Airbus A321XLR

Airbus-Prognose Flugverkehr wird sich bis 2038 verdoppeln

Stand: 18.09.2019, 15:25 Uhr

Von wegen "Greta-Effekt"! Die Manager von Airbus rechnen damit, dass in den nächsten 20 Jahren immer mehr Menschen mit dem Flugzeug reisen. Mehr als doppelt so viele Jets dürften 2038 unterwegs sein, prophezeien sie.

In den kommenden 20 Jahren würden weltweit voraussichtlich 39.210 neue Passagier- und Frachtmaschinen benötigt, glaubt der europäische Flugzeugbauer in einer am Mittwoch veröffentlichten Langfrist-Prognose. Das sind rund 1.800 mehr Flugzeuge, als vor einem Jahr noch vorausgesagt war. Die weltweite Flugzeugflotte dürfte sich demzufolge bis zum Jahr 2038 auf fast 48.000 Jets mehr als verdoppeln, schätzt Airbus-Verkaufschef Christian Scherer.

Die größte Nachfrage kommt vor allem aus Asien. Dort würden bis 2038 mehr als 16.500 neue Jets gebraucht, prophezeit Airbus. Das sind mehr als in Europa und Nordamerika zusammen.

Asiens Mittelschicht im Reisefieber

Grund sei die wachsende Mittelschicht in Asien. "Wenn die Menschen mehr verdienen, werden sie mehr reisen", sagte Airbus-Marktexperte Bob Lange. In Indien zum Beispiel werde sich der Flugverkehr bis zum Jahr 2038 fast verfünffachen. Weltweit werde der Luftverkehr pro Jahr durchschnittlich um voraussichtlich 4,3 Prozent wachsen, prognostizieren die Airbus-Experten.

Der erwartete Zuwachs kommt vor allem von den Mittelstreckenjets wie dem Airbus A320neo und Boeings Krisenjet 737-MAX Sie stehen für gut drei Viertel der prognostizierten Nachfrage. Allerdings gilt für die Boeing 737-MAX seit März ein weltweites Flugverbot, dessen Ende noch offen ist.

Keine Angst vor neuen Wettbewerbern

Airbus-Verkaufschef Scherer glaubt, "dass wir in diesem Segment einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent halten können". Er rechnet nicht damit, dass neue Wettbewerber - etwa aus China oder Russland - eine nennenswerte Rolle im Markt spielen werden.

Trotz prall gefüllter Auftragsbücher dürfte Airbus die Flugzeug-Auslieferungen in den kommenden beiden Jahren kaum steigern. Der Hersteller werde 2020 und 2021 zahlenmäßig eine Pause einlegen, weil die Komplexität der Produktion durch neue Modelle zunehme, hatte Konzernchef Guillaume Faury der Zeitung "Die Welt" gesagt. Für 2019 peilt er weiterhin 880 bis 890 Auslieferungen an.

Wachablösung in diesem Jahr?

Erreicht Airbus dieses Ziel, könnte der Konzern erstmals seit Jahren mehr Flugzeuge an die Kundschaft bringen als Erzrivale Boeing und den US-Konzern somit als Branchenführer überholen. Boeing steckt wegen seiner Unglücksjets 737 Max in einer schweren Krise. Faury zufolge hat sein Konzern davon aber keine Vorteile. Denn die Airbus-Produktion sei bis 2024 ausgebucht.

Die zuletzt gesunkene Zahl der Flugzeug-Bestellungen im Vergleich zu den starken Vorjahren beunruhige ihn nicht, sagte Scherer nun. Nach einigen starken Jahren mit viel mehr Aufträgen als Auslieferungen könne man sich einige schwächere Jahre leisten. Dauerhaft mehr Bestellungen zu haben, als man abarbeiten könne, wäre auch keine gesunde Entwicklung, argumentierte er.

Die Airbus-Aktien befinden sich seit Jahresanfang im Höhenflug. Die Titel des europäischen Flugzeugbauers haben fast 50 Prozent gewonnen und im Sommer mit 133,82 Euro ein Rekordhoch erreicht. Damit haben sie besser performt als Konkurrent Boeing.

nb