Airbus A350-900 der Scandinavian Airlines SAS
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Luftfahrt Airbus knackt Rekorde und übertrumpft Boeing

Stand: 15.01.2018, 13:14 Uhr

Erst die Bestellungen aus China, nun legt Airbus noch einen drauf: Der deutsch-französische Konzern erhielt 2017 über 1.100 Neuaufträge und überholt damit den amerikanischen Rivalen Boeing. Unterdessen kommen Airbus seine Altlasten nun teuer zu stehen.

Auf das Flugzeug genau 1.109 Bestellungen gingen im vergangenen Jahr nach Frankreich. Damit überholt Airbus seinen Konkurrenten Boeing. Der US-Hersteller kam nur auf 912 neue Aufträge.

Jedoch konnte Boeing mit 763 Flugzeugen mehr Bestellungen ausliefern als Airbus: Die Franzosen übergaben nur 718 Maschinen. Doch auch das ist neuer Produktionsrekord für den größten europäischen Flugzeughersteller: Im vergangenen Jahr konnte der Flugzeugbauer nur 688 fertigstellen. Die beiden Luftfahrtgiganten liefern sich sein Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Orders, wie die Grafik von Statista zeigt.

Vergleich Neubestellungen bei Airbus und Boeing, 2007 bis 2017

Neubestellungen bei Airbus und Boeing. | Bildquelle: Statista.com, Grafik: boerse.ARD.de

Überraschender Spitzenreiter

Mit der Position als Spitzenreiter bei den Neuaufträgen hatte Airbus im Herbst noch nicht gerechnet: Der MDax-Konzern erwartete weniger Bestellungen als Auslieferungen. Doch im Dezember schwappten dann noch 776 neue Aufträge herein. Damit lag der Gesamtauftragsbestand von Airbus bei 7.265 Flugzeugen - neuer Branchenrekord.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,84
Differenz relativ
+0,22%

An der Börse lief es wiederum besser für Boeing: Die Amerikaner legten im vergangenen Jahr um 87 Prozent zu. Airbus kam nur auf ein Plus von rund 40 Prozent. Für einen Schub sorgte Präsident Macron vergangene Woche: Die Ankündigung des Mega-Deals aus China ließ den Kurs binnen eines Tages von 87 Euro auf fast 92 Euro steigen – am Montag schwankte er rund um die 90 Euro-Marke.

Alles Zeichen stehen auf Veränderung

Airbus A380 plus

Airbus A380 plus . | Bildquelle: Unternehmen

Für Airbus ist die aktuelle Auftragslage ein Segen: Der Konzern hatte in letzter Zeit einige Probleme mit seinen Zulieferern, was die Auslieferung der Flugzeuge verzögerte. Außerdem droht dem A380 das Aus: Der Riesenvogel wird zu wenig bestellt.

Doch nicht nur die Produktpalette könnte sich ändern – auch der Konzern steht vor dem Wandel: Vize-Chef Fabrice Brégier und Vertriebschef John Leahy gehen. Auch Konzernchef Tom Enders hört im kommenden Jahr auf.

Während im Konzern also Umbrüche stattfinden, muss außerhalb noch so mancher Riss im Firmenimage geflickt werden. Aktuell laufen in den USA und Kuwait Ermittlungen gegen den Konzern und in Frankreich, Deutschland, Österreich und Großbritannien werden Untersuchungen fortgesetzt.

Altlasten fordern ihren Tribut

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
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Börse 17:00 Uhr Airbus hängt Boeing ab

Bei dem Fall aus Österreich geht es um 15 Eurofighter-Kampfflugzeuge, die 2003 für 1,7 Milliarden Euro an Österreich verkauft wurden. Das Geschäft lief über Matra Défense, eines der Vorläufer-Unternehmen von Airbus. Nach langjährigen Ermittlungen in Wien und München erstattete Österreich im vergangenen Jahr Strafanzeige gegen Airbus: Es sei zu Täuschung bei der Ausstattung und Lieferfähigkeit sowie zu dubiosen Nebengeschäften gekommen. Österreich fordert daher Schadenersatz in Millionenhöhe.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt unterdessen wegen des Verdachts der Veruntreuung von Konzerngeldern: Im Rahmen des Verkaufs der 15 Eurofighter sollen rund 90 Millionen Euro in zwielichtige Kanäle geflossen sein.

Airbus Group-Schriftzug

Airbus Group. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Airbus möchte die Angelegenheit möglichst unaufgeregt lösen. Dafür suchte der Luftfahrtkonzern nach eigenen Angaben bereits das Gespräch mit der Münchner Staatsanwaltschaft. Airbus will einen öffentlichen Prozess vermeiden und lieber zahlen: Für rund 80 Millionen Euro könnte das Verfahren eingestellt werden. Ein Ende der Ermittlung in Deutschland könnte zudem die Untersuchungen in Österreich erschweren.

Erste Entscheidung in Taiwan

In einem anderen Fall aus alten Zeiten von Matra Défense gab es am Samstag ein Ergebnis. Ein Schiedsspruch verlangt von Airbus die Zahlung in Höhe von 104 Millionen Euro. Bei dem Streit geht es um eine Raketen-Lieferung an Taiwan im Jahr 1992, bei der Matra den Kaufvertrag verletzt haben sein soll. Matra Défense überprüft aktuell den Schiedsspruch.

jz