveränderter Vergleichsbasis, wären die Erlöse um 4,9 Prozent gestiegen. Ob und wieviel Geld Eurofins in dem Zeitraum verdiente, teilte das Unternehmen allerdings nicht mit.

110 Unternehmen gekauft

Für das laufende Jahr peilt Eurofins ein Ebitda von 850 Millionen Euro an, bei einem Umsatz von 4,5 Milliarden. Der Cash Flow soll 350 Millionen Euro erreichen. Die Wachstumsgeschichte von Eurofins ist also intakt.

Seit 2012 hat sich die Zahl der weltweit arbeitenden Labore der Gruppe vervierfacht, allein in den vergangenen beiden Jahren übernahm Eurofins 110 Unternehmen mit einem gemeinsamen Umsatz von gut 1,4 Milliarden Euro.

Analysten sind uneinig

Allerdings ist es gerade dieses schnelle Wachstum, das den Anlegern Sorgen bereitet, fürchten sie doch, dass sich Firmenchef und -Gründer Gilles Martin mit den Zukäufen übernimmt und Eurofins damit in Schwierigkeiten bringt. So ist der Aktienkurs seit Beginn des Jahres unter großen Schwankungen nur noch um zehn Prozent gestiegen.

Auch die Analysten sind uneins, wenn es darum geht, die Investitionschancen zu beurteilen. Von den elf Experten, die das Unternehmen beobachten, empfehlen nur zwei den Kauf, die anderen raten zum Halten, einer votiert gar für den Verkauf. Einig sind sich die Experten darin, dass der derzeitige Kurs den in ihren Augen fairen Wert des Unternehmens nicht widerspiegelt. Sie halten im Schnitt 441 Euro je Aktie für angemessen - 20 Prozent mehr als derzeit.

Für langfristig orientierte Anleger, die an den Erfolg des Geschäftsmodells glauben, kann die Aktie also durchaus einen Blick wert sein.

lg