Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Bayer: Chance oder noch mehr Risiko?

Stand: 07.06.2019, 09:07 Uhr

Papiere des Bayer-Konzerns erscheinen ein Jahr nach der Übernahme von Monsanto arg zerrupft. Der Dax-Titel leidet weiter heftig unter der Monsanto-Übernahme. Doch der Kurs erscheint inzwischen fast wieder günstig.

Es ist schon fast eine Glaubensfrage: Nach einem Kursrückgang von rund 46 Prozent binnen eines Jahres sieht der Chart der Bayer-Aktie immer noch so aus, als ob auch weitere Tiefstände möglich wären. Genau vor einem Jahr ist der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern alleiniger Eigentümer des US-Saatgutherstellers Monsanto geworden. Mit 63 Milliarden Dollar die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland aller Zeiten. Dazu kamen noch sechs Milliarden Dollar Schulden von Monsanto.

Klagen ohne Ende

Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus

Glyphosat. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Ein Jahr später kämpft Bayer noch immer mit den Spätfolgen des Deals. Da sind zum einen die vielen Tausend Klagen wegen gesundheitlicher Schäden durch den Unkrautvernichter Glyphosat. Deren Kosten sind weiterhin kaum abzuschätzen. In den Vereinigten Staaten sind mittlerweile mehr als 13.000 Klagen von Privatleuten wegen Glyphosat anhängig.

Rechtsexperten empfehlen dem Unternehmen einen Vergleich anzustreben. Dieser würde es auch Investoren ermöglichen, die voraussichtlichen finanziellen Belastungen einigermaßen abzuschätzen. In die Pleite treiben, so viel entnehmen die Beobachter den Entwicklungen in den USA inzwischen, wollen auch die Gerichte in den USA den Bayer-Konzern nicht.

Schulden drücken

Über die Kosten der Rechtsstreitigkeiten hinaus belastet Bayer aber auch ein gewaltiger Schuldenberg. Die Konzernschulden sind trotz zweier Kapitalerhöhungen und mehrerer Geschäftsverkäufe zum Jahresende 2018 bei geschätzt 44,4 Milliarden Euro inklusive Pensionsverpflichtungen. Gegenüber dem Jahr 2016 ist das eine glatte Verdopplung. Allein die Bedienung dieser Schulden ist für Bayer mit großen finanziellen Belastungen verbunden.

Schadenersatzzahlungen wegen Glyphosat dürften damit die Finanzsituation noch verschärfen, Bayer müsste wohl in diesem Fall weitere Unternehmensteile verkaufen, um sich über Wasser zu halten.

Profitabel und günstig?

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dem gegenüber steht eine relativ hohe Profitabilität von Monsanto und auch von "Rest-Bayer" nach Abspaltung der Tochter Covestro. Die Gewinnmarge im Vergleich zu den frei verfügbaren Mitteln des Unternehmens (Free Cash Flow) ist durch die Übernahme von Monsanto und die Abspaltung von Covestro von knapp zehn auf rund 14 Prozent gestiegen. Monsanto wächst zwar seit Jahren nicht mehr auf der Umsatzseite, ist aber trotz aller Kritik sehr gewinnträchtig.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist auf der Basis der erwarteten Gewinne im laufenden Jahr auf unter acht gefallen, damit ist Bayer-Aktie rein optisch sehr "billig" geworden. Die Dividendenrendite kommt derzeit auf 5,3 Prozent, auch dies eigentlich für Anleger durchaus attraktiv. Bleibt eben nur die Frage, ob die Risiken bei Bayer das Papier attraktiv genug zum Einstieg machen.

AB