Audi: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat

Vertrauenskrise versus Squeeze-out-Spekulation Wie geht es weiter mit der Audi-Aktie?

Stand: 02.07.2018, 13:25 Uhr

Audi produziert schlechte Nachrichten ohne Ende: Die Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler gab der Aktie den Rest. Unschön für die Audi-Aktionäre. Ihr Vertrauen ist dahin. Dafür liebäugeln Neueinsteiger mit dem Papier, weil es jetzt so billig scheint.

Anfang Mai schien es noch so, als könnte die Audi-Aktie den Diesel-Abgasskandal abschütteln. Der Kurs rollte nahe ran an das Rekordhoch aus dem Jahr 2015 von 861 Euro, bis auf 852 Euro schaffte er es, getragen von der Hoffnung auf die größte Modelloffensive in der Firmengeschichte und den neuen elektrischen Geländewagen.

Doch dann musste Audi die Produktion und Auslieferung zehntausender A6- und A7-Modelle stoppen - der Auftakt zur Talfahrt. Im Sog von immer neuen Rückrufaktionen, Diesel-Fahrverboten und dem weiter eskalierenden Handelsstreit auf der Weltbühne ging es weiter abwärts. Die Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler und seine vorläufige Beurlaubung Mitte Juni waren die absolute Krönung im negativen Nachrichtenfluss - aber längst nicht das Ende der Hiobsbotschaften. Es drohen neue Rückrufe durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Und die VW-Tochter sagte jüngst die Premierenfeier des ersten vollelektrischen Audi-Geländewagens und Tesla-Herausforderers „etron“ ab. Nach Feiern ist dem Unternehmen aus Ingolstadt derzeit wohl nicht.

Audi-Chef Rupert Stadler

Was wusste Audi-Chef Rupert Stadler?. | Bildquelle: Imago

Inzwischen ist die Audi-Aktie bei 750 Euro angelangt. In nur zwei Monaten verlor sie mehr als zehn Prozent an Wert, rund dreieinhalb Milliarden Euro Börsenwert wurden vernichtet. Das Vertrauen der Aktionäre ist dahin, zumal es noch länger dauern wird, zu klären, wo genau Audi manipuliert hat und wer daran beteiligt war.

Innere Schätze

Gleichwohl gibt es auch Befürworter der Aktie. Die hängen damit zusammen, dass Audi fest in der Hand von VW ist. Den Wolfsburgern gehören mehr als 99 Prozent von Audi. Der Streubesitz beträgt lediglich 0,45 Prozent. Daher gilt die Audi-Aktie auch als Mutter aller Squeeze-out-Spekulationen. Börsianer spekulieren darauf aber schon ziemlich lang, VW zeigte sich bislang eher zögerlich.

Zudem sind die Barreserven von Audi ordentlich. 2017 lagen sie bei über 20 Milliarden Euro. Audi besitzt darüber hinaus werthaltige Beteiligungen. Der VW-Tochter gehören etwa Lamborghini und Ducati sowie eine Beteiligung von 8,33 Prozent am FC Bayern München. Auch die dürften einige Milliarden Euro wert sein.

Führend bei Roboterautos

Zukunftsfantasie spielt auch eine Rolle. Im Wachstumsmarkt des autonomen Fahrens ist Audi weit vorn und erweist sich als sehr innovativ. Die VW-Tochter ist der Autokonzern mit den meisten Patenten für Roboterautos.

Erfasst wurden über 5.800 von insgesamt gut 9.000 Patenten zum autonomen Fahren seit 2010. Autozulieferer Bosch hat die meisten davon (958) - und Audi kommt schon auf Platz zwei mit 516 Patenten. Allerdings müssen diese Patente natürlich erst noch zu Geld gemacht werden.

Knausrige VW-Mutter

Ein interessanter Aspekt der Audi-Aktie ist zudem die garantierte Dividende. 1971 haben die Mutter VW und Audi einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag geschlossen. Dadurch erhalten die Audi-Aktionäre eine Ausgleichszahlung, eine Garantiedividende, die exakt der Dividende der VW-Stammaktie entspricht.

Die Höhe ist gleichwohl kaum der Rede wert. Für das Jahr 2017 wurden 3,90 Euro ausgeschüttet, was zum aktuellen Kurs gerade einmal einer Dividendenrendite von einem halben Prozent entspricht. Nur ein magerer Puffer für etwaige Kursverluste.

Die sind in Zukunft nicht ausgeschlossen, solange der Diesel-Skandal nicht aufgearbeitet ist. Audi gilt als die Keimzelle des Abgasbetrugs. Zwar hat sich die VW-Tochter für die Belastungen durch die Diesel-Affäre gewappnet, rund zwei Milliarden Euro zurückgestellt. Mehr soll es nach eigenen Angaben nicht werden. Dennoch bleibt die Aktie ein Spekulationspapier.

bs