Barry Callebaut: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Satte Gewinne mit Schokolade Barry Callebaut, der unbekannte Weltmeister

Stand: 08.11.2017, 13:14 Uhr

Den Namen kennen nur wenige. Dabei ist Barry Callebaut weltweit die Nummer 1 auf dem Schoko-Markt. Die Aktie ist Weltklasse. Die Gewinne sprudeln. Aber der Schweizer Konzern muss sich was einfallen lassen, damit das so bleibt.

Die Europäer sind zwar Weltmeister im Schokoladenkonsum. Aber inzwischen mehren sich die Zeichen der Sättigung. Klar, dass Schokohersteller wie der Schweizer Konzern Barry Callebaut stetig nach neuen Absatzmöglichkeiten suchen. Eine wichtige Strategie ist die Expansion in Schwellenländer, wo die Nachfrage nach Schokolade mit dem zunehmenden Wohlstand noch rapide steigt. Asien und vor allem China sind in dieser Hinsicht interessant für die Schoko-Industrie, auch für Barry Callebaut, den weltgrößten Kakao- und Schokoladenhersteller.

Dividende satt

Anders als so viele in der Branche kann der Konzern mit Sitz in Zürich noch wachsen und dabei noch ordentlich verdienen. Natürlich hilft dabei die Expansion in Asien. Aber auch die Geschäfte in Europa laufen für den Weltmarktführer noch gut, und vor allem besser als bei der meisten Konkurrenten.

Die gerade veröffentlichte Bilanz weist einen kräftigen Gewinnsprung im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2016/17 aus. Unter dem Strich verdiente Barry Callebaut 303 Millionen Franken oder umgerechnet 261 Millionen Euro, rund 38 Prozent mehr als vor einem Jahr. An der guten Geschäftsentwicklung sollen auch die Aktionäre teilhaben. Barry hebt die Dividende um 29 Prozent auf 20 Schweizer Franken je Aktie.

In einem fast stagnierenden Weltmarkt konnte der Konzern mit Sitz in Zürich seinen Absatz um mehr als vier Prozent steigern, und den Umsatz um zwei Prozent auf 6,8 Milliarden Franken. Der Schweizer Konzern profitierte von stark fallenden Einkaufspreisen für Kakao und Zucker. Und ihm kamen seine strategischen Lieferpartnerschaften zugute. Barry Callebaut ist als Marke für den Endverbraucher kaum bekannt. Der Konzern beliefert vor allem die großen Schokoladenhersteller wie Mondelez, Hershey und Nestlé oder Hotelketten mit Flüssigschokolade und Kakaopulver. In diesem Bereich ist das Verkaufsvolumen um rund zehn Prozent gestiegen. Barry tritt aber auch mit eigenen Marken wie Bensdorp oder Van Houten am Markt auf.

Schokolade von Barry Callebaut

Unbekannter Riese: In einem von vier konsumierten Kakao- und Schokoladenprodukten rund um die Welt steckt Barry Callebaut. | Bildquelle: Unternehmen

Luxus für den kleinen Mann

Für Anleger ist der Schoko-Markt interessant. Da ist noch Musik drin, erklärt Reto Huenerwadel, Anlage-Chef der Schweizer Hypothekarbank Lenzburg. Schokolade gelte als "Luxusprodukt des kleinen Mannes". "Schoggi", wie die Schweizer sagen, ist etwas, das man sich auch mit kleinem Wohlstand leisten kann, anders als Designertaschen etwa.

Das ist das Spannende, mit Blick auf die aufstrebenden Märkte: "Schokolade und Pralinen sind Luxusgüter für kleines Geld", sagt Huenerwadel. Er hat den Schokoladenmarkt unter die Lupe genommen und sieht großes Potenzial. "Wir wissen, dass die Nachfrage der Chinesen nach Schoggi stetig gestiegen ist", sagt er. Gleichzeitig sei der Kakao-Preis am Boden. 2014 kostete eine Tonne Kakaobohnen im Schnitt mehr als 3.200 Dollar, heute sind es unter 2.000 Dollar (rund 1.700 Euro). Mehr anzubauen sei kurzfristig nicht einfach, so Huenerwadel. "Es dauert, bis man ernten kann. Bei weiter steigender Nachfrage gehen wir deshalb davon aus, dass sich der Preis nach oben bewegen wird", sagt Huenerwadel.

Keine Schoko-Liebe in China

Allerdings ist es schwieriger als gedacht, den chinesischen Markt zu erobern. Die Exporte sind in den letzten Jahren zwar explodiert, aber auf äußerst niedrigem Niveau. "Der Schoko-Konsum pro Chinese ist klein", sagt Urs Furrer, Präsident des Schweizer Schokoladenverbands. "Das Potenzial ist zwar enorm, aber es braucht einen langen Atem, die Schoko-Kultur ist dort noch nicht so ausgeprägt."

In der chinesischen Küche wird Süßes wenig zelebriert. Während die Deutschen nach Umfragen etwa auf Vollmilch, Haselnuss und Nougat stehen, heißt es in Industriekreisen, dass mancher Hersteller in China inzwischen mit karamellisiertem Fisch oder Speck als Schoko-Zutat experimentiert.

Stößt die Barry-Aktie an Grenzen?

Barry Callebaut kann sich aber nicht beschweren. Das Unternehmen berichtet, dass es sein Geschäft mit Gourmet-Schokolade für Pralinen und andere Süßigkeiten in China in vier Jahren verdoppelt hat.

Barry Callebaut ist aber nicht nur regional auf Expansionszug, sondern auch immer wieder mit schokoladigen Innovationen. Sei es mit goldener Schokolade, oder mit Schokolade aus dem 3D-Drucker. Vor gut zwei Wochen erst zauberte der Konzern eine völlig neue Schokoladensorte aus dem Hut. Die Sorte "Ruby", pinkfarbene Schokolade. Eine vierte Sorte neben Vollmilch, dunkler und weißer Schokolade. In Ruby stecken weder Früchte, Aromen noch künstliche Farbstoffe, der leicht fruchtig-beerige Geschmack stammt ausschließlich von der Kakaobohne nahmens Ruby, die Barry Callebaut in einem patentierten Produktionsprozess herstellt.

Ob die neue Schokolade beim Verbraucher ankommt, ist noch nicht abzuschätzen. Denn bis die ersten Produkte auf den Markt kommen, dürften noch 6 bis 18 Monate vergehen.

An der Börse nutzen Anleger die aktuelle Bilanz nun erst einmal zum Innehalten. Weder die stark gestiegenen Gewinne noch die Dividendenerhöhung helfen, den Kurs der Barry-Aktie weiter nach oben zu treiben. Allerdings ist das Papier in den vergangenen zwölf Monaten auch bereits um fast ein Viertel gestiegen und hatte erst am Montag ein Rekordhoch erreicht.

Seit Jahren erfreuen sich Anleger über beständige Kurssteigerungen - und dazu noch regelmäßige Dividendenausschüttungen. Da nutzt jetzt mancher den Tag, diese Gewinne auch zu Geld zu machen.

bs

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