Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie auf Jahreshoch Nestlé schmeckt den Anlegern wieder

Stand: 01.11.2018, 15:14 Uhr

Nach einer kleinen Durststrecke in der ersten Jahreshälfte hat sich die Nestlé-Aktie wieder berappelt. Heute erreicht sie ein neues Jahreshoch. Warum ist der Nahrungsmittelriese plötzlich wieder so begehrt an der Börse?

Monatelanger Boykott von Nestlé-Produkten in Edeka-Märkten, Kritik von Umweltschützern an den Wassergeschäften und Proteste von Mitarbeitern gegen Werksschließungen - der Nestlé-Konzern stand in diesem Jahr mehrfach in den Negativ-Schlagzeilen. "Nestlé ist ein Unternehmen, das niemand braucht", schrieb ein Twitter-Nutzer.

Nestlé-Logo vor der Zentrale in Vevey

Nestlé-Logo. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wirklich? Der Schweizer Konzern ist mit einem Umsatz von rund 80 Milliarden Euro größter Nahrungsmittelhersteller der Welt. Nestlé verkauft Süßwaren, Müsli, Pizza, Wasser, Tierfutter und mehr. Marken wie Perrier, Kitkat, Maggi, Nescafé und Nespresso sind weltbekannt. Im Kaffeegeschäft sind die Schweizer die Nummer eins.

Konzern kommt wieder in Fahrt

Zuletzt lahmte das Wachstum. 2017 betrug das Plus nur 2,4 Prozent. Nun aber macht Vorstandschef Mark Schneider Dampf. Seitdem er den Lebensmittel-Multi am beschaulichen Genfer See steuert, hat Nestlé zahlreiche unrentable Bereiche abgestoßen und einige Werke geschlossen. So wurden unter anderem das Süßwarengeschäft in den USA und das Lebensversicherungsgeschäft von Gerber verkauft. Schneider will sich auf vier Sparten konzentrieren: Kaffee, Tiernahrung, Babykost und Wasser. Mit der milliardenschweren Übernahme des Starbucks-Einzelhandelsgeschäfts baute er das lukrative Kaffeegeschäft aus.

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider. | Bildquelle: picture alliance / Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Der Konzernumbau zeigt Wirkung: In den ersten neun Monaten beschleunigte Nestlé das organische Wachstum auf 2,9 Prozent. Für das Gesamtjahr wird ein Plus von drei Prozent angestrebt. In den nächsten Jahren soll die Dynamik weiter zunehmen. 2020 will Schneider ein organisches Wachstum um einen mittleren einstelligen Prozentsatz schaffen.

Starbucks-Deal könnte Auftrieb geben

Analysten trauen das Schneider zu. Dank des Starbucks-Deals werde Nestlé in den kommenden Jahren einen zusätzlichen Wachstumsschub erhalten, glaubt Alain Oberhuber von Mainfirst. Auch Jean-Philippe Bertschy, Analyst der Bank Vontobel, rechnet mit einem erhöhten Wachstumstempo des Lebensmittel-Giganten in naher Zukunft. Mehrere Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Kepler Cheuvreux hat als Kursziel 90 Franken (78,72 Euro) ausgegeben.

Bis dahin fehlt nicht mehr viel. Die Aktie von Nestlé ist seit Jahresbeginn um über vier Prozent gestiegen – und hat sich dem negativen Marktumfeld entzogen. Mit 74,82 Euro kletterte der Konsumtitel am heutigen Donnerstag auf ein Jahreshoch. Das Mitte 2017 erreichte Rekordhoch von 78,57 Euro rückt damit wieder in Reichweite.

Aktivistischer Investor macht Druck

Der anhaltende Druck des aktivistischen Investors Daniel Loeb könnte die Aktie weiter antreiben. Loeb ist mit seinem Hedgefonds Third Point beim Schweizer Nahrungsmittel-Riesen eingestiegen und fordert, Nestlé müsse wagemutiger, schneller und schlanker werden. Der Konzern solle sich von 15 Prozent seines Umsatzes trennen oder solle eigene Aktien zurückkaufen. Bisher lehnt Schneider die Forderungen von Loeb ab. Aber das Drängeln des US-Milliardärs könnte die Konzernumbau-Pläne von Nestlé-Boss Schneider beschleunigen.

Nestlé beschränkt sich längst nicht nur auf den Verkauf unrentabler Bereiche. Der Konzern will mit Innovationen den Lebensmittel-Markt aufmischen. So brachten die Schweizer vor kurzem ein neues Kapselsystem mit dem Namen Vertuo auf den Markt. Es bereitet größere Kaffee-Portionen zu. Mit Vertuo will Nestlé den Abwärtstrend für Nespresso stoppen.

Rosa Kitkat oder mit gesalzener Karamell

Ruby-Schokolade von Barry Callebaut

Ruby-Schokolade von Barry Callebaut. | Bildquelle: picture alliance / Barry Callebaut/Cover Images

Auch im Schoko-Geschäft erfindet sich Nestlé gerade neu. Mit Kitkat Ruby wurde in diesem Jahr eine neu entdeckte rosafarbene Kakaobohnensorte in den Markt eingeführt. In Japan erfreut sich die eher fruchtig schmeckende Ruby-Schokolade großer Beliebtheit. In Deutschland hielt sich das Interesse in Grenzen.

Vielleicht trifft gesalzenes Karamell eher den Geschmacksnerv der Deutschen. Die Riegel der neuen Sorte Kitkat Chunky Salted Caramel Fudge sollen ab November an deutschen Kiosken und Tankstellen verkauft werden. Nestlé hofft auf neuen Schub fürs wichtige Weihnachtsgeschäft.

nb

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Vom Wohltäter zum Lebensmittel-Multi Die Nestlé-Geschichte

Unternehmensgründer Henri Nestlé

Unternehmensgründer Henri Nestlé: Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.