Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Deutsche Wohnen: Wie ein Sechser im Lotto?

Stand: 16.01.2019, 11:22 Uhr

Der Berliner Senat erwägt ernsthaft den Rückkauf tausender Wohnungen, die er vor 15 Jahren aus Geldnot verkauft hat und die heute im Besitz der Deutschen Wohnen sind. Ein wirtschaftspolitischer Irrsinn, der viele Milliarden Euro Steuergelder in die Kassen des Immobilienkonzerns spülen würde.

Noch hält sich die Reaktion der Anleger in Grenzen. Doch sollte der rot-rot-grüne Berliner Senat den Vorschlag von Bürgermeister Michael Müller (SPD) in die Tat umsetzen und der Deutschen Wohnen viele tausend Wohnungen abkaufen, dürfte die Aktie des im MDax notierten Immobilienkonzerns einen Freudensprung machen.

Konkret zielt das Angebot auf 50.000 bis 60.000 Wohnungen, die bis 2004 der ehemals kommunalen Wohnungsbaugesellschaft GSW gehörten und im Zuge der in vielen Städten praktizierten Entschuldungspolitik an private Investoren verkauft wurden. Dafür soll Berlin 405 Millionen Euro erhalten haben. Seit 2013 sind sie Teil der Deutsche Wohnen SE.

Enteignung gefordert

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Nun will Müller die Bestände der alten GSW wieder "in unserem Besitz". Ziel sei es, auf dem Wege der Kommunalisierung ein für alle bezahlbares Mietniveau zu sichern. Eine konkrete Zahl zur Größenordnung seines Rückkaufangebots nannte Müller nicht. Während Grünen-Fraktionschef Antje Kapek den Komplett-Rückkauf fordert, schwebt Müller offenbar ein Teilrückkauf vor.

Die Linke spricht sich sogar für eine Enteignung der Deutschen Wohnen aus. Sogar Müller will dieses aus finstersten sozialistischen Zeiten stammende Instrument nicht grundsätzlich ausschließen. "Das ist der dritte, vierte oder fünfte Schritt", sagte Müller.

Kosten von mehreren Milliarden

Experten gehen davon aus, dass die Stadt heute ein Vielfaches für den Kauf der Wohnungen ausgeben müsste, mindestens einen einstelligen Milliardenbetrag. Die Schätzungen schwanken zwischen zwei und sieben Milliarden Euro. Deutsche Wohnen wird derzeit an der Börse mit 14,7 Milliarden Euro bewertet, bei einem Bestand von 160.000 Wohnungen, davon 115.000 in Berlin.

Deutsche Wohnen AG-Zentrale in Berlin

Deutsche Wohnen AG-Zentrale in Berlin. | Bildquelle: Anja Steinmann, Unternehmen

Der Verkauf der GSW-Wohnungen würde zwar den Bestand des Unternehmens deutlich verringern, es aber auch mit einem Schlag entschulden - und mit den vielen Milliarden aus dem Erlös könnte es neue Wohnungen kaufen.

Offen für Gespräche

Kein Wunder, dass sich die Deutsche Wohnen offen für Gespräche zeigt. "Wir können uns vorstellen, bei etwaigen Verkäufen von Berliner Beständen das Land zu präferieren", erklärte Vorstandschef Michael Zahn. "Das Bemühen, den kommunalen Bestand in Berlin zu stärken, unterstützen wir gerne." Laut Zahn steht nicht die gesamte GSW zum Verkauf. Gleichwohl sei man "grundsätzlich an einer Kooperation mit Berlin interessiert".

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen. | Bildquelle: Unternehmen

Der börsennotierte Konzern ist in den letzten Jahren zum Hauptfeind des rot-rot-grünen Berliner Senats geworden. Nicht ganz ohne Eigenverschulden, klagen doch immer mehr Mieter gegen das Unternehmen. Tatsächlich mutet die Deutsche Wohnen den Mietern viel zu: überzogene Mieterhöhungen, kaputte Heizungen, Schranken vor den Straßen, immer wieder kommt es zu Protesten. Ende 2017 berichtete der Senat von 76 Verfahren an Berlins Gerichten, an denen der Konzern beteiligt war.

Gegen Mietspiegel geklagt

Sogar gegen den Mietspiegel als Orientierungsrahmen hat der Konzern geklagt, allerdings erfolglos. Jüngst hatte sich der rot-rot-grüne Senat dafür eingesetzt, Wohnungen in der einstigen Stalin-Allee zu kommunalisieren, die eigentlich die Deutsche Wohnen übernehmen wollte. Der Senat half hunderten Mietern, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen und die Wohnungen dann an die kommunale Gesellschaft Gewobag weiterzureichen.

In Berlin steigen die Mieten in den letzten Jahren derart stark, dass sich selbst Normalverdiener in bestimmten Vierteln keine Wohnung mehr leisten können.

lg