Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages Bayer: Ist das Schlimmste jetzt vorbei?

Stand: 09.01.2019, 11:22 Uhr

Die Übernahme von Monsanto hat sich für die Bayer-Aktionäre als die schlimmste Wertvernichtung seit der Finanzkrise entpuppt. Fast 70 Milliarden Euro haben sich in Luft aufgelöst - ein Desaster. Doch seit einigen Tagen legt die Aktie wieder zu. Ist das Schlimmste jetzt vorüber?

Fakt ist, dass die Bayer-Aktie seit ihrem Jahrestief Ende Dezember bis heute gut zwölf Prozent zugelegt hat, ein Hoffnungsschimmer für die leidgeplagten Aktionäre. Wichtigster Treiber der neuen Kauflust war ein Urteil im Zusammenhang mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat von Monsanto, das die Angst vor Milliardenrisiken durch Klagen gemildert hat.

Danach gab ein US-Richter einem Antrag von Bayer statt, wonach die Anwälte zunächst alle möglichen anderen Ursachen für die Leukämien ihrer Kläger als Grund der Erkrankungen ausschließen müssen, bevor Glyphosat als Ursache benannt werden kann. Damit hat der Richter die Angst der Aktionäre vor Schadensersatzansprüche in Milliardenhöhe etwas gemildert.

Kommt es zu außergerichtlichen Einigung?

Aus der Welt geschafft ist das Risiko damit zwar nicht, doch Analysten wie Michael Leuchten von der UBS erwarten sich von dem Urteil eine Versachlichung der Debatte - und hoffen im weiteren Verlauf auf eine gütliche Einigung. Leuchten hält einen solchen Schritt sogar für das wahrscheinlichste Szenario. Schließlich sei eine außergerichtliche Einigung mit Blick auf Pharmakonzerne ein durchaus übliches Vorgehen. Der Analyst schätzt, dass dies den Leverkusener Konzern einen mittleren einstelligen Milliarden-Euro-Betrag kosten dürfte. Das entspräche rund fünf Euro je Aktie.

Steht dem Papier also eine neue Belastungsprobe bevor? Schwer zu sagen. Eventuelle Milliardenzahlungen an die Glyphosat-Kläger würden den Konzerngewinn natürlich belasten. Andererseits dürften die Anleger erleichtert auf eine solche Einigung reagieren, was den Aktienkurs in die Höhe treiben würde.

Ungenügende Aufklärung

Bayer-Chef Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann. | Bildquelle: Imago

Die Erleichterung könnte sogar höher wiegen als die Belastungen durch eventuelle Milliardenzahlungen. Denn die Risiken der Klagen sind derzeit kaum abzuschätzen. So liegen in den USA über 9.000 Verfahren wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken des Unkrautvernichters vor. Bayer bestreitet die Vorwürfe und geht zudem gegen ein Urteil aus dem Jahr 2018 vor, in dem einem Kläger Schadenersatz in Höhe von 250 Millionen Euro zugesprochen wurde.

Die Risiken für die Bayer-Aktie bleiben also hoch. Das hat auch damit zu tun, dass das Unternehmen bisher praktisch nichts getan hat, um das ramponierte Image seiner neuen Tochter zu verbessern. Analysten zufolge macht Bayer sogar genau da weiter, wo Monsanto versagt hatte: Keine PR-Kampagnen, keine Aufklärungsversuche, so gut wie keine Informationen aus der Konzernzentrale, mit Ausnahme einer Telefonkonferenz mit Investoren am 23. August letzten Jahres und einem mageren Interview mit Firmenchef Werner Baumann.

Gigantischer Sparkurs

Monsanto- und Bayer-Schriftzug aus Scrabble-Steinen mit Dollarnoten und Gersteähren

Monsanto-Bayer. | Bildquelle: Imago

Auch der Auftritt von Baumann anlässlich des Kapitalmarkttages Anfang Dezember vermochte nicht zu überzeugen. Zwar versprach der Bayer-Chef dafür zu sorgen, dass sich der im Unternehmen steckende Wert auch wieder im Aktienkurs niederschlagen werde, doch die Anleger reagierten mit Skepsis: Am 27. Dezember rutschte der Bayer-Kurs sogar unter die Schwelle von 60 Euro - zum ersten Mal seit 2012. Zu groß war die Sorge darüber, wie teuer die 55 Milliarden Euro schwere Übernahme von Monsanto die Leverkusener tatsächlich noch zu stehen kommen wird.

Um die Anleger zu besänftigen, kündigte Baumann einen gigantischen Sparkurs an. Bis 2022 sollen 2,6 Milliarden Euro eingespart werden. Es handele sich um das größte bisher da gewesene Effizienzprogramm der Firmengeschichte, pries Baumann die Vorzüge des Programms, dem 12.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden.

Bayer sitzt auf einem Schuldenberg

Zudem stellte der Vorstand steigende Dividenden und die Möglichkeit eines Aktienrückkaufs in Aussicht. Ein Novum in der Geschichte des Konzerns. Der hatte in der Vergangenheit stets betont, überschüssiges Geld zu reinvestieren, statt es an Aktionäre auszuschütten. Ob der neue Kurs reicht, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten.

Nicht wenige Experten sind skeptisch. Durch die Übernahme von Monsanto sitzt das Unternehmen auf einem Berg von Schulden. Den abzubauen könne sinnvoller sein als Aktien zurückzukaufen. Und auch die Pharmasparte des Konzerns könnte mehr Forschungsgelder gebrauchen als derzeit geplant. Fazit: Die Bayer-Aktie bleibt ein hochriskantes Papier. Nichts für Anleger mit schwachen Nerven.

lg