Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Adidas in Rekordlaune

Stand: 06.09.2018, 13:34 Uhr

Bei der Fußball-WM in Russland konnten die Adidas-Teams zwar nichts reißen. Aber Adidas selbst ist in Top-Form, voll angesagt bei Kunden, heiß begehrt bei Anlegern.

Die Adidas-Aktie ist ein Spiegelbild der guten Verfassung. Erst Ende August erreichte sie ein Allzeithoch. Die neue Bestmarke von 218 Euro bleibt trotz leichter Einbußen seither in Reichweite. Die bisherige Jahresbilanz: 25 Prozent Plus.

Adidas kann auf ein äußerst starkes Jahr zurückblicken, vor allem im zweiten Quartal wuchs das fränkische Unternehmen kräftig und wurde dabei sogar profitabler. Der Umsatz legte zehn Prozent, das operative Ergebnis 17 Prozent zu. Eine positive Überraschung für Analysten.

So viele WM-Trikots wie noch nie

Adidas-Boss Kasper Rorsted zeigte sich zufrieden. Zwar war die WM in Russland für Adidas ein Fiasko. Den Weltmeister-Titel holte das von Nike gesponserte Frankreich-Team. Die drei Streifen fielen früh raus, von den zwölf Adidas-Teams schaffte es nur Belgien ins WM-Halbfinale. Doch das habe sich nur "marginal bis gar nicht" auf den Umsatz ausgewirkt, sagte Rorsted.

Das Geschäft mit Trikots und Fußball-Schuhen rund um die Weltmeisterschaft habe einen wichtigen Teil zur Geschäftsentwicklung beigetragen. Immerhin wurden mehr als acht Millionen Trikots verkauft - Rekord.

Gewinnmitnahmen - und ein Nike-Effekt

In den letzten Tagen hat die Aktie etwas nachgegeben. Laut Händlern ist das nichts Beunruhigendes. Investoren strichen lediglich ihre Gewinne ein, weil die Adidas-Aktie zwischenzeitlich rund 30 Prozent Jahresplus auf dem Konto hatte.

Auch die Querelen rund um den Rivalen Nike spielten eine gewisse Rolle. Der Konzern hatte den von Trump scharf kritisierten Football-Spieler Colin Kaepernick für eine Jubiläums-Werbekampagne verpflichtet, was Investoren verunsicherte.

Es lebe der Sport

Generell sind die Aussichten für die Sportartikelindustrie gut. Dazu trägt ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein bei. Zudem erhält der Sport immer mehr Einfluss auf Mode und Kultur. Heute bekam Adidas Unterstützung von HSBC. Die britische Investmentbank unterstrich ihre Kaufempfehlung für die Aktie durch ein höheres Kursziel, das sie von 240 auf 255 Euro setzte.

Auch wenn die Währungseffekte nicht mehr ganz so vorteilhaft und einige Kurstreiber weggefallen seien, blieben die langfristigen Fundamentaldaten für den Sportartikelsektor positiv, schrieb Analyst Erwan Rambourg ein einer Branchenstudie. Adidas, Nike und Puma sollten kurzfristig vom Nachrichtenfluss zur Branche gestützt werden.

Kasper Rorsted, designierter Adidas-Chef

Die Marke Adidas ist heiß wie nie - sagt Adidas-Chef Kasper Rorsted. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Adidas enttrohnt Nike

Adidas hat es geschafft, vor allem bei der jüngeren Kundschaft zu landen. Wichtiger Faktor dabei waren Werbekampagnen mit Musikstars wie Kanye West. In den USA - eigentlich fest in der Hand des Rivalen Nike - lief Adidas dem Konkurrenten sogar den Rang ab. Mit seinen Sneakers schafften es die Deutschen, Kultstatus zu erlangen. Retro-Modelle wie der "Superstar", "Stan Smith" oder die schlichte "Gazelle" sind wieder populär.

In Berlin sorgte der Sneaker EQT Support 93/ BVG für einen irren Hype. Der Turnschuh mit eingebauter Jahreskarte der Berliner Verkehrsbetriebe war so begehrt, dass Hunderte vor den Läden Schlange standen.

BVG-Schuh

BVG-Schuh von Adidas - wer Schlange stand und ein Paar ergatterte, konnte 1.000 Euro Gewinn machen. | Bildquelle: Adidas

Adidas kurbelte die Umsätze auch durch den Direkt-Verkauf über eigene Shops sowie über das Internet kräftig an. Sorgenkind bleibt die US-Tochter Reebok. Victoria Beckham soll die Marke in Form bringen. Die Frau des früheren Fußball-Stars David Beckham soll Reebok als Designerin und Markenbotschafterin vor allem für Frauen attraktiv machen.

70 Jahre Marke Adidas

Adi Dassler

3 Streifen - 70 Jahre

Vor 70 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der drei Streifen, Adidas wurde 1948 als Marke eingetragen. Der Name ist eine Kombination des Vor- und Zunamens des deutschen Unternehmers Adolf "Adi" Dassler. Adi hatte 1924 mit seinem Bruder Rudolf die Schuhfabrik des Vaters übernommen und zur "Gebrüder Dassler Schuhfabrik" umfimiert. Nach Meinungsverschiedenheiten begann Rudolf 1948 mit dem Aufbau des eigenen Unternehmens "Puma". Seither gibt es zwei Sportartikelhersteller in Herzogenaurach: Adidas und Puma. Bis zum Tod von Adi Dassler vor 40 Jahren blieben die Brüder unversöhnt.

Das Wunder von Bern

Weltbekannt wurde die Marke mit den drei Streifen zur Fußball-WM 1954. Damals trugen die Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft in der Schweiz die Schuhe von Adidas. Adi Dassler, der Begründer der Marke, betreute die Mannschaft von Sepp Herberger als Zeugwart.

Er entwickelte das System der Schraubstollen, durch die das Schuhwerk der Wetterlage angepasst werden konnte. Die Stollen gaben den deutschen Spielern einen sicheren Stand, und den Kick zum Sieg in Bern. Für Adidas war es der Kick zum Aufstieg zum Weltkonzern. Heute sind die Herzogenauracher die Nummer zwei der Branche, und im Fußball sogar Weltmarktführer.

Adidas-Gründer Adolf

Schraub auf, Adi“ - der Satz gehört zur deutschen Sportgeschichte - der Bundestrainer bat Adidas-Gründer Adolf "Adi" Dassler um rutschsichere Schraubstollen für die WM 1954 in Bern. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In der Bundesliga aber fährt Adidas zurück. Hatte der Konzern in Spitzenzeiten bis zu 16 Klubs in einer Saison ausgestattet, ist es jetzt nur noch einer. Keineswegs ein Rückzug vom Fußball, sondern das Bestreben vor allem auf "ausgewählten Top-Vereine" zu setzen. Dazu gehören für Adidas ganz offenbar in Deutschland nur die Spieler des FC Bayern München. Der Aktie hat es nicht geschadet.

bs