Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre

Aktie des Tages Allianz: Geht da noch was?

Stand: 10.04.2019, 14:33 Uhr

Mit einer Ausschüttungssumme von 3,8 Milliarden Euro ist die Allianz in diesem Jahr zum größten Dividendenzahler im Dax aufgestiegen. Auch die Rally des Aktienkurses kann sich sehen lassen. Was steckt dahinter?

Tatsächlich sind die Papiere in den letzten Tagen auf den höchsten Stand seit fast 17 Jahren geklettert. Am Dienstag markierten sie bei 207,30 Euro ein neues Jahreshoch. Lediglich in den Nullerjahren um die Jahrhundertwende waren die Allianz-Titel kurzzeitig noch höher bewertet.

In der vergangenen Woche hatten sich die Papiere des Versicherers oberhalb von 200 Euro festgesetzt. Als Kurstreiber der vergangenen Wochen und Monate nannte ein Händler die aufgestockte Dividende und das erhöhte Aktienrückkaufprogramm.

Höchster Jahresüberschuss der letzten Jahre

Allianz AG-Schriftzug

Allianz AG. | Bildquelle: Imago

Für das vergangene Geschäftsjahr will der Konzern 9,00 Euro je Aktie ausschütten und damit einen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Möglich wird die Anhebung durch die verbesserte Geschäftslage. So ist das operative Ergebnis im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent auf 11,5 Milliarden Euro gewachsen. Unter dem Strich kletterte der Gewinn von 6,8 auf 7,5 Milliarden Euro. "Wir haben den höchsten Jahresüberschuss der letzten zehn Jahre erzielt - trotz eines sehr volatilen Marktumfelds, besonders im vierten Quartal", freute sich Vorstandschef Oliver Bäte. Die Eigenkapitalrendite lag mit 13,2 Prozent über dem Ziel von 13 Prozent.

Zweiter Kurstreiber ist das Aktienrückkaufprogramm, das vierte in den vergangenen zwei Jahren. 1,5 Milliarden Euro will die Allianz in diesem Jahr dafür ausgeben. Seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Oliver Bäte hat der Konzern schon sechs Milliarden Euro für eigene Aktien ausgegeben, jeweils drei Milliarden pro Jahr. Der neue Rückkauf ist am 1. März gestartet und soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein, die Papiere sollen anschließend eingezogen werden.

Kauft die Allianz die DWS?

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Positiv werde am Markt zudem eine mögliche Übernahme der DWS oder eine Zusammenarbeit mit dieser gewertet. Die DWS würde "gut zur Allianz Global Investors passen", glauben Marktexperten. Insidern zufolge ist ein solcher Schritt im Moment zwar kein Thema, doch offiziell hält sich der Konzern bedeckt. Denkbar wäre die deutsche Fonds-Tochter Allianz Global Investors (AllianzGI) mit der DWS zu verschmelzen, um damit in der Vermögensverwaltung weiter an Größe zu gewinnen, neben den europäischen Marktführern Amundi aus Frankreich und UBS aus der Schweiz.

Glaubt man den Analysten, hat die Aktie ihr Wachstumspotenzial noch nicht ausgeschöpft. So hat Experte Ashik Musaddi von der US-Bank JPMorgan erst zu Beginn der Woche seine Kaufempfehlung für die Allianz-Aktie bestätigt und das Kursziel bei 222 Euro belassen. Angesichts anziehender Anleihenmärkte sieht er abflauende Bilanzrisiken für die europäischen Versicherungsunternehmen. Das derzeitige Zinsniveau sei beherrschbar - insbesondere, da es bereits seit einiger Zeit stagniere.

Zukauf in Spanien?

Auch die Schweizer UBS hat die Einstufung für Allianz auf "Buy" mit einem Kursziel von 220 Euro belassen. Seine defensive Charakteristik, seine krisenfesten Gewinne und die attraktiven Dividenden machten den globalen Versicherungssektor zu einem relativ "sicheren Hafen" im breiteren Finanzsegment, schrieb Analyst Jonny Urwin.

Derweil schaut sich der Versicherungskonzern nach neuen Kaufzielen um. So hat die Allianz offenbar ein Gebot auf Versicherungs-Geschäftsteile der zweitgrößten spanischen Bank BBVA abgegeben, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Es handle sich um Geschäftsteile vorwiegend in Lateinamerika, die 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro wert sein könnten, hieß es weiter. Die Lebensversicherung der BBVA sei nicht Teil des Pakets. Im zweiten Quartal könnte die BBVA den Käufer auswählen.

Thema Banken ist beendet

Das Thema Bank betrachtet die Allianz allerdings als erledigt an, nachdem sie auch ihre Tochter Oldenburgische Landesbank verkauft hat. "Wir sind kein natürlicher Eigentümer einer Bank. Das ist hoffentlich klar geworden in der letzten Dekade", hatte er gesagt. "Man muss immer wissen, was man kann und was nicht."

Die Allianz hatte vor zehn Jahren ihre damalige Tochter Dresdner Bank an die Commerzbank verkauft und damit ein milliardenschweres Abenteuer als "Allfinanzkonzern" beendet.

lg