BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages BASF: Schon günstig genug?

Stand: 11.01.2019, 09:37 Uhr

Für BASF-Anleger kam es 2019 knüppeldick, hat die Aktie doch gut ein Drittel an Wert verloren. Seit dem Tief Ende Dezember geht es wieder etwas bergauf. Doch wie nachhaltig ist das angesichts einer sich rapide eintrübenden Konjunktur?

Für Analyst Chetan Udeshi von der amerikanischen Investmentbank JPMorgan dürften die meisten europäischen Chemieunternehmen zwar vor einem schwierigen Jahr stehen, mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Doch diese düsteren Aussichten seien nach den heftigen Kurseinbrüchen der vergangenen Monate in vielen Aktienkursen bereits eingepreist, so dass sich jetzt günstige Einstiegsgelegenheiten ergäben.

Blick auf BASF-Zentrale in Ludwigshafen

BASF-Zentrale in Ludwigshafen. | Bildquelle: Google Maps

Zu den Favoriten Udeshis gehören auch die Papiere des Ludwigshafener BASF-Konzerns. Zwar senkte der Analyst sein ursprüngliches Kursziel von 94 auf 74 Euro, stufte die Aktie aber von "Neutral" auf "Overweight" hoch. Damit geht er davon aus, dass sich die Aktie in den kommenden sechs bis zwölf Monaten besser entwickeln wird als der jeweilige Sektor.

Knackpunkt ist die Entwicklung der Nachfrage

Nach der Korrektur im vergangenen Jahr sei das Chance/Risiko-Verhältnis der Aktie wieder vorteilhafter, urteilte Udeshi in seiner jüngsten Studie zur europäischen Chemiebranche. Das neue Urteil spiegele auch seine allgemein positivere Einschätzung für zyklische Chemiewerte wider.

Knackpunkt sei jetzt eine Stabilisierung der Nachfrage, um den Chemiewerten wieder Auftrieb zu verleihen. In der Folge könne der Preisdruck nachlassen und auch die Margen hätten dann wieder Wachstumspotenzial. Eine mutige Analyse, hatte doch gerade BASF noch im Dezember den Ergebnisausblick gesenkt. Danach dürfte das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen im Geschäftsjahr 2018 um 15 bis 20 Prozent geringer ausfallen. Bereits im September hatte das Unternehmen seine Ziele revidiert - damals begründet mit der beschlossenen Fusion der Öltochter Wintershall mit Dea.

Flaute noch nicht ausgestanden

Einige Experten befürchten deshalb, dass die Flaute für BASF noch nicht ausgestanden ist. Laurence Alexander vom Analysehaus Jefferies erwartet, dass der Gegenwind auch im ersten Halbjahr 2019 noch spürbar sein wird. "Sorgen um die Endmärkte von BASF dürften die Bewertung weiter in Zaum halten", so der Experte. Um dem zu entkommen, seien staatliche Anreize im wichtigsten Auslandsmarkt China nötig. Ersichtlich könnten diese aber wohl erst im Februar nach dem chinesischen Neujahrsfest werden.

Martin Brudermüller, BASF

Martin Brudermüller. | Bildquelle: Unternehmen

Derweil ist BASF beim Ausbau seines China-Geschäfts ein entscheidender Schritt vorwärts gelungen. So haben Konzernchef Martin Brudermüller und Lin Shaochun, Vize-Gouverneur der Provinz Guangdong, zu Beginn des Jahres eine Rahmenvereinbarung für einen Verbundstandort im südchinesischen Guangdong unterzeichnet. Dabei geht es um eine Investitionssumme bis zum Abschluss des Projekts von bis zu zehn Milliarden Dollar.

Unsicherheit dominiert

Grund für die Entscheidung, noch mehr Geld in China zu investieren, ist die steigende Bedeutung des Landes für die weltweite Branche. "Der Anteil Chinas an der weltweiten Chemieproduktion wird bis zum Jahr 2030 auf rund 50 Prozent ansteigen", sagte Brudermüller. "Guangdong ist ein wachsender Markt für Chemie-Innovationen." Beide Seiten hatten bereits im Juli 2018 das Vorhaben im Rahmen einer Absichtserklärung bekräftigt. Es sei die größte Investition des Chemieriesen und würde in Alleinverantwortung betrieben, teilte BASF mit.

Für Jonas Oxgaard vom Analysehaus Bernstein ist dennoch Vorsicht geboten. Die europäischen Chemiewerte seien nach den jüngsten Rückschlägen zwar billig zu haben, doch dürfte der Sektor zunächst von Unsicherheiten in puncto Konjunktur, Handelsstreit und Rohstoffpreisentwicklung dominiert bleiben. Das gelte auch für BASF. Fazit: Die Risiken erscheinen derzeit noch höher als die Chancen.

lg