Airbus A 380-800
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29 Prozent mehr Gewinn Airbus trotzt A380-Belastung

Stand: 14.02.2019, 09:21 Uhr

Wegen mangelnder Aufträge für den A380 zieht Airbus die Notbremse: die Produktion des Riesenfliegers wird eingestellt. Der Bilanz schadet das A380-Aus kaum. Dank stark gefragter kleinerer Maschinen verdiente Airbus 2018 prächtig.

Mit einem lachenden und weinenden Auge wird am Morgen der scheidende Airbus-Chef Tom Enders in der Unternehmenszentrale im südfranzösischen Toulouse die Jahreszahlen vor der internationalen Presse präsentieren. Die Einstellung des A380 ist für das Management eine herbe Niederlage. Der Riesenvogel erfüllte nicht die hohen Erwartungen und blieb ein Ladenhüter. Vielen Airlines ist der Flieger zu groß und verbraucht zu viel Treibstoff. Das ist nicht wirtschaftlich, besonders wenn der Riesenjet nicht voll besetzt ist.

A380 wird ab 2021 nicht mehr ausgeliefert

Am Donnerstagmorgen teilte Airbus mit, dass die größte Kundin des A380, die arabische Fluggesellschaft Emirates, ihre Bestellung um 39 Maschinen reduziert habe. Und auch bei anderen Airlines sei der Auftragsbestand mangelhaft. Deshalb gebe es nun keine Grundlage mehr für die Fortsetzung der Produktion des Riesen-Jets. Die Auslieferungen würden im Jahr 2021 eingestellt. "Die heutige Ankündigung ist schmerzlich für uns und für die A380-Communities weltweit", erklärte Enders.

Andererseits ist Airbus damit eine Dauer-Belastung los. Die Einstellung des Riesenfliegers wird den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern zwar einiges Geld noch kosten, aber das lässt sich verkraften. Dies zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres. Trotz rund 900 Millionen Euro hoher Sonderbelastungen durch den A380 und auch den Militärtransporter A400M schaffte Airbus einen fulminanten Gewinnsprung.

Mehr Gewinn als erwartet

Mit 3,05 Milliarden Euro verdiente Airbus 29 Prozent mehr Geld als ein Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebit) kletterte noch stärker - von 3,19 Milliarden auf 5,83 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 63,7 Milliarden Euro zu. Analysten hatten lediglich mit einem Umsatz von 62,79 Milliarden Euro und einem Betriebsergebnis von 5,03 Milliarden Euro gerechnet.

Mit kleineren Maschinen kompensierte Airbus die A380-Flaute. Der europäische Luftfahrt-Riese übergab 800 Flugzeuge an seine Kunden und schaffte einen Auslieferungsrekord. Konkurrent Boeing hatte nur ganz knapp die Nase vorn. Die Amerikaner lieferten gerade mal sechs Maschinen mehr aus.

Für 2019 nimmt sich das Management weitere Zuwächse vor. Das bereinigte operative Ergebnis soll um etwa 15 Prozent steigen. Dazu will das Unternehmen 880 bis 890 Verkehrsflugzeuge ausliefern. Boeing baut seine Produktion aber ebenfalls kräftig aus und will im laufenden Jahr rund 900 Verkehrsjets ausliefern.

Zehn Prozent mehr Dividende

Dank des Gewinnsprungs sollen die Aktionäre zehn Prozent mehr Dividende erhalten. Ihnen winkt eine Ausschüttung von 1,65 Euro je Aktie. Analysten hatten freilich mit mehr, nämlich 1,79 Euro je Papier gerechnet.

Trotz der kleinen Dividenden-Enttäuschung sind die Airbus-Aktien am Donnerstag heiß begehrt. Sie steigen um fast fünf Prozent. Der Kurs des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns hat auf Einjahres-Sicht über ein Viertel zugelegt.

nb

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Jahrzehntelang war die amerikanische Boeing 747 die Königin der Lüfte. Nachdem ein gemeinsames Großflugzeug-Projekt von den Airbus-Gesellschaftern und Boeing nicht zustande kam, machten sich im April 1996 die Entwickler von Airbus daran, selbst ein Großflugzeug zu entwickeln. Ab Dezember 2000 gab es dann das offizielle "Go-Ahead" zum Bau der ersten Flugzeuge.