Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Deutsche Post: Börsenjahr zum Vergessen

Stand: 19.12.2018, 15:54 Uhr

Ein Gewinneinbruch in der Brief- und Paketsparte, wachsende Konkurrenz und die vorerst auf Eis gelegte Erhöhung des Portos haben der Deutschen Post 2018 zugesetzt. Die Aktie gehört im laufenden Börsenjahr zu den großen Verlierern im Dax.

Der gelbe Riese wankt: Seit ihrem Rekordhoch vor einem Jahr bei 41,36 Euro sind die Post-Titel um über 40 Prozent eingebrochen. Mittlerweile stehen sie auf dem Niveau von Juni 2016. Der im Mai vollzogene Rutsch unter die 200-Tage-Linie verheißt auch für die mittelfristigen Börsenperspektiven des Bonner Konzerns nichts Gutes. Am Mittwoch befinden sich die Papiere wieder am Dax-Ende. Im morgendlichen Handel in Frankfurt fielen sie um fast fünf Prozent.

Ausgelöst wurde die neuerliche Verkaufswelle von einer Gewinnwarnung des weltweit tätigen Paketdienstes FedEx. Weil sich der Welthandel in den vergangenen Monaten durch Brexit-Unsicherheiten, der in Deutschland geschrumpften Wirtschaft und den heftigen Protesten in Frankreich abgeschwächt habe und sich diese Probleme in Europa vermutlich noch verstärken dürften, revidierte der US-Konzern seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2019.

Die Anleger erwarten für die Deutsche Post offenbar Ähnliches. Dem widersprach der Konzern. Er sehe keine deutliche Eintrübung des weltweiten Geschäfts und registriere keine wesentlichen Veränderungen in der Entwicklung seiner Volumina in den vergangenen Wochen, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters am Nachmittag. Das Papier erholte sich leicht.

Kosten aus den Augen verloren

Das Paket-Geschäft der Deutschen Post war in den vergangenen Jahren vor allem dank des E-Commerce-Booms stark gewachsen. "Im Paketgeschäft sind wir in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als der Wettbewerb, alles nach der Devise: 'Wachstum ist super, der Rest wird sich finden'", hatte Post-Chef Appel vor kurzem in einem Mitarbeiter-Magazin kritisiert.

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, am Steuer eines elektrisch angetriebenen Paketzustellfahrzeugs

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender Deutsche Post. | Bildquelle: Unternehmen

Er fand sich nicht. Ausgerechnet ihr wichtigster Kunde Amazon sorgt für einen Preisdruck in der Branche und setzt lieber auf Billig-Konkurrenten der Post wie die Otto-Tochter Hermes. Dort sind die Preise laut "Handelsblatt" offenbar 15 Prozent niedriger. DHL musste daher gegenüber den Amerikanern erhebliche Zugeständnisse machen. Laut dem internen Vorstandsbericht bleibt der Paket-Tochter der Post für jedes von Amazon beauftragte Paket nur eine Gewinnspanne von maximal 21 Cent.

Darüber hinaus richteten die Amerikaner Abholstationen in deutschen Großstädten sowie ein eigenes Zustellsystem ein.

Gewinnwarnung im Juni

Die steigenden Kosten bei der Zustellung bereiten der Post Probleme. Gleichzeitig nimmt der Erfolg des Online-Handels immer weiter zu und der gelbe Riese steckt in einer Zwickmühle. Um die steigende Menge zu bewältigen, musste er Hunderte Millionen Euro in das Paketnetz, die Technik und Fahrzeuge investieren. Außerdem steigen die Personalkosten laut Appel von Jahr zu Jahr.

Die Folge: Im zweiten Quartal brach das operative Ergebnis in diesem Bereich auch durch sinkende Briefmengen um 60 Prozent ein. Um eine Milliarde Euro musste das Bonner Unternehmen im Juni seine Gewinnprognose korrigieren.

Portoerhöhung kommt

Die Möglichkeiten für die Post sind rar gesät. Die Bonner sollten wenig tun, was Amazon schadet. Fast 18 Prozent des DHL-Paketvolumens entfällt auf den Giganten. Daher bleibt nur die Kostenschraube, Appel leitete bereits einen Sparkurs mit Stellenstreichungen und eine Sanierung der Paket- und Briefsparte ein.

Auch Preiserhöhungen sind ein Mittel. "Wir planen überdurchschnittliche Preiserhöhungen im Paketbereich", kündigte Finanzchefin Melanie Kreis im Sommer an. Eine Erhöhung des Briefportos war sogar bereits ab Januar 2019 geplant. Die Bundesnetzagentur, die den Preisrahmen abstecken muss, hat das Verfahren im August allerdings zunächst auf Eis gelegt.

Hintergrund war ausgerechnet die laufende Sanierung - ein Teufelskreis. Der Regulierer will die Auswirkungen der Umbauten in seine Entscheidung einfließen lassen. Eine endgültige Genehmigung neuer Briefentgelte wird im ersten Halbjahr 2019 erwartet und damit in einem für das Unternehmen hoffentlich besseren Börsenjahr.

tb